Don Filippos Selbstironie
Oliver Classen über das eigentliche Führungsproblem bei der Weltwoche.
Oliver Classen über das eigentliche Führungsproblem bei der Weltwoche.Wer die Weltwoche liest, ist selber schuld»: Dieser kürzlich in einem Interview mit Novartis-Boss Daniel Vasella gefallene Ausspruch stammt vom Ex-Chefredaktor Simon Heusser höchstselbst und könnte zum geflügelten Wort für die nächste Episode in der wechselvollen Weltwoche-Geschichte werden. Nach Heussers abruptem Abgang weist nämlich alles in Richtung einer neuerlichen rechtsbürgerlichen Ideologisierung der spannendsten Schweizer Medienmarke.Alles andere würde jedenfalls mehr als überraschen, solange CEO Filippo Leutenegger (von den Aktionären) weiter ungehindert seine Willkürherrschaft über den Jean-Frey-Verlag ausübt. Ausgerechnet «unüberbrückbare Differenzen bei Führungsaufgaben» wirft er dem
seit Amtsantritt gemobbten Heusser vor. Da sollte der Herr Nationalrat doch zuerst mal vor der eigenen Tür kehren.
Denn wer beharrt auf seinem politisch-publizistischen Doppelmandat und steht dem Verlag also nur mit halber Kraft zur Verfügung? Und wer hat die monatelange Vakanz in der Verlags- und Anzeigenleitung des vor allem deshalb wieder schlingernden JF-Flaggschiffs zu verantworten? Die Spitze von Leuteneggers unfreiwilliger Selbstironie ist jedoch, dass er durch seine «Special Relationship» zu den SVP-Hardlinern und internen Heusser-Antipoden Markus Somm und Eugen Sorg den Führungsanspruch des nominellen Weltwoche-Chefredaktors systematisch torpedierte.
Ausserdem dürfte man vom Quasi-Herausgeber eines solchen Traditionstitels ein Mindestmass an Empathie mit dessen Machern erwarten. Dass ihm diese komplett abgeht, bewies «Don Filippo» mit der nach dreissig Minuten bereits wieder rückgängig gemachten Berufung von Sorg zum Interimschef. «Wenn die Redaktion so arbeiten würde wie der Verlag,
gäbe es die Weltwoche längst nicht mehr»: Dieses ebenfalls von Heusser in kleinem Kreis geäusserte Statement skizziert – nach der politischen Ausrichtung – treffend jene zweite, verdecktere Konfliktlinie, der sich sein potenzieller Nachfolger (auch) bewusst sein sollte.
> Oliver Classen, Redaktor
seit Amtsantritt gemobbten Heusser vor. Da sollte der Herr Nationalrat doch zuerst mal vor der eigenen Tür kehren.
Denn wer beharrt auf seinem politisch-publizistischen Doppelmandat und steht dem Verlag also nur mit halber Kraft zur Verfügung? Und wer hat die monatelange Vakanz in der Verlags- und Anzeigenleitung des vor allem deshalb wieder schlingernden JF-Flaggschiffs zu verantworten? Die Spitze von Leuteneggers unfreiwilliger Selbstironie ist jedoch, dass er durch seine «Special Relationship» zu den SVP-Hardlinern und internen Heusser-Antipoden Markus Somm und Eugen Sorg den Führungsanspruch des nominellen Weltwoche-Chefredaktors systematisch torpedierte.
Ausserdem dürfte man vom Quasi-Herausgeber eines solchen Traditionstitels ein Mindestmass an Empathie mit dessen Machern erwarten. Dass ihm diese komplett abgeht, bewies «Don Filippo» mit der nach dreissig Minuten bereits wieder rückgängig gemachten Berufung von Sorg zum Interimschef. «Wenn die Redaktion so arbeiten würde wie der Verlag,
gäbe es die Weltwoche längst nicht mehr»: Dieses ebenfalls von Heusser in kleinem Kreis geäusserte Statement skizziert – nach der politischen Ausrichtung – treffend jene zweite, verdecktere Konfliktlinie, der sich sein potenzieller Nachfolger (auch) bewusst sein sollte.
> Oliver Classen, Redaktor
