Qu’est-ce que le tiers état?

Quasi die Generalstäbe der Kommunikationswirtschaft versammelten sich letzte Woche an den Gestaden des Lac Léman zum Tag der Werbung.

Quasi die Generalstäbe der Kommunikationswirtschaft versammelten sich letzte Woche an den Gestaden des Lac Léman zum Tag der Werbung.Neben fünf Mitglieder- und Generalversammlungen von Werbeverbänden lag das Hauptgewicht der Veranstaltung beim Thema Allianz gegen Werbeverbote. Angesichts der drohenden Einschränkungen für die Branche kommt man sich langsam wirklich vor wie der im Titel angesprochene Dritte Stand; gemeint ist damit die politisch nicht berechtigte Klasse im vorrevolutionären Frankreich. Die schleichende Entrechtung der kommerziellen Kommunikation hängt wie ein Damoklesschwert über den Schweizer Werbeköpfen.In einer spritzigen, zuweilen scharfen
Rede brandmarkte SW-Präsident Carlo Schmid Sutter eine solche Politik der Verbote und rief zum Kampf auf. In der Tat, das Vokabular betreffend Werbeverbote wird immer martialischer. Nach Jahren kleinerer Scharmützel scheint man sich erneut in eine Entscheidungsschlacht begeben zu wollen. Immerhin schmetterte vor genau zehn Jahren das Schweizervolk die Zwillingsinitiative (Alkohol- und Tabakwerbeverbot) mit über 70 Prozent nieder – nun wird versucht, Werbeeinschränkungen über die kantonale Hintertür, siehe beispielsweise Genf, doch noch einzuführen.
Meinungsfreiheit und Zensur – bei solcher Argumentation wird der urdemokratische Schweizer hellhörig. Diese Querelen dürften uns jedenfalls, sobald die Diskussion an die Öffentlicheit getragen wird, noch intensiv beschäftigen. Wehret der Zensur, ist deshalb auch der Hauptansatz der neu entwickelten Kampagne gegen Werbeverbote, die das alte SW-Kommunikationskonzept Werbung für die Werbung ablöst. In einer stringenten und klaren Präsentation zeigte Publicis-Managing-Director Cornelia Harder Strategie und Ideen hinter der Kampagne samt ersten Sujets (siehe auch WW 18/03). Und nach Harders Ausführungen war dem Schreibenden endlich klar, an wen ihn die Protagonistin Darcy Maguire im Mel-Gibson-Werberfilm «What Women Want» ständig erinnerte.
Kremlartige Verhältnisse herrschten an den diversen Mitglieder- und Generalversammlungen. Nicht etwa, weil die jeweiligen Präsidenten ihre Parteigänger drangsalieren würden, sondern weil alle Anträge, Abstimmungen und Berichte ohne Gegenstimmen an- und abgenommen wurden.
Präsident Hans-Peter Rohner vermeldete ein Rekordjahr für das Sawi, das seit dreissig Jahren erstmals keine Subventionen beanspruchte und mit einem Gewinn von über 400000 Franken abschloss (kein Wunder, bei den hohen Kurspreisen). An der Generalversammlung der Idée-VfW wiederum konnte eine erfreuliche Trendwende bekannt gegeben werden. Nach Jahren des Mitgliederschwunds verzeichnete man 2002 endlich wieder eine Zunahme des Bestands. Zudem werden dieses Jahr ein Boule- und ein Golf-Event neu angeboten. Bei der SW standen vor allem Neubesetzungen des Vorstands auf der Traktandenliste, bei denen die Stimmenden vorbehaltlos den Vorschlägen des Präsidenten und der Geschäftsleitung folgten.
Für ein unterhaltsames Intermezzo sorgte Lova Golovtchiner mit seinem Satiretalent. Er ist eine welsche Ausgabe von Viktor Giacobbo und dank der TSR-Samstagabend-Sendung «Le fond de la corbeille» für frankofone und -phile Deutschschweizer Zeitgenossen schon längst kein Geheimtipp mehr. Letztlich bereitete auch die obligate Schifffahrt auf dem Genfersee viel Freude, sah man doch dabei einen gewaltigen, farbintensiven Regenbogen, der vom Lausanner Ufer bis nach Evian hinüberreichte – sozusagen ein Vorbote des nahenden G-8-Gipfel-Regenbogens.
Kabarettist Lova Golovtchiner sieht Werbeverbote für Mayonnaise und Stangensellerie voraus.
Beat Fritschals Präsident der Idée – Vereinigung für Werbekommunikation – beim Verlesen des Jahresberichts. Am Tag der Werbung in Lausanne fand auch die Generalversammlung der Idée-VfW statt, neben jener von Sawi, SDV, FRP und SW. Typisch Fritsch: Er feiert die Arbeit, wie sie (an)fällt…
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen.
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