Nur fauler Zauber?
Kommentar Nach der juristischen Absolution der deutschen «Fernsehfee» dürften auch Schweizer TV-Anbieter bald alternative Finanzierungsmodelle brauchen, meint Oliver Classen.
Kommentar Nach der juristischen Absolution der deutschen «Fernsehfee» dürften auch Schweizer TV-Anbieter bald alternative Finanzierungsmodelle brauchen, meint Oliver Classen.Zwischen den Herstellern von Geräten, die Werbespots aus Fernsehsendungen ausblenden können, und den werbefinanzierten TV-Anbietern besteht weder ein tatsächliches noch ein potenzielles Wettbewerbsverhältnis»: Dieser Kernsatz eines vom Frankfurter Oberlandesgericht gefällten Grundsatzurteils dürfte den Senderchefs in München, Köln und wohl auch Zürich schwer im Magen liegen. Schliesslich konstatiert er nichts Geringeres als die juristische Unbedenklichkeit und – schlimmer noch – Unangreifbarkeit der so genannten «Fernsehfee».Zwar können die privaten TV-Veranstalter ProSiebenSat1 und RTL ihre auf «unlauteren und Existenz gefährdenden Behinderungswettbewerb» lautenden Klagen gegen die Stop-the-Spots-Software noch vors Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe weiterziehen; am Persilschein für die inzwischen auf den Namen Tivion hörende Werbeweg-Zauberin dürfte dies jedoch nichts mehr ändern. Ob und wie weit diese deutsche Rechtslage auf hiesige Verhältnisse übertragbar ist, wird die Zukunft weisen.
Sicher ist indessen heute schon, dass das Hauptprodukt der kleinen Koblenzer TC Unterhaltungselektronik AG nicht vor der Grenze Halt machen wird. Erstens wollen nämlich auch Schweizer TV-Kunden (wieder) ungetrübte Spielfilmfreuden geniessen. Und zweitens können sie das dafür nötige Kleingeld (derzeit 69 Euro) noch leichter berappen als ihre nördlichen Nachbarn.
Auf diesem Hintergrund kann man den neuen Deutschschweizer Privatfernsehunternehmern zu ihren unorthodoxen Finanzierungsmodellen eigentlich nur gratulieren. Denn sowohl Züri Plus als auch die eben konzessionierte U1 TV Station setzen zur Hauptsache auf werbeunabhängige Einnahmequellen. Was der Hasli-TV-Nachfolgerin das Sponsoring bereits ist, soll fürs neue Schlieremer Privatsender in Bälde ja das interaktive Teleshopping werden.
In die Röhre gucken könnte so – neben den sowieso schon arg gebeutelten Regionalsendern – am Ende vor allem das offizielle, zunehmend stärker auf Werbegelder spekulierende Schweizer Farbfernsehen. Und das wäre zweifellos eine besondere Ironie der jüngsten (Medien)Geschichte.
> Oliver Classen, Redaktor
Sicher ist indessen heute schon, dass das Hauptprodukt der kleinen Koblenzer TC Unterhaltungselektronik AG nicht vor der Grenze Halt machen wird. Erstens wollen nämlich auch Schweizer TV-Kunden (wieder) ungetrübte Spielfilmfreuden geniessen. Und zweitens können sie das dafür nötige Kleingeld (derzeit 69 Euro) noch leichter berappen als ihre nördlichen Nachbarn.
Auf diesem Hintergrund kann man den neuen Deutschschweizer Privatfernsehunternehmern zu ihren unorthodoxen Finanzierungsmodellen eigentlich nur gratulieren. Denn sowohl Züri Plus als auch die eben konzessionierte U1 TV Station setzen zur Hauptsache auf werbeunabhängige Einnahmequellen. Was der Hasli-TV-Nachfolgerin das Sponsoring bereits ist, soll fürs neue Schlieremer Privatsender in Bälde ja das interaktive Teleshopping werden.
In die Röhre gucken könnte so – neben den sowieso schon arg gebeutelten Regionalsendern – am Ende vor allem das offizielle, zunehmend stärker auf Werbegelder spekulierende Schweizer Farbfernsehen. Und das wäre zweifellos eine besondere Ironie der jüngsten (Medien)Geschichte.
> Oliver Classen, Redaktor
