Papierproduzenten vor Ort
Papier Neben den Händlern wickeln auch die Landesvertretungen der Papierhersteller Aufträge ab.
Aufträge ab.In der Schweiz werden Druckereien
hauptsächlich vom Papiergrosshandel mit Papieren und den zugehörigen
Dienstleistungen versorgt. Dank grosser Lager und ausgefeilter
Logistikkonzepten sind diese Handelsunternehmen in der Lage, Papier
innert kürzester Zeit anzuliefern. Um ihre Dienstleistungen herum haben
einige findige Papierhändler Papermanagement oder ähnlich genannte
Konzepte entwickelt und im Angebot, die die Druckereien von der teuren
Lagerhaltung befreien. Diese Lösungen gehen zum Teil so weit, dass die
Papierhändler für die Druckereien auch die Logistik für die
abzuliefernden Drucksachen übernehmen, überzähliges Papier zurücknehmen
oder sich gar um das Recycling von Papierabfällen kümmern. Ein Segment,
das der Papiergrosshandel aber nicht abdeckt, sind Rollenpapiere für
Betriebe, die Akzidenzrollen- oder Zeitungsdruckmaschinen einsetzen.
Dieses Geschäft übernehmen die Papierproduzenten meist selbst, weil die
Abwicklung über den Papiergrosshandel hier keinen Sinn macht: Die
Lagerung der Papierrollen wäre zu kostspielig, dazu kommt der dann
insgesamt aufwändigere Transport. Die Papierfabrikanten liefern daher
Rollenpapiere direkt bis an die Rotationsmaschinen.
Für den Kontakt zu den lokalen Papiergrosshändlern und Kunden sowie für
die Abwicklung von Rollengeschäften sind viele Papierproduzenten mit
kleinen Ländervertretungen vor Ort.
Arctic Paper setzt auf drei Marken – und auf Ökologie
Papierproduzent Arctic Paper ist in der Schweiz mit einer
Verkaufsniederlassung ansässig – seit Juni 2005 im Zürcher Technopark,
davor in Basel. Drei, bald vier Personen widmen sich explizit dem
Schweizer Markt. Die 100-Prozent-Tochter Arctic Paper Schweiz AG
verfolgt dabei eine ähnliche Strategie wie andere Papierproduzenten,
die hier eine Niederlassung haben: Die im Mutterkonzern hergestellten
Papiere werden auf dem Schweizer Markt entweder direkt (Rollengeschäft)
oder indirekt (Bogengeschäft) über den Papiergrosshandel verkauft. Die
erst vor drei Jahren zu Arctic Paper firmierte, in Privatbesitz
befindliche Firmengruppe führt Papiere seiner beiden schwedischen
Standorte Munkedal (Marke Munken) und Håfreström (Arctic) sowie des
polnischen Werks Kostrzyn (Amber) im Sortiment. Das Munken-Sortiment
ist dabei das breiteste; es besteht aus sieben verschiedenen
Naturpapierqualitäten. Zum Arctic-Sortiment gehören vier
doppeltgestrichene Bilderdruckpapiere, das Amber-Sortiment umfasst drei
holzfreie, weisse Offsetpapiere.
Geschäftsführer Urs Hochuli zitiert, nach der Strategie der Arctic
Paper Schweiz AG befragt, die Firmenbroschüre: «Wir sind klein genug,
um flexibel zu sein – und wir sind gross genug, um effizient zu sein.
Das ist unsere Stärke und gleichzeitig auch unsere Strategie.»
Als eine Besonderheit bietet Arctic Paper Schweiz zusammen mit dem
Papiergrosshändler Fischer Papier zueinander passende Papiere an und
verwendet dazu den von Fischer Papier (in der Schweiz) und Arctic
Papier (im restlichen Europa) geschützten Begriff Corporate Paper.
Neben Briefschaften und Geschäftsdrucksachen über Prospekte bis zu
Büchern können sich so Firmen eine «Papier-Identität» verpassen. Eine
gleiche und aufeinander abgestimmte Optik und Haptik der
zusammengefassten Papiere ermöglicht dies. Arctic Paper Schweiz
arbeitet in der Schweiz aber nicht nur mit Fischer Papier zusammen,
sondern auch mit den Papierhändlern Antalis und Sihl + Eika.
