Mit dem Rücken zur Wand
Vorstufe Gerade die grafische Industrie ist bekannt für ihre zum Teil ruinöse Preispolitik. Das in der Druckvorstufe tätige Unternehmen Agfa kann und will sich diesem Preisdruck nicht länger aussetzen.
für ihre zum Teil ruinöse Preispolitik. Druckaufträge werden auch schon
mal unter den Gestehungskosten offeriert, um die schleppende
Maschinenauslastung zu verbessern. Überkapazitäten gekoppelt mit einer
lahmenden Wirtschaft sind die Gründe der sich nach unten drehenden
Preisspirale. Als Massnahme wenden sich die Betriebe ihrerseits an ihre
Lieferanten und versuchen auch dort alles, um Maschinen und
Verbrauchsmaterialien günstiger einkaufen zu können. Das alles ist
nichts Neues. Erkennbar ist in letzter Zeit allerdings, dass die
Lieferanten zunehmend grosse Schwierigkeiten haben, diesen Preisdruck
abzufedern.
Die nach unten drehende Spirale durchbrechen
Das in der Druckvorstufe tätige Unternehmen Agfa kann und will sich
diesem Preisdruck nicht länger aussetzen. Neben einer Neuorganisation
des Unternehmens (Agfa Transition Program), das den Geschäftsbereichen
eine grössere Unabhängigkeit verschaffen soll, hat Agfa eine deutliche
Preiserhöhung bei seinen Druckplatten angekündigt. Moritz Rogger,
Geschäftsführer Agfa Deutschland und Agfa Schweiz, gab an einem
Pressegespräch den Tarif zumindest für Deutschland bekannt: Filme
werden zwischen 12 und 15 Prozent teurer, analoge Platten um 8 bis 12
Prozent und digitale Platten (darunter versteht man Druckplatten, die
mit CtP-Systemen bebildert werden) um 4 bis 8 Prozent. Auch wenn Moritz
Rogger die Preiserhöhung für die Schweiz relativierte – sie soll
nicht so hoch ausfallen, da hier bereits ein sehr hohes Preisniveau
herrsche –, ist für ihn klar, dass es nicht wie bisher weitergehen
kann. Die Margen der Verbrauchsmaterialien seien bereits sehr dünn und
könnten nicht mehr gesenkt werden – wenn das Unternehmen noch weiter
bestehen solle.
Nur dank einschneidender Massnahmen, vor allem durch Kostensenkung in
der Vertriebsorganisation, konnte Agfa in den letzten Jahren die
höheren Rohstoff- und Energiepreise weitgehend kompensieren und
Preiserhöhungen für seine Kunden vermeiden, rechtfertigt Rogger die
bevorstehenden Massnahmen. Dennoch bewegen sich die Margen heute auf
einem Rekordtief. «Binnen weniger Jahre sind die Preise zum Beispiel
für Aluminium um 20 Prozent und für Energie um 80 Prozent gestiegen»,
erklärt Rogger die derzeitige Lage, die das Unternehmen jetzt zum
Handeln zwinge. Es bleibt hier abzuwarten, wie die Kunden
reagieren, und vor allem, ob beziehungsweise wann die Mitbewerber
nachziehen.
Neue Plattenbelichter
Ungeachtet der Schwierigkeiten bei den Verbrauchsmaterialien gibt Agfa
nicht auf. Im Gegenteil: Der Konzern hat kürzlich auf der Fachmesse
Print 05, die vom 9. bis 15. September in Chicago stattfand, unter
anderem seine neue Generation von Thermoplattenbelichtern vorgestellt.
Die Avalon genannten CtP-Systeme, die als 8-Seiten-Belichter (LF) und
16-Seiten-Belichter (VL) ab Oktober verfügbar sein sollen, basieren
zwar auf dem Vorgängermodell Xcalibur, wurden dennoch umfangreich
modifiziert.
Der Avalon LF wird in fünf Grundkonfigurationen angeboten – vom 10
Platten/Stunde belichtenden LE-Modell bis hin zum 40 Platten/Stunde
schnellen XXT-Modell. Der Avalon VLF wird gar in acht Grössen
angeboten. Damit unterstützt Agfa auch neue grossformatige
Druckmaschinen wie die Bogenmaschine KBA Rapida 205 oder die
Rollenoffsetmaschine MAN Roland Lithoman 72.
Daneben hat Agfa auch seine Software-Produkte ApogeeX und Delano
aktualisiert. Neu in Agfas Vorstufen-Workflow-Lösung ApogeeX ist der
Remote Proofing Controller, mit dem sich weitgehend farbverbindliche
digitale Proofdaten in Verbindung mit Farbmanagement erzeugen lassen.
Diese Daten können an Drucksacheneinkäufer für die Ausgabe auf
Agfa-Sherpa-Proofsystemen weitergegeben respektive übermittelt werden.
Dadurch entfällt ein erneutes, zeitaufwändiges Umwandeln der Daten. Das
Qualitätsmanagementsystem QmsX von Agfa garantiert, dass alle
Farbproofs von beliebigen Sherpa-Proofsystemen stets einheitliche,
konstante und wiederholbare Farben aufweisen. Daneben ermöglicht
ApogeeX jetzt dank SpectraSpot eine bessere Reproduktion von
Sonderfarben und
Duplexbildern.
Weniger dramatische Neuerungen hat Agfa bei seiner internet-
basierten Projektmanagementlösung Delano vorgestellt. Dank neuer
Funktionen lassen sich Dateien komfortabel online einstellen und Seiten
für die Produktion freigeben. Zudem haben sich die Möglichkeiten für
das Softproofen (weitgehend originalgetreue Darstellung auf dem
Bildschirm) erweitert. Die auf dem JDF-Format – einem neueren
Datenformat und Vernetzungsansatz, das zu einer besseren Integration
von Prozessen führen soll – basierende Lösung Delano bietet Verlagen,
Druckvorstufenbetrieben und Druckereien Möglichkeiten einer engen,
unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit.
Jürgen Franck
