Gefährliche Liebschaften

Von DSK zu Kachelmann: Mit der Unterstützung der Medien missbrauchten die Mächtigen den Schutz der Privat­sphäre. Jetzt brechen die Dämme. Gastkommentar von Jürg Altwegg, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Genf.

In keinem anderen Land der ersten Welt sind so viele Starjournalistinnen mit Politikern verheiratet wie in Frankreich. Auf der linken Seite des politischen Spektrums ist diese Form der Ehe aus Gründen der ideologischen Affinitäten noch ein bisschen stärker verbreitet als im bürgerlichen Lager. Nur kurzzeitig war Nicolas Sarkozy nach seiner Scheidung – von Cecilia – mit einer Journalistin des konservativen Figaro liiert. Den Chefredakteur von Paris Match kosteten Sarkos Turbulenzen den Job: Er hatte Cecilia mit ihrem neuen Partner aufs Titelblatt gehievt. Der Gehörnte – damals noch Innenminister – gewann die Wahl, weil Cecilia zur Wahrung des Scheins nach Hause zurückgekehrt war. Dann tröstete sich Sarkozy mit Carla Bruni. Die Sängerin mit den vielen linken und intellektuellen Ex-Lovern ist im Elysée zur treu liebenden Präsiden¬tengattin geworden und hat sich vom linken Kuchen und Mainstream verabschiedet. Jetzt sorgt die First Lady, die in Woody Allens herrliche Hommage auf Paris eine Nebenrolle bekam, dafür, dass im Elysée erstmals seit der Vierten und Fünften Republik Nachwuchs erwartet wird.

Während der gefährlichste Rivale im Wahlkampf in New York vor Gericht steht: angeklagt der Vergewaltigung eines schwarzen Zimmermädchens. Auch DSK ist mit einer prominenten ehemaligen TV-Journalistin verheiratet. Eingeschlagen hatte es, als sie ihn zu Hause für Europas grössten Privatsender Tf1 besuchte. Im Gegensatz zu den meisten TV-Frauen zog sich Anne Sinclair zurück – andere haben auch schon den Gemahl oder dessen Kollegen im Kabinett interviewt. Genauso charakterfest steht sie jetzt zu ihrem Gatten, dessen Verteidigung sie organisiert. Le Monde hat das Vermögen der Erbin eines Kunsthändlers auf «ein paar Millionen Euro» geschätzt.

Sex, Geld, Macht: Die Verhaftung von DSK hat Frankreich in einen anhaltenden Taumel gestürzt. Nichts bleibt, wie es war, berichtete gerade ein Kor¬respondent. Und meinte die französische Gerichts¬barkeit: Sarkozy – der amerikanischste aller Präsi¬denten seit dem Zweiten Weltkrieg – wollte sie mehr nach dem Beispiel der Vereinigten Staaten ausrichten. Er musste die Reform zurückziehen – inzwi¬schen bekommen die Franzosen täglich Anschauungsunterricht aus New York. Und es ist wie im Fernsehen.

Und gar nicht so überflüssig. In harschen Tönen wurde das Vorgehen der amerikanischen Polizei gegen DSK kritisiert. Während Tagen verteidigte die französische Elite ihren Star mit einer Klassensoli¬darität weit über die Unschuldsvermutung hinaus. Erst die Feministinnen drehten den Diskurs. Selbst das «Ende der sexuellen Ausnahme» – der französischen Macho-Kultur – mit dem von den Frauen freiwillig gewährten «Herrenrecht» der Politiker wird proklamiert. Aber noch immer nehmen die Franzosen DSK das Haus in New York – monatlich 50'000 Dollar Miete – übler als das Verbrechen, dessen er angeklagt ist.

DSK wird auch das Thema des Sommertheaters sein – nächste Verhandlung: 18. Juli. Die französischen Medien nehmen keine Rücksicht mehr auf die Privatsphäre des Mannes, den sie als zukünftigen Präsidenten zelebrierten. Nicht nur in seinem Fall wurde ihr Schutz als Alibi missbraucht, um Missstände und Verbrechen zu verschweigen. Zum Taumel, in dem sich das Land noch immer befindet, gehören die vielen konkreten Fälle, die endlich zur Sprache kommen. Die Medien bezichtigen sich selber, an einer «Omerta» der Eliten beteiligt gewesen zu sein.

Jetzt brechen die Dämme – und der Philosoph Alain Finkielkraut befürchtet bereits einen «Totalitarismus der Transparenz». Dabei wäre es gar nicht so schwierig, die Grenzen zwischen Privatsphäre und Politik zu definieren. Aber für die französischen Medien geht es um eine Kulturrevolution. Nach den Vorfällen in Manhattan haben sie ihre nationale Nabelschau ein bisschen ausgeweitet und einen Fall entdeckt, den sie monatelang ignorierten: Kachelmann

Gefährliche Liebschaften

ÖV Wenn einem die Traumfrau ständig Bussen statt ihre Telefonnummer zusteckt, sollte die Flirtstrategie dringend überdacht werden. Darin sind sich die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) und ihre Agentur Ruf Lanz einig.

ÖV Wenn einem die Traumfrau ständig Bussen statt ihre Telefonnummer zusteckt, sollte die Flirtstrategie dringend überdacht werden. Darin sind sich die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) und ihre Agentur Ruf Lanz einig.Ein neues Kampagnensujet soll die Zürcher deshalb ermuntern, ohne Auto in den Ausgang zu fahren und so die kostspielige Bekanntschaft mit den falschen Frauen zu vermeiden. Das Politessen-Sujet ist die erste Umsetzung des im vergangenen Juli eruierten Volkswillen: Aus sechs Vorlagen durften die Besucher der VBZ-Homepage ihren Kampagnen-Favoriten wählen. Mit 22 Prozent haben die «falschen Frauen» schliesslich das Rennen gemacht.

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