Abgestrafte Arroganz

Gastkommentar Egal, wie die SRG-Finanzprüfung ausgeht: Der direkte Zugang ins Bundesratszimmer dürfte Armin Walpen künftig verwehrt sein, hofft Günter Heuberger.

Gastkommentar Egal, wie die SRG-Finanzprüfung ausgeht: Der direkte Zugang ins Bundesratszimmer dürfte Armin Walpen künftig verwehrt sein, hofft Günter Heuberger.Die in den letzten Tagen bekannt gewordenen Spesenbezüge von SRG-Generaldirektor Armin Walpen haben mir wieder einmal bewusst gemacht, welche Macht die SRG vereint und wie gefährlich es ist, wenn mit dieser nicht sorgsam umgegangen wird. Da ich selbst auch schon zwanzig Jahre im Mediengeschäft bin, konnte ich Walpens Aufstieg vom Leiter des Radio- und Fernsehdiensts des EVED über den kurzen Ausflug in die Privatwirtschaft (Tamedia) und das Generalsekretariat des EJPD bis zum Generaldirektor der SRG mitverfolgen.Seine persönlichen Stärken und Schwächen sind mir schon lange bekannt. Als Präsident des Privatradioverbands erlebte ich ihn – immer dann, wenn die SRG die Privatradios brauchte – bei gemeinsamen Vorstössen beim Uvek oder Bakom. Nützlich waren wir bei der Abwehr überrissener Ansprüche der Urheberrechtsgesellschaften oder gegen Quotenwünsche der einheimischen Musikindustrie. Bei den für uns viel wichtigeren Dossiers (2. Programme, Verbreitung, Digitalisierung) zeigte uns Walpen immer wieder, wer Chef der elektronischen Schweizer Medien ist.
Doch diese Position erodiert nun. Walpen und seine Vorgänger konnten noch ohne Anmeldung ins Bundesratszimmer marschieren und ihre Anliegen direkt bei den Magistraten deponieren. Bundesrat Leuenberger mit seinem Sensorium für Anstand und zu grosse Machtballungen zeigte dem SRG-Generaldirektor mehrmals schon die gelbe Karte. Der richtete sich daraufhin – reichlich unbedarft – an andere Bundesräte, was seit der Reduktion der CVP-Abordnung nicht mehr so einfach ist. Beim neuen RTVG kämpfte Armin Walpen mit härtesten Bandagen. Und es gelang ihm nochmals, Liberalisierungsartikel wie jene zum Radiosponsoring und den Spartenprogrammen zu seinen Gunsten zu ändern.
Manchmal frage ich mich: Hat der Mann den vorliegenden Gesetzesentwurf nicht gelesen oder nicht verstanden? Keine einzige Weichenstellung ist gegen seine SRG gelaufen! Die Angst vor ausländischer Einflussnahme verhindert weiter jeglichen inländischen Wettbewerb. Als Verbandspräsident akzeptiere ich zwar die politischen Realitäten. Doch ich weiss auch: Die neuen Technologien kommen schneller, als viele meinen. Bandbreiten und Mobilität sind die Stichworte für Zukunftserfolg. Das wird die SRG mehr spüren, als ihr lieb ist. Denn gegen die grossen Telecomunternehmen wird man keine neuen Schutzwälle bauen können.
Walpen kann gerne weiter mit Chauffeur von VIP- zu VIP-Anlass fahren. Dort sieht er die Marktentwicklungen nicht. Aber ich – stellvertretend für die 45 kleinen Radiochefs der Schweiz – werde im Zweitklassabteil der SBB schnell merken, was sich im Markt durchsetzen lässt.
> Günter Heuberger ist Geschäftsführer von Radio und Tele Top sowie Präsident des Verbands Schweizer Privatradios.

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