Besuch auf der Baustelle Kanal1

Kanal 1 TV bastelt derzeit am Konzessionsgesuch für seinen Sender

Kanal 1 TV bastelt derzeit am Konzessionsgesuch für seinen SenderVon Markus Knöpfli Dereinst soll das TV-Projekt Kanal 1 den ganzen deutschsprachigen Raum abdecken. Doch wie und in welcher Zeit dieses Ziel erreicht werden soll, bleibt völlig unklar. Derzeit feilt der Geschäftsführer für die Schweiz, Thomas Sadecky, am Konzessionsgesuch fürs Bakom.
Die österreichische Kanal-1-TV-Gruppe, die den Gebrüdern Erwin und Hanno Soravia gehört, hat vor zwei Monaten den «Ballungsraum»-Sender TV München übernommen und in der Schweiz das TV-3-Studio in Schlieren gekauft. Zudem wurde der frühere Wirtschaftsredaktor von Moneycab, Thomas Sadecky, zum Geschäftsführer für den Schweizer Zweig ernannt und mit der Gründung zweier Firmen beauftragt: Die Kanal 1 TV AG und die U1 TV Programm AG, mit je einem Aktienkapital (AK) von 100000 Franken und mit Sitz in Schlieren.
Sadecky will mit Kanal 1 eigene Formate kreieren
Sadecky, der seit 1999 der Beteiligungsfirma TST Qualitäts-Aktien Investor AG (AK: 2,2 Millionen Franken) vorsteht, hält zwar bei den neu gegründeten Firmen «einen kleinen Prozentsatz», wie er sagt, aber nicht über die TST. Trotzdem ist er der jeweils einzige Zeichnungsberechtigte. Als Drittes hat Sadecky auf Anfang September mit Patrick Schneider (Technik) und Sandra Tuttlies (Marketing) zwei ehemalige
TV-3-Mitarbeiter angestellt.
Momentan schleift Sadecky aber am Konzessionsgesuch, das er Mitte September einreichen will. Gemäss seiner Planung sollte Kanal 1 Schweiz im Frühling 2003 starten können – mit einem achtstündigen Vollprogramm für die «Kernzielgruppe» der 20- bis 45-Jährigen. Der Programmmix bestehe aus Sport, Unterhaltung, News, schweizerischen Spielfilmen sowie Reality-Shows, die in der Kanal-1-Gruppe selbst konzipiert und produziert würden.
Unter anderem nennt er die Show «Bettler und Millionär», die demnächst bei TV München starte und auch auf die Schweiz adaptiert werden könnte. Mit welchem Budget Kanal 1 arbeiten wird, welche Marktanteile bei Zuschauern und Werbegeldern erzielt und bis wann in der Schweiz der Break-even erreicht werden soll, das alles will er (noch) nicht sagen. Und wie will er das Problem von TV 3 (selig) umschiffen, das sich mühsam vom teuren Quoten-Highlight zum andern («Robinson», «Big Brother») hangelte, aber nur Flauten in seinem Vollprogramm aufwies? Sadecky verbietet sich den Vergleich mit TV 3 und weist darauf hin, dass Kanal 1 eigene Formate kreieren statt teure Spielfilme und Lizenzen einkaufen werde und zudem Synergien mit TV München nutzen könne. Zudem werde Kanal 1 gezielt Schweizer Jungtalente fördern.
Auch wenn Kanal 1 in der Schweiz starten kann, von der Idee, den ganzen deutschsprachigen Raum abzudecken, ist man weit entfernt: In Österreich hat Kanal 1 keine Konzession in Aussicht und in Deutschland mit TV München «bloss» einen Lokalsender. Dieser ist zudem Teil des Verbundes «Ballungsraum-TV», bei dem noch enger kooperiert wird als beim TeleNewsCombi.
Eine kurzfristige Umorientierung nach der Schweiz und Österreich ist deshalb kaum möglich. Sadecky sieht das anders: «Programmlich können wir mit TV München so eng kooperieren, wie wir es für richtig halten.» Des Weiteren verweist er auf den österreichischen Gesamtprojektleiter Peter Kölbel. Dieser aber ist nicht erreichbar.

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