Abschied von den Pendlern
Gratiszeitungen Der Berner Bär hat sich gemacht: Er überliess die Pendler 20 Minuten – und wandte sich den Haushalten in Bern und Umgebung zu.
Gratiszeitungen Der Berner Bär hat sich gemacht: Er überliess die Pendler 20 Minuten – und wandte sich den Haushalten in Bern und Umgebung zu.Der Berner Bär im Rückwärtsgang: Vor rund zwei Jahren begann die Zeitung, die 2001 noch eine Gratisauflage von 141000 Exemplaren auswies, ihre Boxen in Bern abzubauen, die Kolporteure abzuziehen und die Auflage zunächst auf 136000 und dann gar auf 124000 Exemplare zu reduzieren. Das geschah ohne viel Aufhebens und hatte zwei Gründe: Neben dem täglich erscheinenden 20 Minuten hatte der nur zweimal erscheinende Berner Bär (BB) bei den Pendlern einen schweren Stand. Zudem keimte beim BB-Mutterhaus Espace Media Groupe das Interesse, zusammen mit Tamedia bei 20 Minuten einzusteigen. Statt also zu versuchen, dem möglicherweise künftigen Schwesterblatt 20 Minuten (siehe Kasten) den Markteintritt zu erschweren, zog sich der BB kampflos von der Pendlerfront zurück und begnügte sich mit den Haushalten als Leserschaft, erklärt Verlagsleiter Jürg Lehmann. Der Boxenabbau war dabei nur eine Konsequenz. Eine zweite: Vor einem Jahr erhöhte der BB die Auflage – auch dies ohne grosses Tamtam. Konkret wurde in der zweiten Wochenhälfte eine Grossauflage mit plus 20000 Exemplaren eingeführt, um so die neun Gemeinden Allmendingen, Biglen, Grosshöchstetten, Konolfingen, Münsingen, Neuenegg, Oberdiessbach, Rubigen und Worb zusätzlich bedienen zu können, wie Lehmann ausführt. Schon vorher wurden rund 40000 BB-Exemplare in den Gemeinden rund um Bern verteilt, mit der Grossauflage wird diesen jetzt aber noch mehr Gewicht beigemessen, sagt Verlagsleiter Lehmann.Was auffällt: Der BB deckt nun fast dasselbe Gebiet ab wie das Amtsanzeiger-Kombi ARBplus, dem auch der Anzeiger Region Bern (ARB) angehört. Der ARB aus dem Bund Verlag und der BB waren in früheren Zeiten harte Konkurrenten, mit der 40-Prozent-Beteiligung der Espace Media am Bund Verlag auf Anfang 2004 wurden sie jedoch zu Halbschwestern. Albert P. Stäheli, CEO der Espace Media, will denn auch die BB-Grossauflage nicht gegen den ARB oder das ARBplus verstanden wissen. Man habe sie einzig auf Wunsch des Detailhandels eingeführt und sich dabei geografisch nach dessen Einzugsgebiet gerichtet. Eine Strategie gegen den ARB sei auch deshalb nicht sinnvoll, weil sich die beiden Blätter im Inseratemarkt eher ergänzen als konkurrenzieren. Der ARB sei primär bei den Immobilieninseraten und Todesanzeigen stark, während der BB das Blatt des Gewerbes und des Detailhandels sei.
Kurzum: Der BB erscheint also seit einem Jahr in der ersten Wochenhälfte mit 124000 Exemplaren und in der zweiten Wochenhälfte mit 141000 Exemplaren. Beide Auflagen gelten seit Anfang 2004 und werden gemäss Lehmann erst durch die nächste Auflagenbeglaubigung bestätigt. In den Anzeigentarifen schlug sich die Grossauflage bisher nicht nieder, die Werbekunden erhielten also ein Supplement. Ab 2005 wird sich dies jedoch ändern: Eine 1/1-Seite 4-farbig in der Normalauflage kostet neu 9298 Franken, in der Grossauflage 9386 Franken.
Seit je erscheinen die BB-Auflagen übrigens zeitlich gesplittet: Die Stadtexemplare werden bis Dienstag- und Donnerstagabend 18 Uhr in die Stadtberner Briefkasten gesteckt, die Landauflage wird mittwochs und freitags per Frühzustellung verteilt. Das hängt unter anderem mit dem Abendverkauf zusammen: Dieser findet traditionsgemäss in der Stadt am Donnerstag und auf dem Land am Freitag statt.
