Live, persönlich, digital
Eventdienstleister gehörten zu den Schnellsten, die in der Pandemie auf die Erweiterung ihrer Kerntätigkeiten umstellten. Virtuelle oder hybride Events stehen im Zentrum. Der Tenor bleibt, dass digitale Formate immer nur einen Teil eines Events abbilden können.

Mario Huggler von Expoformer plädiert für ein neues Verständnis von «live»: eine nahtlose Vereinigung von Kommunikation im Raum mit digitaler Kommunikation. «Wir müssen bidirektional denken. In Zukunft verschmelzen beide Formate zu live.» Huggler unterstreicht, dass dazu ein neues Denken, ein neues Mindset für die Business2Business-Community-Bildung notwendig sei.
Die Sichtweise auf Online-Events hätte das Szenario grundlegend verändert, bestätigte auch Tobias Wannieck am Webinar des Event-Circles im Juli 2020. Heute gehe es noch stärker darum, die Zuschauer draussen mitzunehmen. Tobias Wannieck sagt, das Berufsbild des Eventmanagers hätte sich in der Krise verändert. Das Hybridformat bewege sich immer mehr in Richtung von Fernsehinszenierungen. «Als Eventmanager müssen wir uns diese Techniken aneignen. Wir müssen dramaturgische Fähigkeiten entwickeln.» Er sprach in diesem Zusammenhang vom Eventmanager 2.0.
Messebau: Diversifikation
Ob ein Verkaufsgespräch, ein Produktlaunch oder Open House: Richtig eingesetzt können virtuelle und hybride Formate die Reichweite von Firmen und Produktbotschaften drastisch erhöhen. Messerli hat seine Gruppenstruktur rasch genutzt, um ein professionelles Angebot für virtuelle Events und Streamingtechnologien zu schaffen. Es bietet in einer Zeit, in der Live-Events nicht möglich sind, alternative Formate für virtuelle und hybride Events. In den Messerli-Blogs findet man dazu die richtigen Erfolgstipps.
Syma System AG hatte schon vor Corona den intelligenten Claim «Wir bauen Inspirationen» lanciert. In der Phase der Pandemie wurde er in «Wir bauen digitale Inspirationen» erweitert. Gemäss Syma System AG werden virtuelle Umgebungen auch im Vertrieb bald zum Standard gehören. Aber auch digitaler Vertrieb brauche eine Inszenierung, ein bleibendes Erlebnis für teilnehmende Kunden. Syma System bietet zum Beispiel virtuelle Messestände oder Showräume, immer unterlegt mit den aktuellen Informationen des Kunden.
«Auch digitaler Vertrieb braucht eine Inszenierung, ein bleibendes Erlebnis.»
Seit dem Ausbruch von Covid-19 ist das Messebau- und Werbeunternehmen Pape in Weiningen in Dauerbeschäftigung – natürlich nicht im Messebau, da Messen und Events bekanntlich zu einem Stillstand gekommen sind. Aber Pape hatte vor einigen Jahren, parallel zum Umzug nach Weiningen, rechtzeitig in Digitaldruck investiert. In den letzten Jahren hat Pape seine Dienstleistungen auf Beratungen, Beschriftungen und Digitaldruck erweitert. Über eine Million Franken wurden in digitale Technologien investiert, die heute im neuen Firmenzentrum in Weiningen Tag und Nacht zum Einsatz kommen. «Wir haben bisher Glück – wir sind am arbeiten ohne Kurzarbeit», sagt Cyrill Pape. 1975 startete das Unternehmen mit Siebdruck und Beschriftungen und gehörte im Messebau zu den allerersten professionellen Unternehmen.
Auch das Messebauunternehmen Bexpo AG hat die Zeichen der Zeit genutzt und aus der Bexpo AG die Bexpo Digitaldruck & Werbetechnik AG herausgelöst und weiterentwickelt. Die Bexpo AG in ihrer bisherigen Form bleibt bestehen. Die Bexpo Digitaldruck & Werbetechnik AG designt Grafiken und produziert massgeschneiderte Druckaufträge nach Wunsch.
