Jetzt sagen Zürcher, wos z Bärn düregeit

Ausgehmagazine Mit der Einstellung der Wochenbeilage Ansager machen Berner Zeitung (BZ) und Bund Platz für «20 Minuten Week». Tamedia reagiert (noch) trotzig mit einem Relaunch des Züritipp.

Ausgehmagazine Mit der Einstellung der Wochenbeilage Ansager machen Berner Zeitung (BZ) und Bund Platz für «20 Minuten Week». Tamedia reagiert (noch) trotzig mit einem Relaunch des Züritipp. «Ohne ihr farbigstes Schmuckstück steht die Berner Zeitung etwas gar fad in der Medienlandschaft», schrieb ein enttäuschter Leser nach der Einstellung des Ausgehmagazins Ansager. In andern Leserbriefen wurde das Aus für das gemeinsame Blatt von BZ und Bund als Tragödie, Katastrophe und Verarmung des Kantons bezeichnet. BZ-Verlagsdirektorin Franziska von Weissenfluh zeigt Verständnis: «Ich hätte als BZ-Abonnentin auch einen Leserbrief geschrieben.» Die Einstellung des Ansagers bedeute sicher einen Imageverlust. Angesichts der Inserateflaute habe man aber irgendwo den Rotstift ansetzen müssen. Den Ansager traf es, weil die Zeitungsredaktionen diese teure Zusatzleistung mit wenig Mehraufwand selbst erbringen können, wie Bund-Verlagsleiter J. Pepe Wiss ausführte.
Verschwörungstheorien
Muss die Bundesstadt nun ohne Ausgehmagazin auskommen? Nur für wenige Tage. Am 28. März erschien die letzte Nummer des Ansagers (ironisch als «Absager» betitelt), am 3. April lanciert die Pendlerzeitung 20 Minuten ihr Ausgehmagazin «20 Minuten Week» für Zürich, Bern und Basel. Angesichts des nahtlosen Übergangs witterte die Ansager-Redaktion in einem offenen Brief eine Verschwörung, will sich die Espace Media doch neuerdings zusammen mit Tamedia an 20 Minuten beteiligen. Kein Wunder, spekulierte die Mittelland Zeitung bereits, dass «20 Minuten Week» demnächst der BZ beigelegt werden könnte.
Franziska von Weissenfluh winkt ab. Über eine Kooperation mit 20 Minuten sei noch nie diskutiert worden. Allerdings lasse sich nicht vorhersagen, was in einem Jahr sein werde: «Als wir im letzten April den Ansager lancierten, konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass wir ihn schon wieder einstellen würden.»
20-Minuten-Geschäftsführer Rolf Bollmann könnte sich durchaus vorstellen, dass «Week» dereinst der BZ beigelegt wird, auch wenn er mit den künftigen Besitzern der Pendlerzeitung bislang gar keine Gespräche geführt hat. «Schliesslich ist der Sinn einer Kooperation ja, Synergien
zu schaffen», meint er. Anderseits befürchtet er eine Verwässerung
des Leserschaftsprofils. «20 Minuten Week» soll sich nämlich gezielt an junge Leser richten und auf deren Interessen beschränken. Elitekultur bleibt aussen vor – «die 100 Opernhausbesucher überlassen wir dem NZZ Ticket», so Bollmann. Den Ansager habe man bei der Planung gar nie als Konkurrenten betrachtet. Vielmehr erfülle «Week» ein Bedürfnis der Werbekunden, besonders der Kinoszene, für die beispielsweise der Züritipp zu breit gestreut sei.
Doch selbst wenn die BZ Bollmanns Bedenken zerstreuen könnte, stünde einer Kooperation ein weiteres Hindernis im Weg. Gemäss Wiss haben sich BZ und Bund verpflichtet, während der Auslaufzeit des ursprünglichen Ansager-Vertrags bis Ende 2004 kein Ersatzprodukt beizulegen. Eine Bund-Kooperation mit dem NZZ Ticket «schwebt als Idee über uns», sei aber, so der Verlagsleiter, bisher nicht konkretisiert worden.
In Bern dürfte «20 Minuten Week» demnach für die nächsten zwei Jahre konkurrenzlos dastehen. Der Tages-Anzeiger hat Bollmanns Fehdehandschuh dagegen aufgenommen und will den Kampf auch nach dem Einstieg von Tamedia bei der Pendlerzeitung ausfechten, wie Chefredaktor Peter Hartmeier versicherte. Der Züritipp soll ab Mitte Juni «im Kleid eines Grossstadtmagazins» neu lanciert werden. Wie «20 Minuten Week» und NZZ Ticket erscheint er künftig bereits am Donnerstag. Der neue Züritipp werde «spannende Gefässe für Jugendliche» bieten, kündigte Hartmeier an, «aber wir machen keine Jugendzeitung». Das Ausgehmagazin werde sich an den urbanen Tagi-Leser jeden Alters richten. Vom Erfolg ist er überzeugt: «Das Millionen-Zürich ist prädestiniert für ein Stadtmagazin wie den Züritipp.»
Programmierter SenkrechtstarterBis Ende 2003 möchte das Ausgehmagazin «20 Minuten Week» die Startauflage von 50000 Exemplaren verdoppelt haben. Dies geht aus der Anzeigendokumentation der Zürcher Firma Mediabox hervor, die Week im Rahmen ihres Jugendpools vermarktet. Beim Launch am 3. April werden 40000 Stück von Kolporteuren und über die Partner Ex Libris, City Disc und Kitag-Kinos verteilt. 10000 Exemplare liegen in Shops, Clubs, Bars und weiteren Lokalen auf. Im Jugendpool kann Week zusammen mit den Lifestylemagazinen Kult, Forecast und 7th Sky sowie auf Wunsch mit der Tessiner Zeitschrift Reset gebucht werden. Der Rabatt beträgt 10 Prozent. Alle Jugendpool-Titel zusammen erreichen gemäss Mediabox eine Leserschaft von 600000 Personen. (sm)
Stefano Monachesi

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