«Ich musste mal vor der Kamera einspringen»

Am Sonntag feiert die zweite Staffel der Shining-Film-Produktion «Tschugger» Premiere auf SRF. Shining-Partnerin Sophie Toth hat mit Werbewoche.ch über den Staffelstart, Unvorhersehbares beim Dreh und über die Unterschiede zwischen Fernseh- und Werbeproduktionen gesprochen.

Werbewoche.ch: Sophie Toth, am Sonntag feiert die zweite Staffel Ihrer Erfolgsserie «Tschugger» im Schweizer Fernsehen Premiere. Auf Sky Switzerland ist die Show zwar bereits seit Mitte Oktober verfügbar – aber der TV-Launch ist noch einmal etwas ganz besonderes, oder? 

Sophie Toth: Ja sicher! Viele meiner Freunde und Familie und auch zahlreiche Fans haben uns gesagt, dass sie auf den Start im linearen TV warten.

 

Nach dem Erfolg der ersten Staffel dürften die Erwartungen nun hoch gesteckt sein. Nervös?

Wir sind nun natürlich sehr gespannt, wie die zweite Staffel ankommt, da wir ja den Überraschungseffekt und Newcomer-Bonus nicht mehr haben und uns im Gegenteil beweisen müssen. Unsere Erwartungen an uns selber sind auch immer sehr hoch, und deshalb habe ich vom Feeling her ein gutes Gefühl, um in guter «Tschutter»-Sprache Andreas Möller zu zitieren. Wir laufen ja auch gleich nach dem WM-Finale.

 

Werden Sie sich die erste Folge der neuen «Tschugger»-Staffel ebenfalls im TV anschauen?

Bestimmt, auch wenn wir am Wochende noch diverse Bingewatching-Sessions in Kinos machen dürfen. Das SRF wird am Sonntag zwei Folgen auf einmal zeigen und die werde ich sicher mit meinem Sohn und Freunden zuhause auf dem Beamer schauen.

 

Selten hat die Schweiz so gespannt auf eine TV-Show aus heimischer Produktion gewartet. Wie erklären Sie sich das «Phänomen ‹Tschugger›»? 

Tschugger ist eine Collage, die eine universelle Story lokal verankert und einen sehr eigenen visuellen Style und auch Humor mit sich bringt. Wir bedienen uns bei allem, was uns selber auch gefällt – sei es Beverly Hills, Fargo oder Lilyhammer, der nicht touristischen Seite des Wallis oder der Hip-Hop-Kultur. Und ich denke, dass viele auch unsere Figuren gernhaben, weil sie nicht perfekt sind. Und sich auch nicht ganz ernst nehmen. Abgesehen davon hat uns sicher auch der Zeitpunkt zugespielt. Die Menschen hatten neben den vielen schweren Themen wohl auch Lust auf diese Art von Humor.

Beim Dreh von Tschugger Staffel 2 im Jahr 2021. (Bild: zVg.)

Die zweite Staffel hatten Sie bereits vor der Ausstrahlung der ersten Staffel abgedreht. Auch wenn es bereits etwas her ist: Welche Ereignisse und Anekdoten vom Dreh sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? 

Da gäbe es so viel zu erzählen! Es gab jeden Tag ein grösseres oder kleineres Drama und sehr viel Comedy, auch hinter der Kamera. Beispielsweise sind wir bei unserem allerersten Drehtag auf dem Simplonpass im Schneesturm gestartet, und all die Autos hatten extrem Mühe. Als wir angekommen waren, hatte der Aufnahmeleiter versucht, den steckengebliebenen Wagen zu bewegen, indem er leere Coke-Zero-Dosen unter die Pneus zu drücken versuchte.

 

Das klingt sehr anstrengend.

Es gab aber nicht nur Drama. So sorgte der Dreh auch für den Start einer echten Romanze zwischen gewissen Polizei-Angestellten. Das Gespenst der Covid-Pandemie sass mir aber während dem Dreh beider Staffeln tagtäglich im Nacken. Und auch andere krankheitsbedingte Vorfälle haben uns sehr herausgefordert. So mussten wir beispielsweise während dem Dreh der zweiten Staffel die Endszene mit dem Bösewicht umschreiben, weil der Darsteller wegen einem akuten medizinischen Notfall ausgefallen ist. Ich musste zudem auch mal vor der Kamera einspringen und unsere Bundespolizistin Annette doublen, mit Waffe und allem Drum und Dran.

