Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «Word»?
Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Ausdruck «Word».

Wer um alles in der Welt hat denn dieses Unding populär gemacht? Vor allem bärtige Männer mit gestähltem Gym-Körper und etwas zu engen Hemden scheinen es zu lieben.
«Word» wird von ihnen – und weiteren wortfaulen Personas – auf alle möglichen Arten geäussert. In Posts und Comments, an der Bartheke oder in Sitzungszimmern geben sie es in einer Art von sich, die an das Gehabe von Gorillamännchen im Zoo erinnert. «Word» meint auf Deutsch «dein Wort in meinen Ohren» und hat per sofort das für viele zu softige «ich bin bei dir» abgelöst. Wenn das kleine Wort dann noch versal geschrieben wird, dann schreit es schon fast verzweifelt aus dem Mobile Screen nach Anerkennung von Gleichgesinnten.
Komplexer denken statt vereinfacht reden
Dass Kommentarlisten auf Social Media eher einer Toilettenschüssel eines Clubs nach vier Uhr morgens gleichen als einer sachlich geführten Debatte, ist ja branchenweit bekannt. Es ändert aber nichts an der zustimmenden Brüllerei. In den physischen Begegnungen sind diese Brunstlaute meist noch begleitet durch Fäusteln oder – noch schlimmer – Zusammenprallen der vom vielen Bankdrücken fast berstenden Brustkästen. «Word, Man, du sagst es.»
Einverstanden, «OMG», «BFF» und andere Akronyme, die medial eher weiblichen Wesen zugeordnet werden, helfen auch nicht gerade dabei, die analoge und digitale Welt besser zu verstehen und zu kommentieren.
Aber bei allem Hang zur Effizienz: «Word» reduziert ins Nichtssagende. Zudem ist es ein Produktname, der uns seit Jahrzehnten täglich verfolgt und aus einer Zeit stammt, zu der englische Allerweltswörter wie Apple und Window noch als Produktenamen verwendet werden konnten. Heute ist die Welt ja inklusive der Produktenamen viel komplexer geworden. Vielleicht liegt es daran, dass wir Männer versuchen, diese Komplexität zu verstehen, indem wir sie vereinfachen. Aber der Meister dieser Form drüben im Weissen Haus kann doch nicht im Ernst unser Role-Model sein, bitte! Statt also in seinem Comfort-Network rumzubrüllen, wäre es angesagter, nicht die Komplexität zu reduzieren, sondern handkehrum dafür zu sorgen, dass unser Denken und Handeln komplexer wird.
* Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.
