Trends & ein Cannes-Ticket

Mit Spannung erwartete die Branche zum Frühlingsanfang die Werbetrendstudie der HandelsZeitung.

Mit Spannung erwartete die Branche zum Frühlingsanfang die Werbetrendstudie der HandelsZeitung.Angemeldet zur Präsentation vor Ostern hatten sich über 650 Gäste. Zum Glück kamen nur knapp 500 – die Lokalität war auch so voll genug. Dieses Feedback lässt wohl manchen Verlagsstrategen vor Neid erblassen. Vielleicht lohnt es sich also, ein bisschen zu schürfen nach den Gründen solchen Erfolgs.Nullo (i. e. selbstverständlich): Nebst grosszügigem Getränke- und Häppchenangebot wartet man jährlich mit überraschenden Referenten auf.
Primo: Seit ich als Shortlistautor den Werbetrendstudien-Anlass besuche, also etwas mehr als fünf Jahre, sind abgesehen von kleineren Fluktuationen die rund 500 Gäste grosso modo dieselben geblieben. Obwohl sie mittlerweile sicherlich Arbeitgeber, Position in der Hierarchie und Höhe des Einkommens teils massiv und mehrmals verbessert haben. Die meisten davon jedenfalls. Und somit potentere Kunden wurden.
Secundo: Das zeugt von konsequenter Arbeit an der Beziehungsdatenbank der Organisatoren. Die verteilte Teilnehmerliste war denn auch Inbegriff eines Szenen-Who-is-who samt Arbeitgeber und dessen Postleitzahl. Bester Stoff jedenfalls. Dass so aktuelle Daten in unserer konkurrenzgeprägten Branche öfters preisgegeben werden, erstaunt mich immer wieder.
Tertio: And finally it’s a personal business!
Trends wurden auch andernorts gesetzt: Je länger, desto mehr Substanz gewinnt der von Keystone lancierte Cannes-Open-Wettbewerb. Er ging zum fünften Mal übers Werbeparkett. Mitmachen dürfen Jungkreative, Definition siehe Box auf Seite 22. Weitere Bedingung ist, dass die Arbeit mit dem jeweiligen Kunden abgesprochen ist und mindestens einmal geschaltet wird. Sonst würde das Sujet die Cannes-Eingabekriterien nicht erfüllen – die Teilnahme an der Werbe-WM ist Teil des Siegespreises. Ebenso gehört ein Hotel-Arrangement an der Côte inklusive Festivalpass dazu.
Plakativität sei eines der gewichtigsten Auswahlkriterien gewesen, sagte Jurorin Simone Fennel bei der Preisübergabe. Und diesbezüglich stellte das prämierte Adidas-Motiv von Nina Rentschler und Björn Burkhard tatsächlich die anderen Arbeiten in den Schatten (siehe auch Seite 8). Das Sujet ist universell und wirkt auf einer halben Zeitungsseite ebenso wie auf einem Megaposter oder in einer Anflugschneise in Gras geschnitten.
Die Jurierung sei eine heisse Sache gewesen, hörte man. Im Dachstock des Keystone-Geschäftssitzes herrschen schon in der Frühlingssonne hohe Temperaturen, was man auch abends noch merkte. Die kleine Einstimmung kam den Jungkreativen gerade recht – ähnlich feucht-heisse Verhältnisse haben sie in Cannes zu erwarten.
Respekt zollen muss man allen Teams des Cannes Open. Was hier aus den Keystone-Stockbildern herausgeholt wurde, war hochprofessionell und teils auch aufreizend clever. Dass dabei die Beherrschung der Bildkomposition via Photoshop Pflicht ist, wurde auch bei der Auflösung der auf die Shortlist gesetzten Sujets in deren Einzelbilder gezeigt. Aha!
Beat Fritschbegab sich letzte Woche mit frühlingshaft spriessender Bartpracht ins Lakeside Casino Zürichhorn zur Präsentation der Werbetrendstudie 2005 der HandelsZeitung. Ihm gleich taten es fast weitere 500 (!) Werber und Marketingleute, die wissen wollten, ob der Daumen für dieses Jahr nach oben oder unten zeigt.
Trendy wars auch am Keystone Cannes Open. Jungkreative – das sind per definitionem Keystone die unter Dreissigjährigen – reichten im Wettbewerb um ein Ticket nach Cannes diverse Arbeiten ein. Allesamt sehenswert und alle nur mit Bildern aus dem Keystone-Stock – und natürlich viel Fantasie und Kreativität – erarbeitet.

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