Die Jungunternehmer

Caroline Braun und Stefan Bircher waren bei Absolutturnus Films angestellt. Jetzt hat Reiner Roduner die beiden beteiligt und die Spot-Unit Shining Pictures gegründet.

Was macht ein Unternehmer, wenn er Mitarbeiter hat, die er nicht verlieren will? «Im Schnitt bleiben die Leute fünf Jahre. Dann wollen sie weiter und mehr Verantwortung sowie Kompetenzen», sagt Reiner Roduner von Absolutturnus Films in Zürich. Will eine Mitarbeiterin dabei Kinder, ist das eine eigene Geschichte. «Bei vielen anderen Motiven kannst du aber dagegen steuern.» Und zwar indem «man die Mitarbeiter beteiligt!», ist Roduner überzeugt.
Man gibt seinen besten Spezialisten neue Aufgaben und mehr Verantwortung. Die Energie, die entsteht, wenn man Leute mitbeteiligt, «ist eine ganz andere», glaubt Roduner und will das nun mit der Gründung von Shining Pictures bestätigt sehen. Dazu kommt, dass sich diese Politik auch optimal ins Konzept von Absolutturnus einfügt und eine ideale Reaktion ist auf die aktuelle Entwicklung im Markt.
Shining Pictures ist das Resultat einer Öffnungsstrategie der Absolutturnus Films. Der Gründung lag die gleiche Idee zugrunde wie bei der Auslagerung von Seed Audio-Visual Communication aus Reiner Roduners Unternehmen. Das strategische Ziel heisst integrierte Kommunikation: Seed für Corporate-Filme, Shining für Commercials, Utainment für TV-Formate und Absolutturnus Films für neue Medien. Mit einer solchen Gliederung will Roduner eigene Kompetenzzentren für den gesamten audiovisuellen Bereich anbieten können.

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Die Rückkehrerin
«Es macht Sinn, wenn ich nach aussen klar kommunizieren kann: Wir machen Werbung, wir machen Corporate, wir produzieren TV-Formate», sagt Roduner. Es sei sonst schwierig, sich zu profilieren, wenn man alles anbietet. Corporate-Filme sind für Werber eine andere Welt. Darum hat Roduner seine Absolutturnus geteilt und klar strukturiert. «Natürlich bleiben wir ein eng verknüpftes Team. Wir sind jetzt elf Leute. Wenn wir ein Brainstorming machen, dann sind alle dabei und müssen mitdenken. Das spiegelt auch die moderne Entwicklung. Ein Spot ist ja heute nicht mehr nur einfach ein Werbespot. Die integrierte Kommunikation ist Zeitgeist. Die Kunden wollen ihre bewegten Bilder möglichst vielseitig einsetzen können. Dazu haben wir die Möglichkeit und jetzt auch alle Spezialisten unter einem Dach.»
So zum Beispiel Caroline Braun. Nach dem KV auf einer Bank und ihrer Berufsmatur wollte diese zuerst einmal «ausgiebig reisen». Die halbe Neuseeländerin besuchte ihre Heimat und trampte auch für längere Zeit durch Australien. Das «road movie» endete schliesslich beim richtigen Film. Bei Susanne Henggeler und Christian Aeby bekam Braun eine Chance als Produktionsassistentin bei der damaligen Tin Tin Film in Zürich. Schnell wusste sie rund um Kameras und Action Bescheid: «Das ist meine Welt.» Als Henggeler die Tin Tin verliess, suchte auch Braun nach einer neuen Herausforderung und drehte zum ersten Mal mit Reiner Roduner. Drei Jahre blieb sie bei der frühen Absolut Film als Produktionsleitung. Dann wollte sie «noch ein bisschen weiter schauen». Caroline Braun schaffte die Aufnahme an die Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin. Ein begehrter Ausbildungsplatz, denn hier werden pro Jahr nur zehn von Hunderten von Bewerbern aufgenommen. Der spezialisierte Lehrgang, den es mittlerweile nicht mehr gibt, lief unter dem Titel «TV Producer». Sehr praxisnah lernten die Studierenden das Handwerk rund um Serien und Spielfilme. Wie wird ein Stoff erarbeitet? Was sind die Abläufe einer Eigenproduktion? Verbunden war diese Professionalisierung auch mit zwei Praktikas bei ProSieben und Sat 1.
Nach der Filmschule hatte Caroline Braun ein Angebot in Berlin. Die Stadt war für sie «sehr spannend» – aber irgendwie auch etwas «zu gross». So jobbte sie lieber die nächsten vier Jahre als Freelancerin in der Schweiz. Aus dieser Zeit erinnert sie sich neben unzähligen Spots auch an eine «grosse Kiste» mit Stefan Zürcher und Leonhard Gmür für «Band of Brothers», einer Produktion der Hollywood-Grössen Steven Spielberg und Tom Hanks. Andere wertvolle Erfahrungen brachten auch ein paar Aufträge für die Bloofeld Entertainment Eventagentur, bevor die inzwischen erfahrene Medienfrau wieder «etwas Festeres» suchte. Das ideale Angebot kam schliesslich von Reiner Roduner, der seine Absolut inzwischen zur Absolutturnus erweitert hatte. Fünf Jahre nach ihrem Weggang folgte für Braun 2005 das «Remake», dieses Mal in der Rolle als Produzentin.

