Paffer werden ausgepfiffen
Gesundheit Die neue Tabakpräventionskampagne des Bundes dramatisiert den Frust der Passivraucher.
Gesundheit Die neue Tabakpräventionskampagne des Bundes dramatisiert den Frust der Passivraucher.«Stört es Sie beim Rauchen, wenn ich esse?» – Anspielungen dieser Art hört man aus dem Mund von Herrn und Frau Schweizer wenig. 72 Prozent der nicht rauchenden Kundschaft in Restaurants und Bars bitten nie unbekannte Personen, auf das Rauchen zu verzichten, auch wenn sie sich durch den Zigarettenrauch belästigt fühlen.
Dieses Verhalten dokumentieren Studien des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das seit vier Jahren ein nationales Tabakpräventionsprogramm durchführt. Obwohl das Wissen über die Schädlichkeit des Passivrauchens weit verbreitet ist, ziehen es Schweizerinnen und Schweizer offenbar vor, die Faust im Sack zu machen. Dieser falsch verstandene Anstand ist für das BAG Grund genug, in seinem diesjährigen Publikumsauftritt auf das Passivrauchen zu fokussieren.
Subtile Ansprache
Entgegen dem Eindruck, den Besuche in öffentlichen Lokalen hier zu Lande vermitteln, sind die Schweizer kein einig Volk von Rauchern. Im Gegenteil: Zwei Drittel der Bevölkerung sind Nichtraucher. Diese schweigende Mehrheit will das BAG jetzt auffordern, für ihr «Recht auf frische Luft» einzustehen. Die entsprechenden Massnahmen konzipierten die Agenturen By Heart aus Zürich und cR Kommunikation in Bern.
Nachdem die letztjährige Kampagne, welche die Giftstoffe in Zigaretten dramatisierte, als abschreckend empfunden wurde, setzen die Kreativen heuer auf eine subtilere Umsetzung. Unter dem Motto «Uns stinkts!» hat das Team zwei Fernsehspots und drei Inseratesujets kreiert. «Wir wollen den Nichtraucherinnen und Nichtrauchern sagen, dass es an ihnen ist, sich zu wehren», erklärt CD Hans Siegwart. Dabei verzichtet By
Heart auf den Zeigefinger und versucht, Toleranz auf beiden Seiten zu schaffen. Man wolle auf keinen Fall die Raucher als Schuldige anprangern, so Siegwart. Schliesslich gefährde keine rauchende Person jemand anderen mit Absicht.
Der Piep als populäre Methode
Im Sinne von «Wie sag ichs meinem Kinde» – oder in diesem Fall eben meinem rauchenden Mitmenschen – liefern die Kreativen in den Spots eine mögliche Antwort. Als Teil des Plots bedienen sich nämlich die passiv rauchenden Protagonisten des bereits bekannten akustischen Herzschlag-Signals, das seit der ersten Kampagne das Claim «Rauchen schadet» unterstützt. Durch Pfeifen der beiden kurzen und des lang gezogenen Tones zeigen die Kinder in einem der Kurzfilme ihrer Mutter, dass es ihnen stinkt, wenn Mami qualmt.
Den gleichen Trick wendet auch eine junge Frau in der Bar an, als ihr Flirtpartner eine Zigarette anzündet. Die zerknirschten Reaktionen der Raucher im Spot sollen zudem Nikotinabhängige mit ihrem eigenen Verhalten konfrontieren und ihnen bewusst machen, dass sie damit nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährden.
Dass das Pfeifen wie in den Spots auch angewandt und so populär wird, hoffen die Verantwortlichen sowohl auf Kunden- wie auf Agenturseite. Entsprechende Feldversuche, so Hans Siegwart, habe man bereits durchgeführt. Wer also in nächster Zeit im Ausgang angepfiffen wird, sollte zuerst seine Hände nach Glimmstängeln absuchen, bevor er oder sie sich geschmeichelt fühlt.
Es stinkt: Passivraucher sollen sich gegen die Behelligung wehren.
Nasen zu und durch: Das Bundesamt für Gesundheit macht mit einer Kampagne den Paffern das Rauchen madig. >> Seite 7
Simone Keller
Dieses Verhalten dokumentieren Studien des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das seit vier Jahren ein nationales Tabakpräventionsprogramm durchführt. Obwohl das Wissen über die Schädlichkeit des Passivrauchens weit verbreitet ist, ziehen es Schweizerinnen und Schweizer offenbar vor, die Faust im Sack zu machen. Dieser falsch verstandene Anstand ist für das BAG Grund genug, in seinem diesjährigen Publikumsauftritt auf das Passivrauchen zu fokussieren.
Subtile Ansprache
Entgegen dem Eindruck, den Besuche in öffentlichen Lokalen hier zu Lande vermitteln, sind die Schweizer kein einig Volk von Rauchern. Im Gegenteil: Zwei Drittel der Bevölkerung sind Nichtraucher. Diese schweigende Mehrheit will das BAG jetzt auffordern, für ihr «Recht auf frische Luft» einzustehen. Die entsprechenden Massnahmen konzipierten die Agenturen By Heart aus Zürich und cR Kommunikation in Bern.
Nachdem die letztjährige Kampagne, welche die Giftstoffe in Zigaretten dramatisierte, als abschreckend empfunden wurde, setzen die Kreativen heuer auf eine subtilere Umsetzung. Unter dem Motto «Uns stinkts!» hat das Team zwei Fernsehspots und drei Inseratesujets kreiert. «Wir wollen den Nichtraucherinnen und Nichtrauchern sagen, dass es an ihnen ist, sich zu wehren», erklärt CD Hans Siegwart. Dabei verzichtet By
Heart auf den Zeigefinger und versucht, Toleranz auf beiden Seiten zu schaffen. Man wolle auf keinen Fall die Raucher als Schuldige anprangern, so Siegwart. Schliesslich gefährde keine rauchende Person jemand anderen mit Absicht.
Der Piep als populäre Methode
Im Sinne von «Wie sag ichs meinem Kinde» – oder in diesem Fall eben meinem rauchenden Mitmenschen – liefern die Kreativen in den Spots eine mögliche Antwort. Als Teil des Plots bedienen sich nämlich die passiv rauchenden Protagonisten des bereits bekannten akustischen Herzschlag-Signals, das seit der ersten Kampagne das Claim «Rauchen schadet» unterstützt. Durch Pfeifen der beiden kurzen und des lang gezogenen Tones zeigen die Kinder in einem der Kurzfilme ihrer Mutter, dass es ihnen stinkt, wenn Mami qualmt.
Den gleichen Trick wendet auch eine junge Frau in der Bar an, als ihr Flirtpartner eine Zigarette anzündet. Die zerknirschten Reaktionen der Raucher im Spot sollen zudem Nikotinabhängige mit ihrem eigenen Verhalten konfrontieren und ihnen bewusst machen, dass sie damit nicht nur ihre eigene Gesundheit gefährden.
Dass das Pfeifen wie in den Spots auch angewandt und so populär wird, hoffen die Verantwortlichen sowohl auf Kunden- wie auf Agenturseite. Entsprechende Feldversuche, so Hans Siegwart, habe man bereits durchgeführt. Wer also in nächster Zeit im Ausgang angepfiffen wird, sollte zuerst seine Hände nach Glimmstängeln absuchen, bevor er oder sie sich geschmeichelt fühlt.
Es stinkt: Passivraucher sollen sich gegen die Behelligung wehren.
Nasen zu und durch: Das Bundesamt für Gesundheit macht mit einer Kampagne den Paffern das Rauchen madig. >> Seite 7
Simone Keller
