Laydown

René Worni über Sein und Schein optischer Veränderungen.

René Worni über Sein und Schein optischer Veränderungen.Wenn Chefredaktoren von neuen Layouts und Zeitungskonzepten reden, dann kommen sie ins Schwärmen. Einmal so recht in Fahrt, vergessen sie, dass es der gemeinen Leserschaft nicht so sehr drauf ankommt, wo der Kommentar steht, wie trendy die Kolumnistin ist, welche Verständnishilfen die neue Rubrik und die Infografiken bieten und sofort. Die meisten Leserinnen und Leser wollen einfach mal lesen.  Und ab und zu ein gutes Bild über gut geschriebenen Artikeln sehen. Und nicht durch zuviel Werbung auf den Seiten gestört werden. Damit sie dem Nachbarn auf der Bank den Ellbogen in die Rippe stossen und sagen können: «Das musst du unbedingt lesen», oder: «Jöööh!» Vor etwa zwei Jahren sass der Chefredaktor des Tages-Anzeigers, Peter Hartmeier, bei Markus Gilli zu Gast in der Sendung «Talk täglich» auf Zürichs Lokalsender. Hartmeier warb im Brustton der Überzeugung für die Vorzüge des neuen Layouts des Tamedia-Flaggschiffes. Nichts desto weniger versuchte Gilli – auch er Tamedia-Angestellter – mit kehliger Stimme mitzuhalten. Lag es an Hartmeiers Vehemenz oder an Gillis schlechter Vorbereitung, dass es gründlich misslang? Für eine gewisse Drammatik des Gesprächs gab es jedenfalls keinen ersichtlichen Grund. Doch die Zuschauer mussten glauben, im Haus an der Werdstrasse sei eine Palastrevolution im Gange. Das trifft auf den Tagi jedoch in keiner Weise zu.
Hingegen gibt es Veränderungen, an die sich das Publikum angestammter Blätter erst gewöhnen muss. Das ständige Lifting der NZZ scheint, homöopatisch dosiert, hervorragend rezipiert zu werden. Auch der völlig neue Landbote wird als zeitgemässes Blatt akzeptiert. Doch ob der Blick als Tabloid noch das ist, was er mal war? Jetzt wagt auch Facts einen mutigeren Auftritt. Bei der Basler Zeitung jedoch, so ist zu vernehmen, führt ein überladenes Konzept die Redaktion an den Rand des Machbaren. Laydown. Man beginnt jetzt, sich wieder auf Bewährtes zu besinnen
René Worni, Redaktor

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