Das erste Billig-Auto von Ikea

Ausbildung Wie lanciert man ein neues Produkt? An der Kreativschule des ADC/BSW hat der 8. Jahrgang seine Arbeiten präsentiert.

Ausbildung Wie lanciert man ein neues Produkt? An der Kreativschule des ADC/BSW hat der 8. Jahrgang seine Arbeiten präsentiert.Die Jury, welche die Abschlussarbeiten des 8. Kurses der Kreativschule bewertete, attestierte den jungen ADs und Textern eine sehr hohe Qualität ihrer Arbeiten. Der Kurs, an dem 11 weibliche Talente und 20 junge Männer vornehmlich aus BSW-Agenturen teilnahmen, startete am 22. September 2004 und schloss am 8. April 2005 ab. So wie bei den Grossen gab es zum Finale Gold-, Silber- und Bronzewürfel für die Teams mit den herausragendsten Lösungen zur Fantasieaufgabe «Das erste Billig-Auto von Ikea».Das Briefing setzte als Background voraus, dass der Markt «für sehr preiswerte Automobile extrem dünn» ist. Somit gäbe es ein grosses Potenzial für ein echt innovatives Konzept: Drei Türen, fünf Plätze, genügend Kraft, Sicherheit, Modernität, ansprechendes Design. Als Preis für das Fantasieauto von Ikea stellte das Briefing «klar unter 10000 Franken» in Aussicht.
Damit war auch das Zielpublikum klar umrissen: jung, erstes Auto, knappe Kasse, selbstbewusst, innovativ. Als Umsteiger wurden definiert: alle Altersklassen, offen für Neues, Post-Geiz-ist-Geil-Generation, positiv, innovativ.
Was muss die Werbung vermitteln? Hier sollte die Botschaft lauten: Neu und exklusiv bei Ikea gibt es ein supergünstiges Auto, made by Volkswagen!
Warum soll der Verbraucher das glauben? Anders als beim Smart ist das Konzept glaubwürdig minimalistisch in echter Ikea-Tradition. Viel Wert für wenig Geld. Hohe Qualität und Zuverlässigkeit durch VW ga-
rantiert. Vertrieb exklusiv über Ikea-Filialen, Wartung bei ausgewählten VW-Niederlassungen.
Als Stil des Auftritts forderte die Prüfungsaufgabe: «Reduziert (to the max), jung, herausfordernd.» Als einzige formale Bedingung galt es, das Ikea-Logo und das VW-Logo zu beachten.
Weniger Texter als früherFür das Lösen dieser Aufgaben wurden verschiedene Teams zusammengestellt. Da nur 8 Texter und 23 Art-Leute am Kurs teilnahmen, hat man in diesem Jahrgang erstmals nicht mehr darauf geschaut, dass in jeder Gruppe ein AD sowie ein Texter mitwirken muss. Es gab auch Teams ausschliesslich mit ADs. «Im Ausland funktioniert dieses Modell schon länger», weiss André Benker, der in der Schlussphase des Kurses zusammen mit Hans Tanner als Coach im Sinne eines CDs wirkte.
Die beiden Profis wollten aber nur beraten und haben bewusst «keine Ideen abgeschossen», sondern haben der Kreativität möglichst freien Lauf gelassen. Wie es sich gehört, haben alle Gruppen zuerst einmal einen Strategieplan entwickelt. Weil das Briefing sehr offen war, wurde «ein bisschen viel Zeit für lange kreative Diskussionen verloren», wie Benker meint.
Die schliesslich ausgearbeiteten Ideen wertet der Coach als «braver und vorsichtiger», als man es eigentlich von jungen Leuten erwarten könnte. Aber man sei in der heutigen wirtschaftlichen Situation vielleicht schon «konditioniert darauf, nichts mehr zu wagen und auszuprobieren». Ausnahme: Das mit einem Goldwürfel ausgezeichnete Team hat sich für einen unkonventionellen Weg entschieden und auch Sachen probiert, die im professionellen Alltag nicht realisierbar sind, aber als kreative Spielerei sehr viel Möglichkeiten eröffnen. Die Gewinner haben versucht, das neue Auto von Ikea über eine geschickt inszenierte journalistische Kampagne in den Medien zu verkaufen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ADC/BSW-Kreativschule werden (sofern sie jünger als 28 Jahre alt sind) vom 19. bis 23. Juni zur Teilnahme am Young Creative Program nach Cannes eingeladen.
ADC/BSW KreativschuleAls Juroren beim 8. Kurs der ADC/BSW Kreativschule wirkten die ADC-Mitglieder Valentina Herrmann, Simone Fennel, André Benker, Matthias Freuler und Hans Tanner sowie – als Vertreter des BSW – der strategische Planer Cary Steinmann.
Die Arbeiten werden ab Mitte April auf www.kreativschule.ch
vorgestellt.
Der nächste Kurs beginnt im September 2006. Anmeldeschluss bis Mitte Juni 2006. Kursende ist im April 2007. (ap)
Die Gold-Gewinner: Livio Dainese (Lowe), Koni Gebistorf (Contexta), Dominik Krattiger (Heye, Zürich), Maurus Zehnder (Jung von Matt/Limmat).
Silber: Nicole Glaus (Lowe), Ondrej Maczko (Matter & Partner), Annika Ramer (Jung von Matt/Limmat), Jota Ziogas (Euro RSCG).
Bronze: David Dudler (Wirz Werbung), Alexander Fürer (TBWA Switzerland), Dario Kast, Martin Stauch (Lowe Direct).
Andreas Panzeri

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