Mit dem Rücken zur Gesellschaft

Tabakprävention Das Bundesamt für Gesundheit und die Kreativagentur By Heart geben Rauchern (k)ein Gesicht.

Tabakprävention Das Bundesamt für Gesundheit und die Kreativagentur By Heart geben Rauchern (k)ein Gesicht.Rund zwei Millionen Schweizerinnen und Schweizer konsumieren täglich wissentlich toxische Stoffe wie Arsen, Formaldehyd oder Blei. Mit erschreckenden Fakten und einer neuen Kampagne von By Heart eröffnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine weitere Runde in der Tabakprävention. «Ich denke nicht, dass irgend jemand einen Schokoriegel essen würde, der über 40 Krebs erregende Stoffe enthält», meint By-Heart-CD Hans Siegwart. Andererseits billige der sonst kritisch eingestellte Konsument giftige Inhaltsstoffe bei Zigaretten stillschweigend. Diese Schizophrenie wollte das Kreativteam im neuen Auftritt dramatisieren und porträtiert «echte» Raucher. Allerdings kehren sie dem Betrachter den Rücken. Die ungewohnte Optik soll laut dem CD verdeutlichen, dass kaum ein Raucher stolz auf seine Abhängigkeit ist. Gemäss BAG wollen 53 Prozent aller Raucher ihr Laster aufgeben, ein dauerhafter Ausstieg gelingt aber nur jeder zwanzigsten Person.
Die drei TV-Spots und Inserate sind Ende Mai angelaufen und haben prompt Antwort von der Tabakindustrie erhalten. So schaltete der Zigarettenmulti Philip Morris (PM) ein ganzseitiges Textinserat in der NZZ. Titel der Anzeige: «Ist es möglich, eine weniger schädliche Zigarette herzustellen?» Darin beteuert der Tabakproduzent seine Anstrengungen bei der Suche nach weniger schädlichen Inhaltsstoffen und rät Verbrauchern, «das Rauchen aufzugeben oder gar nicht erst anzufangen.» Offenbar teilt PM mit Siegwart die Ansicht, dass der Glimmstängel heute als neues Produkt kaum noch zugelassen würde.
Provozierte Reaktionen von Philip Morris: BAG-Anzeige.

Simone Keller

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