Die Überfüllung
Design Die breite Palette der Bild- und Textverarbeitung macht die Gestalter gleichgültig.
Design Die breite Palette der Bild- und Textverarbeitung macht die Gestalter gleichgültig.Sehr viele gute Typen haben täglich viel mit Typen zu tun – aber sie interessieren sich scheinbar weder für die Schriften (und deren Geschichte), mit denen sie arbeiten, noch bei ihrem Einsatz um deren optimale Wirkung. Auch nicht, ob die Textblöcke, die sie in ihrem Layoutprogramm hin- und herschieben, auf dem Papier oder im Netz genügend leserlich sein werden.Klarheit in der Typografie ist das erste Gebot in jeder Schriftgestaltung. Ob im Prospekt, im Buch, auf dem Plakat oder in einer Zeitschrift: Nicht die Gestalter sind die Hauptsache. Sie sind die Puppenspieler, die die Typen und Schriftblöcke tanzen lassen. Aber Gestalter haben im Hintergrund zu sein, als ein Regisseur der Schrift zu wirken und sich selbst nicht vorzudrängen. Gestalter arbeiten nicht für sich, auch nicht für ihr aktuelles Designverständnis. Sie arbeiten allein für den Empfänger, die Leserin, den Drucksachen-konsumenten: Für all jene, die die Botschaft erhalten, die sie verstehen sollen und die dann am Ende, wenn alles zusammen stimmt, die übermittelte Botschaft auch als schön, wertvoll oder auch «nur» als informativ empfinden mögen.
Wir haben heute eine breite Palette von Möglichkeiten in der Bild- und Textbearbeitung. Wir sind gewissermassen die Zauberlehrlinge des elektronischen Zeitalters. Doch je einfacher etwas zu sein scheint, umso mehr müssen wir aufpassen, dass unsere eigene Einfachheit nicht aus jedem Dokument herausschaut. Doch gerade weil alles so einfach zu sein scheint, machen es sich viele Desktop-Gestalter besonders leicht: Sie sind nicht nur schneller als die «alten» Setzer und Grafiker, sie sind damit auch oberflächlicher, gleichgültiger und konfuser.
Wir haben heute mehr Wirrwarr als früher: Enge, Überfüllung und Chaos. Überfüllung in allem: zu bunte Bilder, zu gross, ineinander, übereinander, überbunt, wenig Weiss – und etwas Schwarz zum Lesen. Jeder Künstler weiss: Zuerst wirkt die Farbe des Druckträgers, des Materials; am Anfang ist das Weiss, dann die Zeichnung, die Linie, die Schrift, und dann erst kommt die Ausschmückung, das Bild und die Farbe.
Was uns dringend fehlt, ist wieder die Achtung und der Respekt vor der Leserlichkeit eines Textes. Was aber ist leserlich? Das, was ich gerne anschaue, wenn ich es lese, was leicht und schön in meine Augen fliesst.
Otto Dörries
Wir haben heute eine breite Palette von Möglichkeiten in der Bild- und Textbearbeitung. Wir sind gewissermassen die Zauberlehrlinge des elektronischen Zeitalters. Doch je einfacher etwas zu sein scheint, umso mehr müssen wir aufpassen, dass unsere eigene Einfachheit nicht aus jedem Dokument herausschaut. Doch gerade weil alles so einfach zu sein scheint, machen es sich viele Desktop-Gestalter besonders leicht: Sie sind nicht nur schneller als die «alten» Setzer und Grafiker, sie sind damit auch oberflächlicher, gleichgültiger und konfuser.
Wir haben heute mehr Wirrwarr als früher: Enge, Überfüllung und Chaos. Überfüllung in allem: zu bunte Bilder, zu gross, ineinander, übereinander, überbunt, wenig Weiss – und etwas Schwarz zum Lesen. Jeder Künstler weiss: Zuerst wirkt die Farbe des Druckträgers, des Materials; am Anfang ist das Weiss, dann die Zeichnung, die Linie, die Schrift, und dann erst kommt die Ausschmückung, das Bild und die Farbe.
Was uns dringend fehlt, ist wieder die Achtung und der Respekt vor der Leserlichkeit eines Textes. Was aber ist leserlich? Das, was ich gerne anschaue, wenn ich es lese, was leicht und schön in meine Augen fliesst.
Otto Dörries