Nicht erst seit Covid besteht eine Kernkompetenz des Messebauunternehmens Stauffis in permanenter Architektur, zum Beispiel dauerhaften Erlebniswelten. Seit Covid hat Stauffis auch elaborierte Schutzkonzepte im Angebot. Umsetzungen von Schutzkonzepten für Grossraumbüros, Restaurants oder in Begegnungszonen in Alters- und Pflegeheimen wurden im Handumdrehen realisiert. Expoformer gehört zu den dynamischsten Dienstleistungsfirmen für Messen und Kongresse. Es hat in der Corona-Ära schnell und versatil agiert. Neu lanciert wurde unter anderem «Touchless Innovation» für berührungslose (!) und interaktive Promotionen, Beratung und Verkauf. Expoformer lebt, was es predigt: Das White Paper «Meeting Kultur & Home Office» ist ein erstklassiger Ratgeber, wie man virtuelle Meetings veranstaltet. Der Anspruch: mit Virtualität physische Meetings verbessern.
Mediale Technologie: Neue Dramaturgie von Events
Viele Audiovisionsanbieter haben während Covid ein Livestreaming-Studio aufgebaut, allein oder in Partnerschaft. Opera AG ist ein von Thomas Schärer inhabergeführter und unabhängiger Technologie-, Multimedia- und Veranstaltungsdienstleister. Er sagt: «Der Wunsch nach Live-Events, nach persönlichen Treffen mit der Möglichkeit zum Netzwerken wird jeden Tag, wo das durch die Pandemie verunmöglicht ist, grösser. Gleichzeitig sehen wir keine Rückkehr zu ausschliesslich realen Messen und Meetings. Unsere Kunden planen ganz klar sowohl als auch. Aber der entscheidende Unterschied zu früher ist, dass diese Kunden mit ihren Interessengruppen länger in Kontakt bleiben wollen, idealerweise über das ganze Jahr hinweg, und hier sind wir bei der 360-Grad-Kommunikation angekommen. Jetzt ergeben sich ganz neue Geschäftsmodelle. Stellen Sie sich vor: Ihr Event hat ein bezahltes Premium-Angebot, etwa das Referat eines Keynotespeakers, oder ein digitales Match-Making-Werkzeug und dann ein kostenloses Freemium- Angebot für jene, die mitmachen, aber nicht das bezahlte Angebot nutzen wollen.
smARTec hat in Zürich Nord in der Eventhalle StageOne den «Virtualhub» erstellt. Er kombiniert die innovativste und leistungsstärkste Eventplattform mit einem modernen und flexiblen Livestudio. Das Virtualhub-Studio ermöglicht einzigartige und flexible digitale Eventerlebnisse. «Virtuelle Begehungen und Streamings sind einige unserer neuen Produkte», sagt Mark Probst, Inhaber smARTec in Aarau. «Aber es muss nicht immer alles live sein.»
Innovative Plattformen für die Live-Kommunikation
Im November 2020 eröffnete Mediarent ein 360-Grad-Livestreaming-Studio mitten in Zürich. Hier können Kunden ihre Veranstaltungen physisch, virtuell oder hybrid im Herzen von Zürich durchführen. «Es ist unser Anspruch, die Zukunft der Branche mit kreativen und lösungsorientierten Ansätzen aktiv mitzugestalten und innovative Plattformen für die Live-Kommunikation anzubieten. Wir sind überzeugt, dass uns dies mit unserer neuen 360-Grad-Livestreaming-Location optimal gelungen ist und wir so den jüngsten Entwicklungen Rechnung tragen können», sagt Christian Stoob, CEO von Mediarent. «Vom Livestream einer Verkaufspräsentation bis hin zum Hybrid-Event – in unserem digitalen TV-Studio, selbstverständlich mit dem neusten Stand der Technik ausgestattet, ist alles möglich. Und dies gut erreichbar an zentraler Lage in Zürich!» Zu den führenden Anbietern von medialer Architektur gehört seit je her Habegger. Im November 2020 präsentierte es sein in Regensdorf entwickeltes Livestreaming-Studio einigen ausgesuchten Teilnehmenden. In kostenlosen Online-Seminaren zeigt Habegger, welche digitalen Eventarten bestehen und wie man diese professionell inszeniert. Im Besonderen geht Habegger dabei auf die Unterschiede in der Planung und Konzeption von digitalen im Vergleich zu physischen Events ein. «Mit uns wird ein digitaler Event zu einem echten Erlebnis», sagt Habegger. Ganz innovativ zeigt sich Habegger, indem es Kunden sogar bei Kampagnen in sozialen Netzwerken unterstützt.