Innovativ zeigt sich Arctic Paper bei Hilfestellungen rund um das
Bedrucken ihrer Papiere. So können Agenturen oder Druckereien sich
entsprechende Colormanagement- respektive ICC-Profile von der
Arctic-Website herunterladen, um in Drucksachen verwendete Bilder
optimal an den Bedruckstoff anzupassen. «Verschiedene Agenturen und
auch Druckereien nutzen diesen Service. Das Interesse am Download der
ICC-Profile ist zwar insgesamt noch bescheiden; die Kunden hingegen,
die mit den Profilen arbeiten, möchten diesen Service nicht mehr
missen», erklärt Hochuli dieses beispielhafte Angebot.
Als Produktneuheit bezeichnet Hochuli das neue Sortiment Glacier. Diese
Papierqualität ist eine Kombination zweier Arctic-Papiere. Damit kann
etwa die Umschlag-vorderseite einer Broschüre im ansprechenden
Naturpapier erscheinen, während die Umschlaginnenseite gleich wie der
Inhalt daherkommt. Dies kann vor allem bei über den Bund
hinauslaufenden oder doppelseitigen Sujets/Inseraten im Magazindruck
ein wichtiges Kriterium sein, ist zudem auch ein sehr schöner Effekt.
Hierzu bietet Arctic verschiedene Kombinationen an. Hochuli ergänzt:
«Kunden, die mehr als eine Tonne vom Glacier-Papier abnehmen, können
jede Kombination von zwei Papieren aus unserem Sortiment bekommen.»
Nach weiteren Dienstleistungen gefragt, erklärt die
Marketingverantwortliche Tosca Winkler: «Wir bieten unseren Kunden im
Internet auf der Site
einen
kostenlosen Musterservice (Dummyshop) an. Die Anfrage nach einem
Blindmuster – zum Beispiel eine 20-seitige Broschüre – kann dort
in Auftrag gegeben werden. Per Post erhält der Kunde
48 Stunden später ein Musterexemplar zugesandt – nach Wunsch geheftet oder gebunden.»
M-real verfügt in der Schweiz über das breiteste Sortiment
Auch die finnische M-real, bis zur Umbenennung 2001 bekannt als Metsa
Serla, vertreibt ihre Papiere in der Schweiz über eine
Tochtergesellschaft. In Nord- und Osteuropa distribuiert der
Papierproduzent seine Produkte über ein eigenes, MAP genanntes
Handelsunternehmen, das allerdings in der Schweiz nicht aktiv ist. Das
in Baar, Kanton Zug, ansässige Tochterunternehmen M-real Schweiz AG ist
daher hier Schnittstelle zwischen Papiergrosshändlern und Kunden
einerseits und den über ganz Europa verteilten Papierproduktionsstätten
andererseits.
Als Besonderheit produziert M-real auch in der Schweiz. Patrick Dober,
Marketing Manager Commercial Print, erklärt: «Die Papierfabrik M-real
Biberist im solothurnischen Biberist stellt mit den Produkten Allegro,
Cento und Furioso hochwertige Papiere her. Der grösste Teil dieser
Papiere wird hauptsächlich ins europäische Ausland exportiert, erfreut
sich aber auch in der Schweiz einer grossen Nachfrage.» Für sämtliche
bei M-real Biberist produzierten Papiere bringt der Geschäftsbereich
Commercial Printing auch neue Produktemappen und Broschüren heraus, die
im M-real-Design neu aufgelegt wurden.
Fast noch bekannter als die Fabriken sind im Markt deren Marken: Sie
heissen Allegro (erhältlich bei Baumgartner und Biber Papier) und
Furioso (Baumgartner), EuroArt und EuroBulk (Fischer Papier), Orsay
Plus (Baumgartner Papier) oder Zanders Mega (Antalis). Auch die
Papierhändlerin Sihl + Eika verkauft Papiere von M-real – allerdings
unter den eigenen Markennamen wie LuxoArt (Allegro) und LuxoSamtoffset
(Furioso) sowie Cento Plus (PlanoJet), Senlis (Plano Print) und Tauro
(Plano Speed).
M-real Schweiz bearbeitet die Segmente Commercial Print (Papiere für
die Unternehmenskommunikation, Kunstdruckbücher etc.), Office
(Bürokommunikation, Gebrauchsanleitungen), Publishing (Fein- und
Zeitschriftenpapiere) und Consumer Packaging (Kartonagen für
Verpackungslösungen von zum Beispiel weltweit operierenden
Markenartiklern). Commercial Print ist mit 60 Prozent Umsatzanteil vor
Office (20%) und Publishing (15%) dabei das wichtigste Segment.