Der sportlich Kreative
Auch Stefan Bircher hat sein Glück bei Roduner gefunden. Nach der Wirtschaftsmatura studierte Bircher Publizistik. Film – das war sein langjähriger Berufstraum. Nach unzähligen eigenen kleinen Produktionen ergab sich dann bei Star TV die erste Chance für den Einstieg ins professionelle TV-Geschäft. Dort konnte er die damals noch extern produzierte Sendung «Freestyle» als Produzent übernehmen und fortan inhouse produzieren. «Der damals wie heute sehr umstrittene, weil sehr provokativ und polarisierend moderierende Marco Schwab, den ich damals in die Sendung gebracht habe, ist heute noch dabei», freut sich Bircher.
In seinen fast drei Jahren bei Star TV genoss der Produzent vor allem die vielen Freiheiten. «Man kann bei Paul Grau sehr viel selber entscheiden, muss aber auch einen Rüffel einstecken, wenn eine Sendung nicht funktioniert.» Bircher hat sehr schnell die richtige Bildsprache für sein junges Zielpublikum gefunden. Er war für diese Sendung rund um Extremsport genau der richtige Mann – schliesslich hat er selber einen starken Background als Skateboarder. Als Achtjähriger entdeckte er die Leidenschaft für das Rollbrett.
Nach der Zeit bei Star TV folgten Profivertragsangebote. Bircher musste sich entscheiden und wusste: «Ich muss es JETZT machen.» Er folgte den Angeboten von Levis und DC und wurde als Marken-Botschafter in alle Welt geschickt. «Damals konnte ich gut davon leben. Ich verdiente zwar nicht das grosse Geld, hatte aber auch fast keine Ausgaben. Hotels und Reisen wurden bezahlt, Autos und Ausrüstung zur Verfügung gestellt.» Am wertvollsten war in dieser Phase aber seine Einsicht in die Berufswelt der Medien. «Ich erlebte hautnah, wie Sponsoring funktioniert. Dazu konnte ich auch bei vielen internationalen Filmdrehs mitwirken.»
Bircher lernte damals auch Profisportlerkollegen wie Marco Lutz und Johannes Eisenhut kennen. Auch die beiden Snowboard-Legenden und weitere Freunde aus dieser Zeit sind in der Werbung gelandet. Bircher fand diese Kurve schliesslich vor sieben Jahren über den Erwerb des eidgenössischen Marketing Kommunikationsplaners und seinen Einstieg bei Reiner Roduner.
Zwölf Frauen hatten sich als Produktionsassistentinnen beworben. Die Meinung des Chefs war schon gebildet, als plötzlich noch Stefan Bircher auftauchte und den Girls die Show stahl. «Er tickte einfach irgendwie völlig anders und hat mich sofort überzeugt», freut sich Roduner heute noch über seinen Entscheid.

Andreas Panzeri

Shining Pictures unter dem Dach der Absolutturnus Films hat in der neuen Organisationsform bereits grosse Aufträge für McOptik, die Krankenkasse Concordia sowie für PricewaterhouseCoopers im Kasten. Aktuell ist ein Spot für Zimtstern Streetwear mit Marco Lutz als Regisseur in der Postproduktion. Dazu laufen diverse Pitches. Bei denen ist besonders interessant, dass immer mehr Kunden oder Agenturen nicht mehr nur einen Spot, sondern gleich für mehrere Formen offerieren lassen. Virale Filme, Kinotrailer, Billboards: Crossmedial ist heute angesagt. Und das Absolutturnus-Netzwerk kann das inhouse alles umfassend bedienen.

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