Ein Berner macht Ernst
Jürg Brechbühl glaubt an den Standort Bern. Er hat von Zürich als CD zu Contexta gewechselt.
Jürg Brechbühl glaubt an den Standort Bern. Er hat von Zürich als CD zu Contexta gewechselt.Schon als Bub beschied er dem Berufsberater, er möchte Werbetexter werden. Der aber belehrte ihn: «Das kann man nicht lernen!» Brechbühl solle sonst etwas Gescheites für seine Ausbildung suchen. «Das war halt so in den Sechzigerjahren», erinnert sich der neue Creative Director bei Contexta. Mit dem Wechsel in die Geschäftsleitung dieser Agentur in Bern ist Jürg Brechbühl in die Stadt seiner Jugend zurückgekehrt. Hier hatte er nach seinem Studium der Geschichte und Geografie über zwanzig Jahre als Sekundarlehrer gewirkt. «Alles ausser Singen» habe er unterrichtet. Und zwar sehr gerne. Aber es komme bei jedem Beruf ein Punkt, wo man sich überlege: «Was mache ich die nächsten zwanzig Jahre? Erwische ich den Punkt zum Aussteigen, bevor alle anderen sagen, es wäre Zeit zu gehen?»
Lehrer Brechbühl ist nicht nur rechtzeitig ausgestiegen, er hat auch den richtigen Moment zum Einsteigen in seinen alten Jugendtraum erwischt. «Ich hatte das grosse Glück, bei Advico Young & Rubicam im fortgeschrittenen Alter als Junior Texter anfangen zu können», witzelt er.
Während der vier Jahre in Gockhausen hat der Neuling an den grossen Kampagnen für Médecins sans Frontières, Swisscom, die Integrationskampagne der Stadt Zürich oder die SonntagsZeitung arbeiten können. Später ist der Konzepter bei Spillmann und Felser in deren neue Agentur an der Aemtlerstrasse eingezogen. «Ich habe das Glück gehabt, mit sehr guten Leuten zusammenzuarbeiten», blickt er auf diese wichtige Zeit zurück.
Zu leiden hatte in diesen Jahren allerdings die Lebensqualität. Das tägliche Pendeln zwischen Bern und Zürich kostete Brechbühl viele Stunden Freizeit. Noch wichtiger für eine Rückkehr in die alte Heimat war allerdings etwas anderes: «Die Konstellation in Bern ist langsam spannend geworden.» Die Agentur Contexta befindet sich in der interessanten Endphase eines kreativen Wandels. Und als sie einen CD suchte, «war das ein Moment zum Überlegen, den Schritt zurück nach Bern zu machen». Brechbühl fühlte sich auch in seinen Zürcher Jahren weiterhin als Berner. Und dies nicht ohne Stolz: «Wenn alle Berner, die in Zürich in der Werbung arbeiten, hier in Bern zusammenkämen, dann gäbe das eine ganz heisse Agentur», ist Heimkehrer Brechbühl überzeugt.
Bei Contexta arbeitet der späte Quereinsteiger nun hierarchisch erstmals an der kreativen Spitze. Der ständige Wechsel der Aufgaben macht dem CD Spass: «Innerhalb eines Tages werden Aufgaben für die verschiedensten Bereiche an mich herangetragen, von der Bank zur Zeitung, vom Konsumgut zur politischen Organisation.» Alle diese Probleme verlangen wieder eine andere Analyse. Dann kommt der spannende kreative Prozess. Wie kann ich daraus eine Geschichte formen, wie kann ich etwas dramatisieren?
Stilistisch liegen Brechbühl eher die ernsthafteren Themen. Zwar sieht er selber gern lustige Werbung. Der CD ist aber überzeugt, dass in der Werbung nicht immer alles auf Lacher aus sein muss. Die von
ihm früher mitbetreute Kampagne für Médecins sans Frontières sieht er als «hoch kreativ». Auch die zurzeit laufenden Sujets für die WochenZeitung WOZ sind «anders». Intelligente Werbung müsse dabei nicht elitär sein. Mit diesem Zugang zur Werbung ist Brechbühl überzeugt, dass er sehr gut in das Team von Contexta passt. «Es hat hier bereits solche, die sehr lustig sein können. Das gibt eine gute Mischung», freut er sich.
Brechbühl ist überzeugt, dass Contexta ein grosses kreatives Potenzial hat. Man schöpfe das aber noch nicht voll aus. «Noch wenig Berner Agenturen gewinnen Preise beim ADC. Das gilt es zu ändern.» Contexta sei kontinuierlich auf dem Weg, wolle jetzt aber noch ganz klar einen Schritt vorwärts machen. Pointiert formuliert: «Es genügt uns nicht, sagen zu können, wir seien die beste Agentur in Bern. Wir wollen uns messen mit den Zürchern und auch international.»