Zum Thema Dramaturgie sagt Toni Scherrer, Geschäftsführer von AudioRent Clair: «Streaming ohne Interaktion macht keinen Spass.» An der Präsentation am Firmensitz von AudioRent Clair in Aesch, Baselland, im November 2020 wurde die neue Technologie Virtual Live Audience für Europa eingeführt. Virtual Live Audience gibt den zurzeit nur online möglichen Corporate Events, Messen, Kongressen oder Popkonzerten eine dritte Dimension – und sie heisst Interaktion. Mit dieser brandneuen Technologie ist es möglich, eine echte Interaktion zwischen dem oder der ModeratorIn und dem Publikum sowie ein echtes Remote-Presenting herzustellen. Sie ermöglicht zur Verlängerung von kleinen und grossen Events eine grössere Teilnehmerschaft, wenn Events nicht möglich oder in Raum und Zeit beschränkt sind.
AudioRent-Clair-Eventprofis haben ein Studio am Firmensitz Aesch und bieten die komplette audiovisuellen Studioausrüstungen in mehreren Locations in Basel an.
Wenn Veranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden können, sorgt Winkler mit modernsten Technologien für Live-Events im virtuellen Raum. Im Januar 2021 hat Winkler unter dem Titel «How To – Virtual Event» gleich sein eigenes Webinar zum Thema, wie man erfolgreich virtuelle Anlässe durchführt, gestreamt. Inhalte werden live aus den Winkler-Studios oder als Festinstallationen direkt beim Kunden übertragen.
«Wir sehen keine Rückkehr zu ausschliesslich realen Messen und Meetings.»
«Meetings und Veranstaltungen werden immer mehr in Frage gestellt – erst recht seit Covid-19», sagt NEP Switzerland Managing Director Reto Osterwalder. NEP ist in der Schweiz ein hidden Champion. Der weltweit führende Spezialist für Broadcast-Dienstleistungen und ausgelagerte Produktionslösungen bietet am Hauptsitz in Hegnau mit den drei brandneuen Rental-Studio A53 alle Vorteile eines externen Produktionsstandortes.

Eventlocations
Aus dem Druckzentrum der NZZ, der alten Dame der Schweizer Presse, wurde JED, der neue Event- und Co-Working-Hub an der Stadtgrenze zu Zürich. Beim Bahnhof Schlieren bietet JED Arbeitsflächen, Eventlocations sowie Gastro-Erlebnisse in einzigartiger Architektur. Im Januar 2021 hat JED sein eigenes brandneues Studio für Streamingevents eingebaut. 80% der Veranstaltungstechnik, die es für einen digitalen Event braucht, wurden im JED durch den ausgewiesenen AV-Spezialisten Winkler installiert.
Für die Corona-Ära hat Trafo Baden ein treffendes Motto geschaffen: Mit Abstand näher zusammen! Trafo Baden ist die erste Location der Schweiz, die mit «allseated» eine virtuelle Begehung in einem fotorealistischen digitalen Zwilling der Trafo-Eventhallen ermöglicht. Damit können Kunden visualisieren, wie ein zukünftiger Event massgeschneidert aussehen kann.
Trafo-Geschäftsführer Reto Leder will seinen Endkunden und Eventplanern einerseits helfen, deren Veranstaltungen unter Berücksichtigung der neuen Distanzvorgaben realistisch planen zu können. Andererseits hilft die neue Software «all-seated», in «real view» darzustellen, wie ein Galadinner oder eine Fachmesse aussehen könnten.
Anything goes: auch Digitalisierung! Besuche und Besichtigungen sind zwar für künftige Veranstalter und bestehende Kunden in der Halle 550 in Zürich Nord, nur 500 Meter vom Bahnhof Oerlikon entfernt, derzeit nur erschwert möglich. Aber das Team der Halle 550 und die Kreativwerkstatt SUKi haben zwei innovative Tools entwickelt. Heute kann die Halle 550 von jedermann digital besucht, erkundet und erlebt werden. Dies mit einem animierten 3D-Flug durch alle vier Teile und bis in die hintersten Winkel der innovativen Eventhalle. Als zweites Instrument steht Planern und Veranstaltern ein interaktives PDF zur Verfügung. Damit können sie sämtliche Informationen und Daten, die sie zur Planung von Events benötigen, einfach und leicht verständlich mit ihren Kunden teilen.
