Bye-Bye Roxy!

Von Beat Fritsch

Von Beat FritschDie Wochenauftaktparty veranstaltete die Publimag Basel am Mittwochnachmittag bei schönstem Sonnenschein. Zu feiern gabs das 100-Jahr-Jubiläum der Coop-Presse. Über die Bühne ging das Ganze in Kurt Aeschbachers V-Labor im Zürcher Westend. Werberseitig hielt sich der Aufmarsch in Grenzen. Einerseits hatten sich von vornherein gar nicht so viele angemeldet – den Hauptharst der Gäste stellten die Coop-Partnerfirmen –, andererseits pflegen Werber bei Sonnenschein gerne unter Zuhilfenahme gewichtiger Argumente fernzubleiben. Und man fragt sich dann schon, weshalb so viele Kunden kurzfristige Konkurrenzpräsentationen meist in Schönwetterphasen anberaumen…Nun, es hat glücklicherweise in Aeschbis Labor einen Gartensitzplatz, in dem man aufs Beste das Wetter geniessen konnte. Auch die Klimaanlage im Inneren erfüllte an diesem Tag ihren Zweck.
Geboten wurde eine veritable Bühnenshow, viele interessante Talks, eine Verlosung von Freespace und Verpflegung von Gamma-Catering. Bei Letzterem hat man – trotz des gigantischen Küchenaufwands – allerdings auch schon besser gegessen. Da ist man doch tatsächlich fürs Catering mit zwei ausgewachsenen Lieferwagen vorgefahren – um dann im Hinterhof von Aeschbis V-Labor Würste und Lammkoteletts zu grillieren. Schon gut, die Tagliatelle waren Spitze, und die Desserts warens auch. Der Horst-Petermann-Level wurde dennoch nicht erreicht, auch wenn die Preise für Gamma-Catering durchaus mit denjenigen der «Kunststuben» mithalten können.
Für viel Gesprächs- und Jubelstoff sorgten in den letzten vier Wochen jeweils auch Fussballspiele. Das machte sich Heinz Krebs, Verlagsleiter beim Zürich-Express, zu Nutze. Ab den Viertelfinals durften sich geladene Gäste die Matches in der Zürcher «Newsbar» auf Grossleinwand ansehen. So liess sich unter anderen Herbi Lips vom Zirkus Conelli das Spiel Korea gegen Deutschland nicht entgehen, wobei er bei den Anwesenden auch die Werbetrommel für seinen Weihnachtszirkus auf dem Zürcher Bauschänzli rührte. Beim Finale – die Lokalität drohte beinahe aus den Nähten zu platzen – machten wir unter den Fussballfans Bettina Schmid, Tina Lehmann, Nadja Jordi und Markus Presta aus.
Allen Werberveranstaltungen zum Trotz – die letzte Woche gehörte dem Roxy mit Jean Pierre Grätzer und Peter Renner. Die beiden ehemaligen In-Club-Besitzer von der Beatengasse setzten im Zürich der Achtzigerjahre so manche Trends. Nun schliesst das Roxy seine Tore. Auf immer und ewig! Was viele der ehemaligen Members (die Roxy-Membercard öffnete einem damals die Pforten zur höheren Gesellschaft, Schickeria genannt) zu einem letzten Besuch veranlasste; war doch das Roxy Sozialisationspunkt und Szenewohnzimmer in einem. Das Ganze machte den Eindruck einer riesigen Klassenzusammenkunft. Die scharfen Hasen sind attraktive Mütter geworden, und die früher mal knackigen Boys haben jetzt angegraute Schläfen – sofern sie überhaupt noch Haare haben.
Den Auftakt zur Abriss-Partyserie machte Filmer Ernst Wirz von Wirz&Fraefel mit seiner Band Medium Rare am Mittwoch. Bereits dies ein Gig, den sich niemand entgehen lassen wollte. Wirz’ Band spielte früher jeweils im Roxy an Spezialanlässen. Ganz nah an der Bühne natürlich Irène Hiltpold, aber auch Werbeveteran Gebi Schregenberger, Tamedia-Ausbildungsleiter René Bortolani, Francis Sulzer von Sulzer Sutter, Theophil Butz von Rosa, Galerist Andy Illien, Personalberaterin Sonja Sigg, Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel, Annabelle-Marketingleiterin Jacqueline Joos, Tamedia-Pressesprecher Peter Hartmeier und Filmerin Franziska Graf.
Am Donnerstagabend wars so pumpenvoll wie in den allerbesten Zeiten des Clubs. Bald einmal hiess es an der Türe: Sorry, no entry! Die Achtzigerjahre feierten mit Kult-DJ Oli Stumm Auferstehung. Stumm war der erste Resident-DJ des Roxy und ist mittlerweile als Musikproduzent in New York tätig. Neben Theophil Butz kamen auch Kenneth Angst, die Filmer Reiner Roduner von Absolutturnus und Nadia Rosasco von Chocolate Films, Werber Oliver Burger, Marc Schürmann von Mosaik, Sandra Wildbolz, die Journalistin Anna von Senger und Produzentin Ingrid Thommen von Condor. Und auch einige Mädchen und Jungs, die mal ins legendäre Roxy schauen wollten, von dem die Eltern immer erzählen. Einige der Jungmannschaft dürften die Resultate einstiger Roxy-Liaisons der ersten Stunde gewesen sein.
Wie sollte es anders sein, auch am Wochenende war der Club nochmals übervoll. «The Rebirth of Technomusic» hätte das Motto für Freitag lauten können. Angesagt war ein Revival der Neunzigerjahre mit DJ Gogo, heute Mitinhaber des angesagten Club Q an der Förrlibuckstrasse. Am Samstag dann ein Rückblick auf die jüngste Vergangenheit des Clubs. «Fast wie in alten Zeiten» hiess es, als Rainer Kuhn seine Kultpartys im Roxy startete.
Zu Beginn nur vierteljährlich, dann im Monatsrhythmus, schaffte es Kuhn im neuen Jahrtausend, der In-Disco nochmals Leben einzuhauchen. Jetzt ist die Ära Roxy definitiv zu Ende – und wenn die Toiletten und Hinterzimmer an der Beatengasse Geschichten erzählen könnten: Au Backe – der «Borer-Skandal» wäre ein müder Furz dagegen. Was dort im Laufe der Jahre an Skandalstoff für den Boulevard zusammengekommen wäre…
Beat Fritsch

mit Stefan Hostettler beim vier Tage währenden Abgesang aufs gute alte «Roxy». Das Haus, in dem der ehemalige In-Nachtclub und Szenetreff beheimatet war, muss einem Neubau weichen. Es kamen fast alle, die früher auch schon da waren – jetzt aber 20 Jahre älter sind! Auch noch passiert letzte Woche: Die Coop-Presse feierte ihr 100-Jahr-Jubiläum im V-Labor von Kurt Aeschbacher (auch er in früheren Zeiten ein fleissiger Roxy-Gänger). Und die Fussball-WM-Einladungen des ZürichExpress in die «Newsbar», wo man sich die Finalspiele auf Grossleinwand anguckte.
Wer sich in der Kommunikationsszene an den diversen Events und Partys trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie jetzt schon etwas Spannendes zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01
296 97 98) oder in die Tastatur ([email protected]). Für Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder: www. werbewoche.ch

More articles on the topic