Gewinneinbruch bei NZZ

Die «Alte Tante» konnte 2001 nur gerade 128 000 Franken unter ihre Matratze legen

Die «Alte Tante» konnte 2001 nur gerade 128 000 Franken unter ihre Matratze legenVon Markus Knöpfli Im Jahr 2001 brachte es die Verlagsgruppe Neue Zürcher Zeitung (NZZ) auf einen Gewinn von bloss 128000 Franken. Dies entspricht einem Rückgang um 99,75%. Der Gruppenumsatz ist dagegen nur um 3,5% auf 513 Millionen Franken gesunken. Der Cashflow erreicht mit knapp 42 Millionen Franken 8% des Umsatzes. Im Vorjahr betrug er noch 17% des Erlöses.
Conrad Meyer brachte sein erstes Amtsjahr als Verwaltungsratspräsident der NZZ-Gruppe nur knapp mit schwarzen Zahlen über die Runde. Den Gruppengewinn 2001 von 128000 Franken bezeichnete er im Geschäftsbericht denn auch zutreffend als «schwarze Null». Im Jahr 2000 hatte die NZZ noch einen Gruppengewinn von 50,28 Millionen Franken ausgewiesen.
Ein Grund für das schlechte Abschneiden sind die um 29 Millionen Franken oder 10,5% verminderten Anzeigeneinnahmen. Das Volumen ging bei den drei Titeln NZZ, Bund und St. Galler Tagblatt (SGT) um insgesamt 11,6% zurück, wobei NZZ und Bund mit minus 13% besonders stark litten. Beim Werdenberger&Obertoggenburger hielt sich der Verlust hingegen in Grenzen. Der Gesamtertrag der Gruppe sank deshalb um 3,5% auf 513 Millionen Franken. Gleichzeitig stieg auch der Betriebsaufwand um 28 Millionen Franken (+5,8%), was mit «ausserordentlichen Investitionsprojekten» (wozu die NZZ am Sonntag gehört) begründet wird.
Neben den rückläufigen Anzeigeneinnahmen trugen bei den einzelnen NZZ-Töchtern noch andere Faktoren zum mageren Ergebnis bei. Eine Verlustquelle ist bei den Kapitalanlagen des Stammhauses zu suchen: Es erzielte 2001 keinen Wertschriftenerfolg und büsste allein dadurch 16
Millionen Franken ein. Als «unerfreulich» wird ferner das Geschäftsjahr der Bund-Gruppe bezeichnet, die unter der stark ausgebauten Berner Zeitung leidet. Derzeit einziger Lichtblick ist das neu ausgerichtete Radio BE1, dessen Hörerzahlen nach dem Relaunch drastisch zunahmen.
Verlässliche Gewinne kommen aus St.Gallen
Dass die Gruppe nicht in die roten Zahlen rutschte, ist auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen auf die SGT-Gruppe, die einen ansehnlichen Gewinn in Zürich ablieferte (siehe auch Seite 33) sowie auf die bereits eingeleiteten Kooperationen zwischen SGT und Bund, womit Kosten gesenkt werden sollen. Positiv ist zudem die Eigenkapitalbasis der Gruppe: Ihr Eigenfinanzierungsgrad lag bei 68,5%.
2002 rechnet man bei der NZZ wiederum mit einem «schwierigen Geschäftsjahr», wie NZZ-Finanzchef Jean-Philippe Rickenbach auf Anfrage ausführte. Aber dank der Kostensparprogramme sei trotz Investitionen in die NZZ am Sonntag mit weiterhin schwarzen Zahlen zu rechnen. Das erste Quartal sei im Anzeigenbereich noch einmal «hart» gewesen, doch der Akzidenzdruck habe wieder angezogen und das Finanzergebnis sei ebenfalls deutlich besser als in der Vergleichsperiode des Vorjahres ausgefallen, sagte Rickenbacher. Eine wesentliche positive Rolle dürfte auch wieder die SGT-Gruppe spielen. Rickenbacher: «Sie ist ein verlässlicher Gewinnbringer.»
Die NZZ-Gruppe in Zahlen

in 1000 Fr.
2000 2001 Veränderung zum Vorjahr in %
Gruppengewinn 50 282 128 – 99,75
Betriebsertrag 531 862 513 110 –   3,5
Betriebsaufwand 480 495 508 537 5,8
Cashflow 90 435 41 606 –  54,0

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