Rekurskommission wird entscheidenDas Vorhaben der Espace Media, sich zu 17,5 Prozent an 20 Minuten zu beteiligen, lehnte die Wettbewerbskommission (Weko) ab.
Daraufhin reichte die Espace Media im März bei der Rekurskommission für Wettbewerbsfragen eine Beschwerde ein. Diese ist nach wie vor hängig, bestätigte Jürg Dubs, Richter und Sprecher der Rekurskommission. Auf eine zeitliche Frist wollte er sich allerdings nicht festlegen.
Im Durchschnitt dauerten solche Verfahren 9 bis 15 Monate. Zudem könne die Beschwerde nachher noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.
ARB-Submissionim Dezember Herausgeber des ARB ist der Verein Region Bern (VRB), der aus 14 Gemeinden des Kantons und der Stadt Bern besteht. Er vergibt jeweils die Lizenz für den ARB.
Inhaber der Lizenz ist der Bund Verlag, der dem VRB dafür jährlich 3,7 Millionen Franken bezahlt. Der Vertrag zwischen VRB und Bund Verlag läuft Ende 2005 aus, derzeit bereitet der VRB eine neue Ausschreibung der Lizenz vor. VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer stellt sie für Dezember in Aussicht. Ob sich der Bund Verlag oder aber die Espace Media an der Submission beteiligen wird, ist gemäss Albert P. Stäheli, CEO der Espace Media, offen. (mk)
Markus Knöpfli
Kurzum: Der BB erscheint also seit einem Jahr in der ersten Wochenhälfte mit 124000 Exemplaren und in der zweiten Wochenhälfte mit 141000 Exemplaren. Beide Auflagen gelten seit Anfang 2004 und werden gemäss Lehmann erst durch die nächste Auflagenbeglaubigung bestätigt. In den Anzeigentarifen schlug sich die Grossauflage bisher nicht nieder, die Werbekunden erhielten also ein Supplement. Ab 2005 wird sich dies jedoch ändern: Eine 1/1-Seite 4-farbig in der Normalauflage kostet neu 9298 Franken, in der Grossauflage 9386 Franken.
Seit je erscheinen die BB-Auflagen übrigens zeitlich gesplittet: Die Stadtexemplare werden bis Dienstag- und Donnerstagabend 18 Uhr in die Stadtberner Briefkasten gesteckt, die Landauflage wird mittwochs und freitags per Frühzustellung verteilt. Das hängt unter anderem mit dem Abendverkauf zusammen: Dieser findet traditionsgemäss in der Stadt am Donnerstag und auf dem Land am Freitag statt.
Rekurskommission wird entscheidenDas Vorhaben der Espace Media, sich zu 17,5 Prozent an 20 Minuten zu beteiligen, lehnte die Wettbewerbskommission (Weko) ab.
Daraufhin reichte die Espace Media im März bei der Rekurskommission für Wettbewerbsfragen eine Beschwerde ein. Diese ist nach wie vor hängig, bestätigte Jürg Dubs, Richter und Sprecher der Rekurskommission. Auf eine zeitliche Frist wollte er sich allerdings nicht festlegen.
Im Durchschnitt dauerten solche Verfahren 9 bis 15 Monate. Zudem könne die Beschwerde nachher noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.
ARB-Submissionim Dezember Herausgeber des ARB ist der Verein Region Bern (VRB), der aus 14 Gemeinden des Kantons und der Stadt Bern besteht. Er vergibt jeweils die Lizenz für den ARB.
Inhaber der Lizenz ist der Bund Verlag, der dem VRB dafür jährlich 3,7 Millionen Franken bezahlt. Der Vertrag zwischen VRB und Bund Verlag läuft Ende 2005 aus, derzeit bereitet der VRB eine neue Ausschreibung der Lizenz vor. VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer stellt sie für Dezember in Aussicht. Ob sich der Bund Verlag oder aber die Espace Media an der Submission beteiligen wird, ist gemäss Albert P. Stäheli, CEO der Espace Media, offen. (mk)
Markus Knöpfli
