Wie digitale Bilder zu Desinformation werden
Der Medienwissenschaftler Marcel Lemmes untersucht in seiner Neuerscheinung «Visuelle Desinformation», wie digitale Bilder im Zeitalter des Populismus zur Manipulation eingesetzt werden. Das Buch entwickelt einen integrativen Desinformationsbegriff und bietet ein differenziertes Analyseraster für visuelle Manipulation im digitalen Raum.

Digitale Bilder prägen politische Debatten, mobilisieren Anhänger und untergraben das Vertrauen in Medien und Institutionen. Marcel Lemmes widmet sich in seinem Buch «Visuelle Desinformation. Digitale Bilder zwischen Populismus und Manipulation» dem Zusammenspiel von visueller Kommunikation, Populismus und Desinformation. Die Neuerscheinung aus dem Herbert von Halem Verlag untersucht systematisch die Macht der Bilder im digitalen Zeitalter.
Manipulation statt Täuschungsabsicht
Im Zentrum der Arbeit steht die Entwicklung eines integrativen, mehrdimensionalen Desinformationsbegriffs. Anstelle des schwer fassbaren Kriteriums der Täuschungsabsicht rückt Lemmes den analytisch präziseren Begriff der Manipulation in den Fokus. Dieser ermöglicht es, die subtilen Mechanismen der Beeinflussung auf Mikro-, Meso- und Makroebene zu erfassen und kritisch zu reflektieren.

Theorie des populistischen digitalen Bildes
Ein zweites theoretisches Herzstück bildet die fundierte Theorie des populistischen digitalen Bildes. Ausgehend von einer bildpragmatischen Perspektive versteht Lemmes Bilder als aktive Handlungen, die in spezifischen kommunikativen Kontexten wirken und gesellschaftliche Deutungsprozesse beeinflussen. Auf dieser doppelten Grundlage entwirft der Autor ein differenziertes Analyseraster, das eine Typologie visueller Desinformation mit den Strategien populistischer Bildkommunikation verbindet.
Anhand vielfältiger Fallbeispiele werden konkrete Techniken der Manipulation sichtbar gemacht. Das Buch leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung visueller Kommunikation im digitalen Raum und sensibilisiert für die Funktionsweisen visueller Manipulation.
Für Forschung und Praxis
«Visuelle Desinformation» bietet eine unverzichtbare Grundlage für Forschende und Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaft ebenso wie für Praktiker:innen in Journalismus, politischer Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Das Buch liefert theoretische wie praktische Impulse, um visueller Manipulation mit gesicherten Erkenntnissen zu begegnen.
Marcel Lemmes, Jahrgang 1996, ist Medienwissenschaftler und forscht vor allem zu Fragen der sozialformativen Affordanzen digitaler Medien. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen soziale Medien, Internet-Communitys, digitale Bildphänomene, Generative Imagery, Memes sowie Populismus und populistische Kommunikation. Das Buch ist beim Herbert von Halem Verlag erschienen und umfasst 368 Seiten.
