Unter Hochdruck

Anton Schaller hat als Chef der Multicolor Print in Baar entgegen dem Branchentrend den Umsatz gesteigert.

Anton Schaller hat als Chef der Multicolor Print in Baar entgegen dem Branchentrend den Umsatz gesteigert.«Visionen ohne Handlungen sind Tagträume. Handlungen ohne Visionen sind Alpträume.» Solche Denkanstösse von Brecht bis Valentin finden sich in einem neuen Buch über den Zirkus Monti. Das heisst: Eigentlich ist der kunstvolle Fotoband eine Werbeschrift für die Multicolor Print AG in Baar. «Ein Zirkus weist erstaunlich viele Parallelen zu unserem Druckunternehmen auf», erklärt Anton Schaller. Beide Unternehmen würden geprägt von Menschen, die «ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben und über ausserordentliche Qualitäten verfügen». Wenn Artisten ihr Können in der Manege mit spielerischer Leichtigkeit präsentieren, vergisst der Zuschauer nur allzu gerne, wie viel Arbeit hinter dieser Leistung steckt.«Knochenarbeit», nennt es Schaller, denn was hinter den Kulissen passiere, sehe man nicht. «Nur den schönen Druck zum Schluss. Die gestochen scharfen Bilder, der kunstvoll wirkende Katalog.»
Zirkusdirektor wollte Schaller nie werden. Seit Anfang 2000 leitet
er aber täglich erfolgreich die Hochseilakte, Jonglagen, Zaubereien und gelegentlich auch Dressurübungen bei der Multicolor Print.
Schaller absolvierte eine Lehre als Offsetdrucker. Später arbeitete er vier Jahre lang in Australien, zuletzt in einer Druckerei für Rupert Murdoch. «Ich wollte nicht immer nur von solchen Träumen reden», meint er stolz zu dieser Zeit. Dass er nicht für immer geblieben ist, begründet er mit seiner Weiterbildung an der Techniker Schule in Zürich. «Mit einer solchen Ausbildung kann man vorwärtskommen, sonst muss man immer wieder von vorne anfangen.» Sein Weg führte weiter zur Unionsdruckerei in Luzern, wo er 15 Jahre als Geschäftsleiter wirkte, bevor sich die Chance mit Multicolor eröffnete.
Als wichtiges Standbein der LZ Medien ist Multicolor Print in einem schwierigen Markt erfolgreich. Der Umsatz wurde im letzten Jahr um 18,2 Prozent gesteigert. Der Cashflow ist gar zweistellig. Auch jetzt zeigt sich der Auftragsbestand bereits im ersten Quartal über dem Vorjahr.
In der Zentralschweiz herrscht die höchste Dichte an Druckereien. In diesem Konkurrenzkampf mussten immer mehr Unternehmen von Acht- auf Zehnfarbenmaschinen aufrüsten. «Wir sind den Wettbewerb gewohnt, jetzt ist er einfach einen Level höher», kommentiert Schaller die Situation. Für ihn hat die Konzentration auch etwas Gutes: «Die Zentralschweiz wird zur Metropole im Druckgewerbe.»
Multicolor Print ist zwar bereits 1987 gegründet worden, in der heutigen Form jedoch 1999 aus einem Zusammenschluss der Firmen Kündig Druck in Zug, Maihof Druck und Räber Druck entstanden. Die Firma gehört heute zu den LZ Medien, unter anderem Herausgeberin der Neuen Luzerner Zeitung. Insgesamt 108 «Printartisten» bedrucken pro Jahr 2600 Tonnen Papier. Mit 43 Millionen Bogen «fehlt nicht mehr viel, und wir könnten eine Fläche so gross wie der ganze Zugersee bedecken».
Die Multicolor ist spezialisiert auf Werbedrucksachen, Kataloge und Zeitschriften, die zum Teil im eigenen LZ Fachverlag herausgegeben werden, wie zum Beispiel Der Schweizer Optiker oder Pack Aktuell.
Als eine der Stärken seiner Firma wertet Schaller die intensive Projektbetreuung von der Datenübernahme bis zum Druck. «Zwar haben viele die gleichen Maschinen. Aber man kann mehr bieten durch Beratung.» Bis die Daten der Bildaufbereitung eins zu eins in die Druckmaschine gebracht werden können, muss man für die Abstimmungen «immer im Gespräch mit dem Kunden bleiben». Dazu soll die Verkaufsberatung noch weiter ausgebaut werden.
Die Multicolor Print hat im letzten Jahr 7 Millionen Franken in Umbauten und Entwicklungen investiert. Für ein Unternehmen mit 25 Millionen Umsatz eine grosse Summe. «Gut investiertes Geld», meint jedoch Schaller, der als Nächstes auch noch die Druckvorstufe verbessern will.
Kondition für seinen Job holt sich Anton Schaller beim Velofahren. 6000 Kilometer spult er jährlich auf seinem Rennrad ab, am liebsten auf Passfahrten. Dieses Jahr will er auch den Dolomiten-Marathon machen. Acht Stunden im Sattel. Aber wer sich beruflich täglich in einem Zirkus bewähren muss, wird auch für diese Herausforderung genügend Training vorweisen können.
«Nicht nur von Träumen reden»: Anton Schaller, Direktor Multicolor Print.
Andreas Panzeri

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