Privat ist Jürg Brechbühl zu entlocken, dass er politisches Kabarett liebt und einst in der Schule viel Theater gemacht hat. Er plane aber keineswegs, ein eigenes Stück zu schreiben. In der Freizeit schwimmt der «häusliche Familienmensch» lieber in der Aare oder macht ausgedehnte Wanderungen. Zum Beispiel in 16 Tagen von Pontresina bis an den Comersee. Die Geschwindigkeit beim Gehen will der Berner dabei möglichst so einrichten, dass «die Seele dem Menschen nachkommen mag». Das sei «fast meditativ und extrem erholsam», schwärmt er.
Bei Contexta sieht Jürg Brechbühl «grosses kreatives Potenzial».
Andreas Panzeri
Lehrer Brechbühl ist nicht nur rechtzeitig ausgestiegen, er hat auch den richtigen Moment zum Einsteigen in seinen alten Jugendtraum erwischt. «Ich hatte das grosse Glück, bei Advico Young & Rubicam im fortgeschrittenen Alter als Junior Texter anfangen zu können», witzelt er.
Während der vier Jahre in Gockhausen hat der Neuling an den grossen Kampagnen für Médecins sans Frontières, Swisscom, die Integrationskampagne der Stadt Zürich oder die SonntagsZeitung arbeiten können. Später ist der Konzepter bei Spillmann und Felser in deren neue Agentur an der Aemtlerstrasse eingezogen. «Ich habe das Glück gehabt, mit sehr guten Leuten zusammenzuarbeiten», blickt er auf diese wichtige Zeit zurück.
Zu leiden hatte in diesen Jahren allerdings die Lebensqualität. Das tägliche Pendeln zwischen Bern und Zürich kostete Brechbühl viele Stunden Freizeit. Noch wichtiger für eine Rückkehr in die alte Heimat war allerdings etwas anderes: «Die Konstellation in Bern ist langsam spannend geworden.» Die Agentur Contexta befindet sich in der interessanten Endphase eines kreativen Wandels. Und als sie einen CD suchte, «war das ein Moment zum Überlegen, den Schritt zurück nach Bern zu machen». Brechbühl fühlte sich auch in seinen Zürcher Jahren weiterhin als Berner. Und dies nicht ohne Stolz: «Wenn alle Berner, die in Zürich in der Werbung arbeiten, hier in Bern zusammenkämen, dann gäbe das eine ganz heisse Agentur», ist Heimkehrer Brechbühl überzeugt.
Bei Contexta arbeitet der späte Quereinsteiger nun hierarchisch erstmals an der kreativen Spitze. Der ständige Wechsel der Aufgaben macht dem CD Spass: «Innerhalb eines Tages werden Aufgaben für die verschiedensten Bereiche an mich herangetragen, von der Bank zur Zeitung, vom Konsumgut zur politischen Organisation.» Alle diese Probleme verlangen wieder eine andere Analyse. Dann kommt der spannende kreative Prozess. Wie kann ich daraus eine Geschichte formen, wie kann ich etwas dramatisieren?
Stilistisch liegen Brechbühl eher die ernsthafteren Themen. Zwar sieht er selber gern lustige Werbung. Der CD ist aber überzeugt, dass in der Werbung nicht immer alles auf Lacher aus sein muss. Die von
ihm früher mitbetreute Kampagne für Médecins sans Frontières sieht er als «hoch kreativ». Auch die zurzeit laufenden Sujets für die WochenZeitung WOZ sind «anders». Intelligente Werbung müsse dabei nicht elitär sein. Mit diesem Zugang zur Werbung ist Brechbühl überzeugt, dass er sehr gut in das Team von Contexta passt. «Es hat hier bereits solche, die sehr lustig sein können. Das gibt eine gute Mischung», freut er sich.
Brechbühl ist überzeugt, dass Contexta ein grosses kreatives Potenzial hat. Man schöpfe das aber noch nicht voll aus. «Noch wenig Berner Agenturen gewinnen Preise beim ADC. Das gilt es zu ändern.» Contexta sei kontinuierlich auf dem Weg, wolle jetzt aber noch ganz klar einen Schritt vorwärts machen. Pointiert formuliert: «Es genügt uns nicht, sagen zu können, wir seien die beste Agentur in Bern. Wir wollen uns messen mit den Zürchern und auch international.»
Privat ist Jürg Brechbühl zu entlocken, dass er politisches Kabarett liebt und einst in der Schule viel Theater gemacht hat. Er plane aber keineswegs, ein eigenes Stück zu schreiben. In der Freizeit schwimmt der «häusliche Familienmensch» lieber in der Aare oder macht ausgedehnte Wanderungen. Zum Beispiel in 16 Tagen von Pontresina bis an den Comersee. Die Geschwindigkeit beim Gehen will der Berner dabei möglichst so einrichten, dass «die Seele dem Menschen nachkommen mag». Das sei «fast meditativ und extrem erholsam», schwärmt er.
Bei Contexta sieht Jürg Brechbühl «grosses kreatives Potenzial».
Andreas Panzeri
