«Nach dem dritten Keks ist Schluss»
Brady Darvin, Direktor bei Strottman International Marketing, über den Trend bei amerikanischen Nahrungsmittel- konzernen, mit gesunden Neuheiten Produktsortiment und Markenimage aufzubessern.
International Marketing, über den Trend bei amerikanischen
Nahrungsmittelkonzernen, mit gesunden Neuheiten Produktsortiment und
Markenimage aufzubessern.ww: Was sagen Sie den Leuten von den Marketingabteilungen, wenn sie um Ihren Rat bitten?
Brady Darvin: Die Unternehmen
merken allmählich, dass es ein gutes Geschäft ist, gesunde Gerichte
anzubieten, weil der Trend, gesünder zu essen, sich diesmal wirklich
durchsetzen wird. Wenn sie nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre
solche Angebote in ihrer Produktpalette haben, dann werden die Leute
zur Konkurrenz gehen. Und es dauert schon ein bis zwei Jahre, bis man
solche Gerichte in allen Läden hat. Vor allem Mütter legen sehr viel
Wert darauf, dass gesunde Nahrungsmittel angeboten werden, auch wenn
sie den Kids dann doch die Fritten kaufen statt einen Apfel. Aber es
muss im Angebot enthalten sein, denn in drei oder vier Jahren werden
die meisten dann so weit sein und die Äpfel kaufen.
Warum sind Sie überzeugt, dass sich der Gesundheitstrend diesmal durchsetzen wird?
Brady Darvin:
Es ist eine Sache, wenn die Erwachsenen zu dick sind, aber wenn sich
das auf die Kinder ausweitet, dann fangen die Leute an, sich Sorgen zu
machen. Ausserdem drohen zum ersten Mal zwei Senatoren damit, Gesetze
einzuführen, wenn die Selbstregulierungsmechanismen nicht ausreichen.
Und das rüttelt die Industrie auf, weil sie davon überzeugt ist, dass
sie das selbst besser kann.
Kritiker bemängeln vor allem jene Marketingstrategien, bei denen
Cartoon-Figuren auf den Verpackungen gezeigt werden oder Markensymbole
in Computerspielen vorkommen.
Brady Darvin:
Spiele können modifiziert werden. Wenn zum Beispiel ein Keks in einem
Oreo’s-Spiel auch beim dritten Mal den Weg durchs Labyrinth nicht
findet, dann ist das Spiel eben vorbei. Auf diese Weise bringt man den
Kindern bei, dass nach dem dritten Keks Schluss ist. Bei der Frage der
Verpackung muss ich sagen, dass irgendwann auch die Eltern anfangen
müssen, Verantwortung zu tragen. Wenn die Mutter im Supermarkt zu den
Kids sagt, wir kaufen keine Frucht-Snacks, wir kaufen lieber richtige
Bananen, dann lernen die Kinder etwas über Ernährung. Man kann den
Unternehmen nicht verbieten, ihre Produkte zu vermarkten. Irgendwann
müssen auch die Eltern anfangen, ihren Kindern vorzuleben, wie man sich
richtig ernähren sollte.
Interview: Gerti Schön
