Der Kuchen wird nicht grösser

René Worni über Schönrednerei rund um die Veränderungen durch die Radio- und Fernsehverordnung und das neue RTV-Gesetz.

René Worni über Schönrednerei.In England ist die öffentlich-rechtliche BBC werbefrei, die Privaten dagegen dürfen alles. Das britische Modell ist das Lehrstück schlechthin, wenn es um die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Medien geht. Hier zu Lande taugt das Modell allerdings nichts. Allein mit Gebühren finanziert, gäbe es in der Romandie und im Tessin zwar öffentliches Radio, jedoch kein öffentliches Fernsehen. Zu kostspielig. Wer dies in Frage stellt, der müsste sich auch daran stossen, dass die Beförderung eines Briefes von Zürich ins Calancatal gleich viel kostet wie selbige nach Schlieren oder Wollishofen. Das ist nichts weiter als Service public.
Die Veränderungen durch die Radio- und Fernsehverordnung und das neue RTV-Gesetz sind demnach keine grundlegenden.
Am meisten bekommen es die Fans von gewissen SF-Unterhaltungssendungen zu spüren. So etwa, wenn die Schoggisoap «Lüthi und Blanc» nach 250 Folgen ohne Nachfolgeserie aus dem Programm verschwindet. Offenbar könnte SF durchaus eine Nachfolge lancieren, wenn die SRG künftig nicht auf Einnahmen aus dem intern so genannten «Requisiten-Placement» verzichten müsste.
Das Verschwinden weiterer Sendungen wie zum Beispiel der Kochsendung «al dente» sind denkbar. Da wüsste das Gebühren zahlende, aber ratlose Publikum bestimmt gerne mehr über Höhe und Bedeutung dieser Einnahmen, sei es nur, um verstehen zu können, warum seine Lieblingssendung aus dem Programm verschwindet.
Wenn der Bundesrat von asymmetrischer Finanzierung der Medien spricht, die Kommerzialisierung von Programminhalten der nationalen Sendeanstalten bremsen und die Bestimmungen für die Privaten liberalisieren will, so grenzt das an Schönrednerei. Er tut so, als bekämen  die Privaten mit der Liberalisierung im engen Schweizer Markt eine sichere ökonomische Grundlage.
Doch man nimmt der SRG lediglich etwas Gebühren und Werbung weg, verbietet ihr Unterbrecherwerbung und Product Placement. Andererseits wird der Kuchen für die Privaten nicht wesentlich grösser.
René Worni

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