Vom Bischof abgesegnet

Giornale del Popolo startet mit neuem Kleid, Konzept und Trägerschaft ins neue Jahr

Giornale del Popolo startet mit neuem Kleid, Konzept und Trägerschaft ins neue JahrVon Markus Knöpfli Der Bischof von Lugano lässt den Giornale del Popolo ab Ende Jahr von der Leine und stellt ihn auf eigene Füsse. Dazu wird eine AG gegründet. Die drittgrösste verkaufte Tessiner Tageszeitung erhält zum Auftakt in einen neuen Lebensabschnitt ein neues Konzept und Layout.
Am Freitag, 1. November, erhält der Giornale del Popolo eine neue Herausgeberin. Das Blatt, das stabile Leser- und Auflagenzahlen (27000 Exemplare) ausweist, gehörte bisher direkt dem Bischof von Lugano und wird nun von diesem in die neue Società editrice del Giornale del Popolo SA eingebracht. Der Start erfolgt mit einem Aktienkapital (AK) von 100000 Franken, das zu 100% aus der Diözesenkasse stammt. Bis Ende Jahr sollen zusätzliche Investoren gefunden werden, die das AK kräftig erhöhen.
Ein von Facts gestreutes Gerücht, wonach Financier Tito Tettamanti einsteigen will, wird von Matteo Oleggini, designierter CEO der neuen Firma, dementiert. Mit Tettamanti hätten bisher keine Gespräche stattgefunden, sagt er. Fest stehe bisher nur, dass die Diözese Teilhaberin bleiben wolle. Ihr genügte allerdings ein Anteil, der ihr einen Sitz im 6- bis 13-köpfigen Verwaltungsrat (VR) sicherte. Kein Wunder: Unabhängig von der Anteilsgrösse räumen die Statuten der Diözese «eine wichtige Rolle» beim Festlegen der publizistischen Linie und bei der Ernennung des Chefredaktors ein.
Platz für eine Zeitung mit christlichen Grundwerten
Der erste VR des Giornale wird zwar grösstenteils aus Personen des bisherigen Herausgebergremiums bestehen. Präsidiert wird die AG aber vom 64-jährigen Italiener Gianni Locatelli, einem Ex-Generaldirektor der RAI und derzeit beim nationalen Krebsforschungsinstitut in Mailand tätig. Neuer Chefredaktor wird Cesare Chiericati, bisher in leitender Stellung in der TSI-Redaktion. Locatelli und Chiericati stehen beim Giornale für publizistische und wirtschaftliche Öffnung und für die Ablösung von Bistum und CVP. Am 1. Januar startet das Blatt zudem mit einem neuen, vom Mailänder Grafiker Francesco Camagna entworfenen Layout und mit überarbeitetem Konzept.
Der in Publicitas-Pacht stehende Giornale ist mit dem Corriere del Ticino (39589 Exemplare) und La Regione Ticino (32000 Exemplare) im Kombi Tre Top Ticino verbunden, das ihm 60% der zurzeit rückläufigen Werbeeinnahmen generiert. Gemäss MediaFocus hat der Giornale im Jahr 2001 einen Bruttowerbeumsatz von rund 10 Millionen Franken erzielt, 7% weniger als im Jahr 2000. Für dieses und fürs letzte Jahr weist das Blatt rote Zahlen auf. Auf Grund einer Marktbefragung sieht Oleggini im Tessin noch Raum für eine den christlichen Grundwerten verpflichtete Tageszeitung. Voraussetzung sei eben mehr Geld und eine klare Firmenstruktur. Die Zukunft sieht er nicht rosig. «Es wird sicher sehr schwierig für uns», sagt er.

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