Ein Server für viele Fälle

Software-Test Ein Mac-OS-X-Serversystem ist ideal, um die Daten zu zentralisieren und damit die Arbeitsstationen zu entlasten. Aber es kann auch noch mehr.

Software-Test Ein Mac-OS-X-Serversystem ist ideal, um die Daten zu zentralisieren und damit die Arbeitsstationen zu entlasten. Aber es kann auch noch mehr.Apple Computer produziert neben Consumer-Computern und Workstations auch Serversysteme für den Einstiegs- und oberen Midrange-Bereich. Diese Server und die dazugehörige Software Mac OS X Server sind für Agenturen oder Druckereien interessant, die zwei oder mehr Arbeitsstationen (z. B. klassische DTP-Arbeitsplätze) betreiben. Mit Mac-OS-X-Server hat Apple die vormals unter Betriebssys-tem Mac OS 9 noch Apple Share IP genannte Serverlösung abgelöst. Wie bei Apple Share IP kann eine Lizenz für entweder bis zu zehn
Arbeitsplätze/Clients oder eine unlimitierte Lizenz erworben werden. Die wie Mac OS X mit einem grafischen Interface versehene und auf Unix basierende Neuentwicklung ist kurz nach der Einführung des Desktop-Betriebssystems Mitte 2001 vorgestellt worden.
Zu DienstenDie vielen auf Open-Source-Code (frei zugänglicher Quellcode) basierenden Dienste der Server-Software wurden kontinuierlich mit den Updates des Betriebs-
systems verbessert. Insgesamt 20 zu verwendende Dienste enthält die aktuelle Version des Server-
systems. Die im Softwarepaket enthaltenen Dienste – die wichtigsten sind im nebenstehenden Kasten «Server» vorgestellt – erfüllen damit die zentralen Anforderungen an ein Serversystem.
Nach der sehr einfachen Installation der Server-Software präsentiert sich ein normales Betriebs-
system Mac OS X; lediglich zwei Icons fallen in der Programmleiste (Dock) auf. Startet man die Applikation Server Admin, werden im Fenster (siehe Abbildung) die möglichen Dienste angezeigt, welche schliesslich dort konfiguriert werden können. Mit dem Start
eines oder mehrerer Dienste wird der Rechner dann zum Server. Auch wenn diese Einstellungen
gewisse Kenntnisse über die technische Umgebung erfordern, so
ist dennoch die Bedienerführung durch die Menüs sehr einfach gehalten und gut erklärt.
Der wohl am meisten benötigte Dienst, die Funktion als klassischer File-Server, kann durch sehr unkompliziertes Anlegen
und Verwalten von Benutzern bzw. Benutzergruppen erfolgen. Die überaus einfache Freigabe von Dateien, Ordnern oder Volumen mit Sharepoints ist ein herausragendes Feature. Das Hinzufügen von neuen Benutzern und die
Datenfreigabe wird damit zum Kinderspiel. Auch die anderen Dienste sind, wenn man die notwendigen Angaben vorliegen hat, schnell eingerichtet und «up and ready».
Etwas schwachbrüstig präsentiert sich lediglich der Mailserver. Wohl deshalb wird dieser oft nicht verwendet und stattdessen ein Konkurrenzprodukt auf einer anderen Plattform eingesetzt. Was hier vor allem fehlt, ist eine bessere Integration in die etablierte Microsoft Exchange-Lösung, welche die E-Mail-Verwaltung mit den Kalenderfunktionen ideal verbindet.
Der integrierte Dienst Xgrid ermöglicht zudem das Grid-Com-
puting. Damit lässt sich die Rechenleistung mehrerer, innerhalb eines Netzwerks zusammengeschlossener Computer nutzen. Die Verwendung von Xgrid ist vor allem bei rechenintensiven Aufgaben sinnvoll.
Für anspruchsvolle AnwenderEine vor allem flexiblere Verwaltung der Speicherkapazitäten bietet die ebenfalls von Apple separat erhält-
