Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner stirbt mit 82 Jahren
Franz Josef Wagner ist tot. Der legendäre, 82-jährige Kolumnist verschied am Montag im Berliner Franziskus-Krankenhaus. Mit seinem Tod verliert Deutschland einen der bekanntesten Journalisten der vergangenen Jahrzehnte. Fast 25 Jahre prägte seine Kolumne «Post von Wagner» den deutschen Journalismus.

Wagner war seit Januar 2001 Chefkolumnist bei Bild. Seine tägliche Kolumne «Post von Wagner» erschien fünfmal wöchentlich auf Seite zwei. Der charakteristische Aufbau blieb über all die Jahre gleich: «Liebe(r)» als Anrede, gefolgt von einem emotionalen Brief. Jede Kolumne schloss mit «Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner». Seine letzte veröffentlichte Kolumne datiert vom 7. September 2025. Wagner widmete sie einem heiliggesprochenen Teenager namens Carlo. «Die wichtigere Frage aber ist: brauchen wir Menschen Wunder?», fragte er darin.
Bewegte Journalistenlaufbahn
Geboren wurde Wagner am 7. August 1943 in Olmütz im heutigen Tschechien. Nach der Flucht wuchs er in Regensburg auf. Das Abitur schaffte er nicht. Stattdessen jobbte er in Genf bei Migros.
In den 1960er-Jahren begann seine Karriere bei der Nürnberger Zeitung. Danach wechselte er zur Bild-Redaktion. Als Kriegsberichterstatter berichtete er aus dem Jom-Kippur-Krieg und Vietnam.
1988 wechselte Wagner zum Hubert-Burda-Verlag. Dort wurde er Chefredakteur der «Bunte». Ende der 1990er-Jahre kehrte er zu Springer zurück. Er wurde Chefredakteur der B.Z..
Sie nannten ihn «Gossen-Goethe»
Den B.Z.-Posten verlor er 2000 nach einer umstrittenen Schlagzeile über Schwimmerin Franziska van Almsick, sie lautete: «Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold». Als Chefkolumnist fand Wagner seine eigentliche Berufung. Seine täglichen Briefe polarisierten. Kollegen nannten ihn «Gossen-Goethe». Wagner schrieb auch Promobiografien für Udo Jürgens, Franz Beckenbauer und Boris Becker. Ausserdem veröffentlichte er vier Romane und eine Autobiografie. Bis zuletzt lebte er in Berlin-Charlottenburg.
Trauer um einzigartigen Journalisten
«Mit ihm verliert Axel Springer einen seiner kreativsten Köpfe», erklärte der Verlag. Zur Todesursache machte Springer keine Angaben. Wagner hinterlässt eine Ehefrau und eine Tochter.
Seine Kolumne gilt als eine der erfolgreichsten der Welt. Über 24 Jahre lang schrieb er sie täglich. «Wenn ich nicht mehr schreiben kann, dann sterbe ich», war sein Mantra.