Auf den im Sommer dieses Jahres von einem in diesem Ausmass in Finnland
nie dagewesenen Streik in der Papierproduktion angesprochen (siehe
Kasten), antwortet Peter Tschabay, Sales Manager Commercial Print :
«Der Streik konnte im für die Schweiz wichtigsten Segment Commercial
Print durch im Lager befindliche Kapazitäten zu einem grossen Teil
kompensiert werden. Inzwischen hat sich die Situation glücklicherweise
wieder beruhigt.» M-real setzt derzeit alles daran, um die in Verzug
geratenen und aktuellen Aufträge zu produzieren. Etwas schwieriger
stellt sich die Lage im Packaging-Bereich dar: «Hier waren auf Grund
der Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern
die Reserven rascher aufgebraucht, weil der Karton ausschliesslich in
Finnland produziert wird. In der Folge haben wir, wie andere finnische
Papierhersteller auch, leider den einen oder anderen Auftrag verloren»,
fasst Tschabay die Situation zusammen. «Wenn die Nachfrage nach Papier
oder Karton im Herbst nicht unerwartet stark ansteigt, dann sind auch
sämtliche vom Streik betroffenen Kartonsorten wieder innerhalb der
üblichen Lieferzeiten verfügbar», schätzt Tschabay die derzeitige Lage
ein.
Stora Enso baut Aktivitäten im Papierhandelsgeschäft aus
Ziel der Vertriebsaktivitäten der Stora Enso Schweiz ist es, mittels
eines kundennahen Auftritts die lokalen Marktbedürfnisse bestmöglich
abzudecken. Dies gilt in über
40 Ländern und natürlich auch in der Schweiz. Das Stora-Enso-Papier-
und Kartonsortiment umfasst Produkte für zum Beispiel Rollen- und
Akzidenzdruckereien sowie für Papierverarbeiter.
«Der Schweizer Markt ist bezüglich Papieranwendungen und
Pro-Kopf-Verbrauch sehr hoch entwickelt. Da macht es Sinn, unsere sehr
breite Produktepalette den Kunden vor Ort näher zu bringen», erklärt
Wolfgang Bürgers, Sales Director Fine Paper, bei Stora Enso Schweiz.
Auf den Vertrieb angesprochen, ergänzt er: «Rollenware und
Kartonqualitäten verkaufen wir überwiegend direkt, Feinpapiere setzen
wir zu einem grossen Anteil über den Papiergrosshandel ab.» Bürgers
weist auch auf die Service- und Logistikleistungen des Papierhandels
hin, die entscheidend für eine schnelle und bedarfsgerechte
Belieferungsform für viele Endkunden mit kleineren Aufträgen seien.
Der aus der finnischen Stora und schwedischen Enso hervorgegangene,
heute finnische Konzern Stora Enso – der ebenfalls vom Streik betroffen
war – setzt derzeit offenbar auf eine Wachstumsstrategie im
Papierhandelsgeschäft. Die im April 2005 angekündigte Übernahme des
deutschen Papiergrosshändlers Schneidersöhne hat das Unternehmen
inzwischen abgeschlossen – sie ist der dritte Zukauf in Folge: Zuvor
hat der Konzern die niederländische Scaldia Papier und die
französischen Papéteries de France erworben. Schneidersöhne – und damit
auch die mehrheitlich zu dieser deutschen Firmengruppe gehörende Sihl +
Eika Papier AG – wird dabei in das Stora-Enso-Handelsunternehmen
Papyrus eingegliedert.
Strategisches Ziel der Akquisitionen sei es, Stora Enso in der
Wertschöpfungskette näher an die Kunden und Endverbraucher
heranzubringen und so die Rentabilität von Stora Ensos
Grosshandelsgeschäft zu verbessern, erklärt der Konzern seine
Strategie. Pekka Laaksonen, Senior Executive Vice President der
Division Stora Enso Fine Paper, verspricht sich von der Übernahme, noch
mehr über die Anforderungen von Druckhäusern und Büropapierverbrauchern
zu erfahren. Der Konzern soll damit in die Lage versetzt werden,
Produkte und Dienstleistungen entsprechend weiterzuentwickeln.
Jürgen Franck
