«Einen hab’ ich noch» – Moritz Weischer zu Gast beim IAA Swiss Chapter
Am Donnerstagabend hat Weischer-CMO Moritz Weischer vor IAA- und LSA-Mitgliedern vier Trends des Cannes Lions Festivals präsentiert. Werbewoche.ch hat mit ihm gesprochen und das Interview schriftlich und als Video festgehalten.
Werbewoche.ch: Moritz Weischer, die Cannes Lions bedeuten Ihnen viel. Das spürt man. Woher rührt diese anhaltende Begeisterung?
Moritz Weischer: Es erfreut mich, das zu hören. Ich denke, die Cannes Lions sind ein absolutes Herzensprojekt für uns. Kaum ein Event oder Wettbewerb bringt die Kreativbranche so stark zusammen wie die Cannes Lions. Sie dienen als wichtiger Impulsgeber für uns, um die Zukunft zu gestalten. Wir überlegen, wie wir unsere Marken, für die wir arbeiten, voranbringen können. Es macht einfach Spass, dieses Feuer, das im Juni in Cannes entfacht, wie heute bis nach Zürich zu tragen.
Werbewoche.ch: Welche Kernkompetenzen hat Weischer?
Weischer hat seine Wurzeln in der Kinovermarktung, die wir in Deutschland seit fast 70 Jahren betreiben. In der Schweiz sind wir zwar noch nicht so lange dabei, aber wir sind Marktführer für Kinovermarktung im deutschsprachigen Raum. In Deutschland sind wir auch in der Out-Of-Home-Vermarktung, Programmatic und Retail Media tätig. Obwohl wir uns stetig erweitern, sind wir im Herzen Kinovermarkter.

Sie haben vier Trends aus Cannes mitgebracht. Der erste lautet «The New Toolkit» und umfasst AI, kulturelle Vielfalt und Nachhaltigkeit. Können Sie das näher erläutern?
Natürlich, wir haben diesen Trend vielleicht etwas locker als „Schummelbox“ bezeichnet, aber er verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise, wie wir uns mit den umgebenden Themen auseinandersetzen müssen. Künstliche Intelligenz, im letzten Jahr noch am Rande, ist in diesem Jahr nicht mehr zu übersehen, nicht mehr zu überhören und nicht mehr wegzudenken. Dies ist für uns ein klarer Aufruf, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen, damit zu experimentieren und nicht überstürzt zu versuchen, es wieder zu verdrängen, denn diese Thematik ist gekommen, um zu bleiben.
Ich sehe hier auch eine nahtlose Verbindung zur kulturellen Diversität. Diese ist von grosser Bedeutung und wir müssen unsere Verantwortung als Kommunikatoren wahrnehmen, indem wir uns darauf konzentrieren, wie wir Gruppen, die oft übersehen werden, integrieren können. Letztendlich ist dies äusserst bereichernd und führt uns näher an unsere Ziele heran.
Das Thema Nachhaltigkeit hingegen bedarf kaum einer weiteren Erklärung. Ohne Nachhaltigkeit werden wir nicht weit kommen. Es ist bemerkenswert, dass Nachhaltigkeit mittlerweile kein eigenes Trendthema mehr ist, sondern in zahlreichen Arbeiten, auch in diesem Jahr, stillschweigend präsent war. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend weiterhin an Bedeutung gewinnen wird.

Werbewoche.ch: Sie haben dazu Beispiele wie männliche Bäume, die Allergien verursachen, und den Case mit KI und Bier genannt. Können Sie dazu mehr erzählen?
Ein faszinierender Fall von Stella Artois zeigt, wie KI genutzt wurde, um Museumsgänger zu erreichen. Sie haben festgestellt, dass auf alten Gemälden, die Menschen beim Feiern und Trinken zeigen, wahrscheinlich Stella Artois zu sehen ist. Mithilfe eines Algorithmus analysierten sie die Bilder und erreichten so eine neue Zielgruppe – diejenigen, die die Bilder im Museum betrachteten.
Der zweite Trend ist «The rise of the CMO.» Können Sie dies näher erläutern?
Dieser Trend ist äusserst wichtig, da sich die Rolle des Marketingverantwortlichen in den letzten Jahren stark verändert hat. Es geht nicht nur darum, schöne Kampagnen zu entwickeln, sondern auch darum, das Geschäftsmodell nachhaltig voranzubringen. Ein gutes Beispiel ist die Middle Seat Lottery von Virgin Australia, das zeigt, wie ein guter Insight und das Verständnis der Zielgruppe entscheidend sind.
Der dritte Trend ist »You look younger than ever.» Was steckt dahinter?
Dieser Trend thematisiert die oft übersehene Zielgruppe der Best Ager, die jedoch sehr solvent und neugierig ist. Ein Beispiel ist der Fall mit dem Goldfish Jingle, der für diese Zielgruppe aufgegriffen wurde.
Der vierte Trend ist „L.M.F.A.O“ und dreht sich um Humor. Können Sie dies erläutern?
Es geht um Humor. In einer Zeit, in der eine Krise die nächste jagt, sehnen sich Menschen nach einem Augenblick der Leichtigkeit, des Humors und des Lachens. Studien belegen, dass humorvolle Marken beliebter sind und öfter empfohlen werden. Doch die entscheidende Frage lautet: Verkauft Humor auch besser? Heutzutage können wir mit Sicherheit sagen: Ja, Humor steigert die Verkaufszahlen, vorausgesetzt, er wird gezielt und passend eingesetzt. Der Schlüssel liegt darin, das eigene Produkt zu verstehen und zu wissen, wie man die Zielgruppe ansprechen kann, ohne das Produkt aus den Augen zu verlieren.

«Einen habe ich noch», sagten Sie. Welchen?
Moritz Weischer: Ja, als Kinovermarkter haben wir immer einen Lieblingscase. Dieses Jahr ist es der Fall von Canal+ »Papa» für das Shortfilm Festival. Dieser Case ist einfach sehenswert.





Moritz Weischer, Enkel des WerbeWeischer-Gründers Hans Weischer, arbeitet seit März 2019 für Weischer. Er war zunächst im Bereich Corporate Innovation tätig, bevor er im April die neugeschaffene Position des CMO übernahm. Die Werbebranche kennt er aus seiner Zeit als Account Manager bei den Agenturen BBDO Proximity und Thjnk. Er hat einen Master in International Marketing der Hult International Business School und einen Master of Innovation and Entrepreneurship der Antwerp Management School.