 

Wer also genau hinschaut, entdeckt Sophie Toth höchstpersönlich in Staffel 2.

Genau. Auch die Stunt-Puppe von Bax hatte ein paar Einsätze auf dem Dreh. Und wenn sie nicht vor der Kamera war, haben sich andauernd Leute ab ihr erschrocken, weil sie meistens irgendwo auf dem Boden lag und Bax schon sehr ähnlich sieht.

Verwechslungsgefahr: Die Bax-Puppe wurde mit einem entsprechendem Hinweis versehen, weil sich wiederholt Personen daran erschrocken haben. (Bild: zVg.)

Wie war das Ende der Dreharbeiten?

Der letzte Drehtag der zweiten Staffel und somit der Abschlussabend war auch mein Geburtstag. Das Ausstattungsteam hatte in der Fabrikhalle, in der wir das Studio aufgebaut hatten, mit den Wohnwagen, Sofas und Lampen eine zauberhaft gemütliche Ecke geschaffen. Das hat mich emotional wirklich umgehauen. Am Tag darauf kam die erste Staffel heraus. Dass alles so zusammenkam, war wirklich unglaublich.

 

Eine Kernkompetenz von Shining Film – und ein wichtiger Fokus Ihrer Arbeit – ist neben der Produktion von «Tschugger» die Produktion von audio-visuellem Content für Werbung und Markenkommunikation. Hand aufs Herz: Was macht Ihnen mehr Freude? 

Die Fiktion macht mir natürlich sehr viel Freude. Eigene Geschichten erzählen zu können, und über längere Zeit mit einem super Team daran zu arbeiten, gibt mir sehr viel Energie. Ich habe über die Jahre sehr viele erfolgreiche Werbungen gemacht, und bin mit David Constantin zusammen für längere Auftragsarbeiten – Webserien für Swisscom und das Openair Gampel – auf den Geschmack nach längeren Formaten gekommen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis wir unsere eigenen Geschichten erzählen wollten und konnten. Nun habe ich neben «Tschugger» auch noch diverse andere fiktionale Projekte auf dem Tisch.

 

Inwiefern unterscheiden sich die beiden Felder? 

Abgesehen davon, dass beide Endprodukte audiovisuelle Werke sind und die Mitwirkenden teilweise dieselben sind, sind die Produktionsprozesse sehr unterschiedlich. Beide Seiten haben ihre Reize. Die Kürze und Überschaubarkeit einer Werbefilmproduktionen hat ihren Charme. Wir entwickeln über Monate und können während dem Schreibprozess nie am Set stehen. Dafür dauern dann die Dreharbeiten Monate. Daran müssen wir uns noch immer sehr gewöhnen.

 

Sowohl gute Werbung als auch gute TV-Sendungen leben von herausragendem Storytelling. Als Produzentin sind Sie zwar nicht für selbiges hauptverantwortlich, aber – aus Ihrer Erfahrung: Was macht eine Story zu einer «guten Story»? 

Für mich ist eine Story gut, wenn mich die Figuren, die sie erzählen, abholen. Wenn ich die Probleme und Herausforderungen der Figuren glaube und mit ihnen mitfühle, funktioniert die Geschichte. Es gibt aber für mich auch audiovisuelle Projekte, die mich auf eine andere Art berühren. Zum Beispiel durch Musik oder eindrucksvolle Bilder.

 

Auf welche Projekte im kommenden Jahr freuen Sie sich besonders? Vielleicht auf den Dreh einer dritten «Tschugger»-Staffel?

Ich freue mich auf alle Projekte und die damit verbundenen Challenges. Wir haben ja grosse Träume und hoffen, dass sich ein paar davon im nächsten Jahr erfüllen werden. Ob und wie es mit Bax und den anderen weiter geht, ist noch nicht spruchreif – aber wir sind super busy…

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