Wie in einer guten Ehe

Der City-Pool muss jetzt ein Mitglied mit schlechten Radiocontrol-Zahlen durchfüttern

Der City-Pool muss jetzt ein Mitglied mit schlechten Radiocontrol-Zahlen durchfütternDen eigenen Anspruch, die grössten Radios in den Städten Bern, Basel und Luzern zu vereinen, erfüllt der City-Pool nicht mehr. Dennoch will er sich (noch) nicht verändern. Davon profitiert derzeit der Pool 2000. Doch ob es ihn auch 2002 noch in der derzeitigen Konstellation gibt, ist offen.Die Radiocontrol-Daten des zweiten Halbjahres 2001 brachten den City-Pool-Mitgliedern Basilisk, Pilatus und ExtraBern schlechte Nachrichten (WW 3/02). Zwar konnte der Pool insgesamt 7100 Hörer zulegen, doch ausschliesslich in Basel und Luzern. In Bern hingegen hat ExtraBern nicht nur 8800 Hörer eingebüsst, es ist auch von Rang 14 auf 17 zurückgefallen. Doch nicht nur das: Konkurrent BE1, bisher auf Rang 19, gewann 14600 Hörer hinzu und liegt heute auf Platz 13 und ist mit 90200 Hörern besser als ExtraBern zuvor.
«Förderband hat sich im Mai 2001 im richtigen Moment zu BE1 umbenannt und ein neues Radio lanciert», anerkennt Marcel Geissbühler, Geschäftsleiter von ExtraBern. Doch auch ExtraBern habe am 1. November einen Relaunch vorgenommen. «Wir haben viel geändert. Und wir wollen in Bern wieder die Nummer 1 werden.» ExtraBern werde noch weitere Massnahmen und eine Marktbearbeitung vornehmen, sagte er. Was aber ist nun der USP des Pools, der ja jetzt die drei grössten Sender der drei grössten Deutschschweizer Städte ausserhalb Zürichs nicht mehr vereinigt? «Wir sind als Pool immer noch sehr stark», antwortet Geissbühler.
Sieben neue Mitglieder wollen in den Pool 2000
In Basel und Luzern will man allerdings die neue Situation nicht kommentieren. Pilatus-Geschäftsleiter Joachim Freiberg stellt einzig in Abrede, dass der City-Pool wackle. Die Poolmitglieder hätten im letzten Herbst beschlossen, den Pool dieses Jahr weder zu kündigen noch sonst zu verändern, womit er wegen der Kündigungsfrist mindestens bis Ende 2003 bestehen bleibe, sagt er. Der Grund: Man wolle zuerst zwei Jahre mit der neuen Erhebungsmethode durchziehen. Zudem werde man nicht einfach ein Mitglied wegen einer momentanen Schwäche fallen lassen. «Wir halten zueinander wie in einer Ehe – in guten und schlechten Zeiten», sagt Freiberg.
Diesen Bescheid erhielt auch BE1-Geschäftsleiter Martin Freiburghaus, der bereits im letzten Herbst mit Mitgliedern des City-Pools Gespräche geführt hat, als sich sein Erfolg abzuzeichnen begann. Freiburghaus weist allerdings darauf hin, dass ein Wechsel für ihn nicht prioritär sei. Einerseits, weil der Pool 2000 das ehemalige Radio Förderband in seinen schwachen Jahren immer mitgetragen habe, andererseits, weil der heutige Pool 2000 trotz Verlusten bei Z und BeO nach wie vor der grösste und günstigste sei. Zudem profitiere BE1 in jedem Fall von der neuen Situation: Wer Bern, Basel und Luzern belegen wolle, fahre mit dem Pool-2000-Modul Basel (Edelweiss und Regenbogen) und mit den Einzelbelegungen Pilatus und BE1 immer noch besser und günstiger als mit dem City-Pool.
Das bestätigen auch andere Brancheninsider. Der City-Pool sei in einer schwierigen Situation, heisst es, einerseits, weil bei ExtraBern der Relaunch (noch) nicht gegriffen habe, andererseits aber auch, weil das Radio keine Preiskorrekturen vornehmen wollte.
Solange dies so bleibt, kann dagegen Martin Muerner, Sendeleiter von Radio BeO und
Geschäftsleiter des Pool 2000 (Hitradio Z, Argovia, BE1, BeO, Edelweiss, Regenbogen, Sunshine, Canal 3), etwas ruhiger sein. Sein Pool ist auf Ende dieses Jahres kündbar, danach ist er aber für drei Jahre fest. Doch falls die City-Pool-Mitglieder tatsächlich unter sich bleiben wollen, muss Muerner zumindest kein Abspringen von BE1 befürchten.
Unklar ist allerdings die Situation in Zürich. Jetzt, da Pool-2000-Gründer Christian Stärkle bei Radio 24 am Ruder ist, könnte sich manches ändern, etwa zu Ungunsten des abgeschlagenen Pool-2000-Mitglieds Z. In Frage käme zudem eine Pool-Erweiterung: Es liegen sieben Anfragen auf Pool-Mitgliedschaft vor. Das allerdings soll laut Muerner erst im Sommer diskutiert werden. Markus Knöpfli

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