CFO-Umfrage von Deloitte: Optimismus, aber KI drückt Jobs

Schweizer Finanzchefs blicken laut der CFO-Umfrage von Deloitte deutlich zuversichtlicher auf die Konjunktur. Beim Personal im Inland bleiben sie zurückhaltend, und künstliche Intelligenz dürfte vor allem Einstiegs- und Juniorpositionen verdrängen.

Titelmotiv der CFO-Umfrage von Deloitte mit den Schweizer Ergebnissen vom Herbst 2026. Quelle: zvg
Titelmotiv der CFO-Umfrage von Deloitte mit den Schweizer Ergebnissen vom Herbst 2026. Quelle: zvg

61 Prozent der befragten Finanzchefs erwarten in den nächsten zwölf Monaten eine positive Entwicklung der Schweizer Konjunktur, nur acht Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Das zeigt die aktuelle CFO-Umfrage von Deloitte. Gleichzeitig bleiben die Beschäftigungsaussichten im Inland schwach, und viele CFOs erwarten, dass künstliche Intelligenz die Zahl der Stellen reduziert.

Auch für China und die USA sind die Finanzchefs zuversichtlicher als noch vor einem halben Jahr. Eine Ausnahme bildet Deutschland: Die Einschätzung hat sich gegenüber dem Frühjahr zwar leicht verbessert, die strukturellen Herausforderungen bleiben laut der Mitteilung jedoch schwerwiegend.

Umsatz und Margen im Aufwind, Personal nicht

69 Prozent der CFOs beurteilen die finanziellen Aussichten des eigenen Unternehmens für die nächsten zwölf Monate positiv, zwölf Prozent negativ. 73 Prozent erwarten steigende Umsätze, 52 Prozent höhere Margen. Bei der Beschäftigung zeigt sich ein anderes Bild: 27 Prozent rechnen in der Schweiz mit mehr Mitarbeitenden, 30 Prozent mit einem Rückgang. An ausländischen Standorten erwarten 39 Prozent einen Aufbau und nur 16 Prozent einen Abbau.

«Die Schweizer Unternehmen sind deutlich optimistischer als noch vor wenigen Monaten. Das ist erfreulich, aber keine Entwarnung», sagt Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz. «Auffällig ist, dass Unternehmen höhere Umsätze und Margen erwarten, in der Schweiz aber kaum mehr Personal aufbauen wollen. Das spricht für Wachstum, das stärker über Produktivität, Automatisierung und Auslandsinvestitionen getragen wird als über zusätzliche Stellen im Inland.»

Der Optimismus steht zudem unter Vorbehalt. Als wichtigstes Unternehmensrisiko nennen die CFOs geopolitische Risiken, gefolgt von Nachfrageschwäche oder Rezession. Regulierungen und politische Entscheide sind auf Platz drei gestiegen. Regulierung und Compliance gelten zugleich als stärkste Belastung für die Margen.

KI kostet mehr als budgetiert

Die budgetierten KI-Ausgaben betragen im Durchschnitt 0,9 Prozent der Gesamtausgaben. Nur acht Prozent der CFOs geben an, dass in ihrem Unternehmen noch keine KI-Anwendungen eingeführt wurden oder geplant sind. 40 Prozent rechnen damit, dass die tatsächlichen KI-Ausgaben im laufenden Geschäftsjahr höher ausfallen als budgetiert. 69 Prozent der Unternehmen setzen bereits Massnahmen zur Kontrolle dieser Ausgaben um oder planen sie in den nächsten zwölf Monaten.

Die Erwartung an den finanziellen Nutzen bleibt dennoch hoch: 18 Prozent der CFOs sagen, dass sich KI bereits auszahlt. Weitere 61 Prozent erwarten dies innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre.

Juniorpositionen unter Druck

Die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung in der Finanzfunktion beurteilen die CFOs deutlich negativ. 64 Prozent rechnen in den nächsten drei Jahren mit einer Abnahme bei Einstiegs- und Juniorpositionen, nur fünf Prozent mit einer Zunahme. Auch bei mittlerer Erfahrung erwarten mehr CFOs einen Rückgang als einen Anstieg. Nur bei erfahrenen Fachkräften rechnet eine Mehrheit mit einem Stellenaufbau.

Betroffen sind laut Deloitte vor allem Tätigkeiten, über die Berufseinsteigende bisher praktische Erfahrung sammelten, etwa Datenaufbereitungen, Standardanalysen, Reportings, Dokumentationen, Recherchen und Routineprozesse. Werden sie automatisiert, entstehen Effizienzgewinne, zugleich steigt das Risiko, dass klassische Einstiegsaufgaben wegfallen oder sich stark verändern.

«KI ist für Unternehmen nicht nur ein Technologie- oder Kostenthema, sondern ein Organisationsthema», sagt Alessandro Miolo, Managing Partner Audit & Assurance bei Deloitte Schweiz. Unternehmen müssten sicherstellen, dass sich Nachwuchskräfte weiterentwickeln können. Einstiegsrollen müssten deshalb bewusst neu gestaltet werden, mit strukturierten Lernpfaden, stärkerer Einbindung in Entscheidungsprozesse und klarer Qualitätssicherung im Umgang mit KI.

Die CFO-Umfrage von Deloitte: ein zweigeteiltes Bild

Insgesamt zeigt die Umfrage ein zweigeteiltes Bild: Konjunktur- und Unternehmenserwartungen sind so positiv wie seit Langem nicht mehr, die Beschäftigungsdynamik im Inland bleibt schwach. «Umso wichtiger sind Investitionen in Innovation und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden», sagt Grampp. «Die wachsenden Sorgen über Regulierung sind ein Warnsignal an Politik und Verwaltung: Unternehmen brauchen mehr Freiraum statt zusätzlicher Hürden.»

Die 52. CFO-Umfrage in der Schweiz wurde vom 2. bis zum 25. September 2026 online durchgeführt. 120 CFOs aus allen wichtigen Branchen sowie aus kotierten und nicht kotierten Unternehmen nahmen teil. Die Ergebnisse der europäischen CFO-Umfrage, die in mehreren Ländern durchgeführt wird, sollen voraussichtlich ab November verfügbar sein.

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