Der HarbourClub – CCOs unter sich

Der im Jahr 2000 gegründete HarbourClub vereinigt aktive Chief Communication Officers von Unternehmen und Organisationen in der Schweiz. Die Anzahl Mitglieder ist auf 100 beschränkt. MK hat den frisch gewählten Präsidenten Hans-Peter Nehmer zu den Zielen des HarbourClubs und der Zukunft der Unternehmenskommunikation befragt.

PortraitHPN

Ein CCO leistet einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Die Schaffung von nachhaltigen Werten ist oberstes Ziel. Dies bedingt strategisches Kommunikationsverständnis, exzellentes Kommunikations-Know-how, operative Effizienz und soziale Kompetenz gegenüber allen Anspruchsgruppen.

Die Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung und die Realität sind Faktoren, an welchen er sich in seinem Handeln orientiert. In seiner Aufgabe trägt der CCO zur Meinungsbildung bei. Als Vordenker, Stratege und Gewissen im Unternehmen gehört es deshalb auch zu seiner Aufgabe, Klartext zu reden, Einfluss zu nehmen und für Erfolge zu sorgen.

Der HarbourClub fördert den Erfahrungsaustausch unter den Führungskräften der strategischen Kommunikation. Informelle Kontakte werden geknüpft und der Wissenstransfer wird auf der Basis gegenseitigen Vertrauens gepflegt.

 

MK: Herr Nehmer, Sie sind der neue Präsident des HarbourClubs. Bleiben die Ziele des HarbourClubs unter Ihrer Führung dieselben?

Hans-Peter Nehmer: Die Clubziele ändern sich nicht mit meiner Person. Der HarbourClub ist als informelle Plattform bewusst schlank organisiert. Im Vorstand sind wir ein gut eingespieltes Team und divers zusammengesetzt. Kontinuität ist mir sehr wichtig – und wir waren und sind ja erfolgreich unterwegs.

Ziel des HarbourClubs ist der offene, persönliche und professionelle Erfahrungsaustausch unter den Kommunikationsverantwortlichen wichtiger Schweizer Unternehmen und Organisationen. Der Fokus ist und bleibt die strategische Kommunikation, die Auseinandersetzung mit Herausforderungen in der Unternehmenskommunikation und die Förderung informeller Kontakte untereinander.

 

Wie sehen Sie die zukünftige Ausrichtung des HarbourClubs?

Die Kommunikation befindet sich durch die Digitalisierung in einem radikalen Wandel. Deshalb haben wir mit unserem Manifest #bravenewcommunications Schwerpunkte gesetzt, denen wir noch mehr Rechnung tragen wollen. Das gilt vor allem der Frage, welchen Herausforderungen sich Kommunikationsleiter im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung stellen müssen, und wie sehr dies das Berufsbild ändert.

 

Können Nichtmitglieder vom Knowhow des Clubs profitieren?

Wir sehen unseren Club nicht als elitären, abgehobenen Kosmos. Schon bei der Gründung im August 2000 haben die Gründungsmitglieder beschlossen, dass als Zeichen der Offenheit des Clubs jährlich ein Symposium stattfinden soll, das allen Interessierten zugänglich ist. Dieses hat sich mittlerweile zu einem der renommiertesten Events der Branche mit jeweils mehr als 200 Teilnehmern entwickelt. Auf die 21. Auflage am 5. November bin ich schon sehr gespannt.

Ein weiterer, öffentlich zugänglicher Schwerpunkt des HarbourClubs ist das jährliche Schweizer Geschäftsberichte-Rating. Drei Jurys – Valuereporting, Gestaltung und Schlussjury – bewerten jeweils über 200 Schweizer Geschäftsberichte. Neu ab diesem Jahr wird zudem die Textqualität bewertet. Mit dem Rating leistet der HarbourClub einen wichtigen Beitrag zur Transparenz in der Berichterstattung. So zeigen wir der Branche auf, wo die Best Practice-Standards liegen und wo Verbesserungen realisiert werden können.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des Geschäftsberichte-Ratings?

Das Schweizer Geschäftsberichte-Rating ist weltweit einzigartig. Mir ist kein anderes Beispiel bekannt, das unternehmerische Berichterstattung ähnlich umfassend und systematisch analysiert und bewertet. Im letzten Jahr waren es 238 Berichte, die wir unter die Lupe genommen haben – in ihrer gedruckten wie auch ihrer Online-Version. Wir beobachten die Entwicklung bei der Geschäftsberichterstattung genau und überprüfen die Bewertungskriterien laufend. Allerdings treten die grossen Veränderungen meistens viel langsamer ein als prognostiziert. Das hat sehr wahrscheinlich damit zu tun, dass die Prozesse in der Geschäftsberichterstattung komplex sind und viele Stellen involviert sein müssen.

 

Wie entwickelt sich die Kommunikation nach innen und aussen aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren?

Was wir tun – die Pflege der Reputation, der richtige Umgang mit Stakeholdern und die Steuerung der strategischen Kommunikation – wird sich nicht verändern, Aber wie wir es tun, ändert sich schon heute. Dieser Prozess wird noch eine Weile dauern.

Operativ steht die Kommunikation vor der Herausforderung, mit der rasanten Transformation mitzuhalten und die technologischen Entwicklungen sinnvoll zu nutzen. So bringen die Neuerungen der Digitalisierung auch neue Anforderungen an die Kommunikationsfachleute mit sich. Beispielsweise wird die Disziplin der Datenanalyse- und Interpretation immer wichtiger.

Zudem sehe ich, dass Unternehmen unter einem immer grösseren gesellschaftlichen Druck stehen, «das Richtige» zu tun. Rendite allein reicht nicht mehr. Hier wird die Kommunikation künftig ihre Rolle als Brückenbauer und Berater des Managements noch stärker wahrnehmen müssen.

 

Haben Sie 3 Tipps für Kommunikationsverantwortliche?

Pflegen Sie Ihr Netzwerk auch ausserhalb der Kommunikationsbranche. Bleiben Sie am Ball, was neue Entwicklungen anbelangt, bilden Sie sich weiter und vergessen Sie darüber Ihr Privatleben nicht.

 

Interview: Heinz Urben

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