Fazit
Wer in Zukunft Technologie und Contentbildung sowie Dramaturgie beherrscht, wird zu den Gewinnern in der Eventbranche gehören. Gute Neuigkeiten hatte Tobias Wannieck zur Transformation in der Eventbranche: Mit ihren neuen Kompetenzen würden Eventmanager im Wettbewerb der Kommunikationsspezialisten nach oben klettern. Durch die Krise verursacht, werde die Rolle des Eventmanagers 2.0 sogar an Bedeutung gewinnen.
NACHGEFRAGT
«Ich glaube nicht, dass B2B-Events vollständig digital werden»

von SmARTec, im Gespräch mit Urs Seiler für m&k.
m&k: Mark Probst, wie hat Corona die Live-Kommunikationswirtschaft verändert?
Mark Probst: Wenn es keine Live-Events mehr gibt, treten virtuelle Events an ihre Stelle. SmARTec hat auf die Produktion von virtuellen respektive hybriden Events umgestellt. Für Kunden produzieren wir Streamings von real stattfindenden Events oder erstellen Produktionen für eine spätere Ausstrahlung.
Welche Rolle spielt eine professionelle Dramaturgie in diesem Prozess?
Die meisten Online-Meetings sind höchst langweilig, weil sie zu langatmig und noch dazu ohne dramaturgischen Bogen angelegt sind. Anders als an realen Veranstaltungen klickt sich der User hier rasch weg, es fehlen der Apéro und die Netzwerkgelegenheit von realen Events, die ihn bei Laune halten. So entsteht schnell Online-Fatigue. Das verstärkt den Wunsch, wieder an Live-Events teilnehmen zu können.
Wie begegnen Sie diesem Problem?
Online-Events benötigen diese professionelle Dramaturgie. Das ist von unserem angestammten Geschäft her schwierig zu bewerkstelligen und jetzt nicht in kurzer Zeit lernbar. Deshalb arbeiten wir vermehrt mit TV-Profis zusammen, welche in dramaturgischen Inszenierungen erprobt sind und uns dabei unterstützen, die Online-Präsenz der Event-Teilnehmer zu verlängern.
Werden digitale respektive hybride Events zur neuen Normalität?
Ein beträchtlicher Teil des SmARTec-Geschäfts sind kulturelle und populäre Events. Diese Events werden mit Sicherheit zurückkehren. Sie werden das A und O bleiben, weil sie Begegnungen schaffen und für Emotionen sorgen. Beide sind unabdingbar für unsere Gesellschaft. Kulturelle Events berühren die Seele der Menschen.
Wie sieht es bei den Messen aus?
Messen werden transformiert. Der digitale Anteil wird wichtiger, weil Kunden heute auf das Herstellen von Reichweite eingestellt sind, nicht auf die sStandhardware, und da schafft nur Digitalität. Aber ich glaube nicht, dass Business2Business-Events von nun an vollständig digital werden.
Welche Vorteile haben digitale Events?
- Die richtigen Tools: Mit den richtigen Tools lassen sich virtuelle Veranstaltungen zu einer sinnlichen und interaktiven Erfahrung für die Teilnehmenden gestalten.
- Reichweite: Die praktisch unlimitierte Reichweite und die Tatsache, dass die Abfolge nicht mehr an die Linearität der Veranstaltung gebunden ist.
- Aufzeichnung abrufbar: Nach dem Anlass bleibt der digitale Event als Aufzeichnung abrufbar und generiert so einen lang anhaltenden Marken- und Produkttransfer.
- Visitor Journey online erlebbar: Die digitale Eventplattform ist nicht nur der virtuelle Einstiegspunkt des Anlasses, sondern sie erlaubt Marken, die Visitor Journey online erlebbar zu machen, eine Community zu bilden und die Botschaft nachhaltig zu vermitteln.
