Ende der Geduld

Gastkommentar Sinken die Stellenanzeigenpreise nicht bald, könnten Auftraggeber in andere Medien abwandern, warnt Jürg Siegrist die Verleger.

Gastkommentar Sinken die Stellenanzeigenpreise nicht bald, könnten Auftraggeber in andere Medien abwandern, warnt Jürg Siegrist die Verleger.Der Schweizer Werbe-Auftraggeberverband arbeitet mit den Medien (SWA) an sich gut und konstruktiv zusammen, denn ohne gute Werbeträger gibt es keine gute Werbung. Natürlich hat dies seinen Preis, es fragt sich nur welchen. In diesem Punkt vermisst der SWA gerade beim werbeintensivsten Partner – den Zeitungsverlegern – jedwedes Verständnis für die Lage der werbetreibenden Unternehmen, die bereits jetzt die höchsten Produktions- und Schaltkosten in Europa zahlen.Unsere alte Forderung nach Angleichung der Stellentarife an die Annoncentarife soll nach Aussagen der Verleger nur über Preiserhöhungen zu erfüllen sein, was so schlicht nicht stimmt. Die neue Generation von Druckmaschinen wird den Zeitungshäusern nämlich grosse Einsparungen bringen. Für die Tatsache, dass die Wirtschaft wegen der Preisdifferenz zwischen Annoncen und Stelleninseraten pro Jahr rund 26 Millionen Franken zu viel bezahlt, gibt es keine vernünftige Erklärung. Dass dies «historisch» bedingt sei, ist allenfalls für Branchenhistoriker von Interesse.
Am 11. Mai hatte der SWA den Verband Schweizer Presse und dessen einzelne Mitglieder brieflich um eine Stellungnahme zu den Tarifen 2005 gebeten. Mehrere Verleger berufen sich in ihrer Antwort auf die Empfehlungen ihres Verbands. Im September sollte nämlich eine Arbeitsgruppe der Schweizer Presse die Verleger über ein neues Berechnungsmodell für Stelleninserate orientieren. Nun teilte der Verlegerverband dem SWA am 25. August jedoch mit: «Was die konkrete Preisfestsetzung bei den Stelleninseraten betrifft, so haben wir bereits in unserem Brief vom 22. März 2004 festgehalten, dass das Pricing für sämtliche Inserate und damit auch für die Stellenanzeigen in der alleinigen Kompetenz der einzelnen Verlagshäuser liegt. Daran wird auch das neue Tarifsystem nichts ändern. Wir können und wollen diese unabhängige Preisgestaltung unserer Mitglieder in keiner Weise beeinflussen.»
Im Klartext: Die Preisempfehlung, auf welche sich die Verleger gegenüber dem SWA berufen, existiert immer noch nicht. Diese Politik der Täuschung und Verschleppung ist nur dank dem Konzentrationsprozess in der Medienszene möglich.
Und der findet nicht nur auf nationaler Ebene statt. Auch lokale Verlage entwickeln sich zu Multimedia-Anbietern und errichten so regionale Monopole. Nur: Man soll den Bogen nicht überspannen, sonst spielen angesichts der Wirtschaftslage die Auftraggeber nicht mehr mit.
Es bleibt, auch im Interesse der Verleger, zu hoffen, dass die Chance auf eine vernünftige Lösung bei den Tarifen 2005 nicht nochmals vertan wird. Denn gerade bei der Personalwerbung gibt es ja durchaus Alternativen zu den Printmedien.
> Jürg Siegrist ist Direktor des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbands.

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