liche Speicherlösung Xsan. Auf Basis eines Storage Area Networks (SAN), einem Netzwerk zur Anbindung von Festplatten, können beliebige und fast beliebig viele Speichersysteme verwendet bzw. integriert werden. Der durch Xsan mögliche Geschwindigkeitsvorteil zahlt sich hauptsächlich bei speicherintensiven Anwendungen aus. Eine Xsan-Umgebung eignet sich von daher besonders gut, zum Beispiel zum professionellen Schneiden von im HD-Format vorliegendem Video-Material.
Ein weiterer Vorteil von Xsan ist, dass die Speicherkapazität sehr
einfach ausgebaut werden kann. Mindestens ein dezidierter und erforderlicher Metadaten-Controller (separater Rechner) kümmert sich dabei eigens um die Datenverwaltung. Als sichere bzw. hochperformante Datenspeicher stehen von Apple dafür Xserve-RAID-Systeme zur Verfügung.
Xsan ist damit aber insgesamt eine grössere Dimension. Neben der Hardware (Metadaten-Conroller, Xserve-RAID) und Software (Xsan) sind auch noch schnellere Leitungen und Steckkarten (FibreChannel-Technologie) erforderlich.
Positives FazitAls Nachteil bleibt für das eine oder andere Unternehmen die Tatsache, dass die Server-Software exklusiv für Apple-Hardware konzipiert ist – und vielleicht der etwas schwache Mailserver, dem eine umfassende, mit Microsoft Exchange vergleichbare E-Mail/Kalender-Lösung fehlt.
Doch alles in allem hat Apple mit dem Mac-OS-X-Server – vor allem in seiner neuen Version 10.4.2 – eine Glanzleistung vollbracht. Vor allem seine Bedienerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit ist derzeit unerreicht. Mit dem Serverpaket erhält man eine Komplettlösung, die einfach zu bedienen ist und in der Handhabung Spass macht – und genau das erledigt, was sie soll: dem Anwender auf die eine oder andere Art einen Dienst erweisen. Mit dem integrierten Dienst Xgrid oder der optionalen Xsan-Lösung werden auch weiter gehende Bedürfnisse befriedigt.
ServerDie Server sind die Arbeitstiere in Agenturen, Prepress-Betrieben oder den Vorstufenabteilungen der Druckereien. Dank des zum Einsatz kommenden Client–Server-Prinzips erlauben sie den Zugriff mittels Clients auf einen oder mehrere
zentrale Server. Der Client liefert dazu die Benutzeroberfläche und der Server stellt die passende Funktionalität zur Verfügung. Jeder zur Verfügung stehende Dienst eines Servers erfordert daher den entsprechenden Client. Bekanntestes Beispiel ist hier das Zusammenspiel zwischen Webserver (Server) und Webbrowser (Client).
Nach diesem Client-Server-Prinziparbeiten auch Printserver (Steuerung von Druckaufträgen), Mailserver (Empfangen und Verteilen von E-Mails) oder Streaming-
server (Verteilen von digitalem Content wie zum Beispiel Radio oder Video). Mittels NFS-Server (Network File System)
können Dateien direkt auf dem Server
bearbeitet oder Programme auf dem
Server gestartet werden. (jf)
Mac OS X Server läuft auf iMac, Mac Mini, PowerMac oder dem Xserve-Rechner (Bild) mit mindestens G3-, G4- oder besser G5-Prozessoren, die mit mindestens 256 MB RAM und einem FireWire-Anschluss ausgestattet sind. Foto: Apple Computer
Mit dem Administrator-Tool (Server Admin) lassen sich sämtliche Services starten, konfigurieren oder stoppen; dies ist auch remote (ferngesteuert) über das Internet möglich.
Benutzer können per Drag&Drop Benutzergruppen zugeordnet werden.
Jürgen Franck

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