Kompetenz, Konsequenz und Kanal-Exzellenz

47 Marketingleiter und 95 Verkaufsleiter erhielten am Samstag im Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken ihre eidgenössischen Diplome. Dank dem neuen Prüfungsreglement erhält die Schweizer Wirtschaft insgesamt 142 erfolgreiche Talente, die jetzt noch praxisorientierter ans Werk gehen.

Die Trophäen, die an diesem Abend verliehen wurden

Die Trophäen, die an diesem Abend verliehen wurden.

 

Hightech-Produktion und Beschäftigungszahlen. Patentanmeldungen pro Kopf, Wettbewerbsfähigkeit und Bildungssystem: In fast allen wichtigen Disziplinen besetzt die Wirtschafts-Schweiz Spitzenpositionen in den entsprechenden weltweiten Ranglisten. 

Und wenn bezüglich der Schweiz immer mal wieder das Prädikat eines «Innovationsweltmeisters» fällt, wird klar: Hier haben wir es mit einem Land zu tun, das nicht ruht. Sondern den Wettbewerb sucht, seine Hausaufgaben macht und immer besser werden will. Dabei gilt das hiesige Aus- und Weiterbildungssystem, das stark auf den dualen Weg und damit explizit auf Praxisorientierung setzt, als einer der wichtigsten Treiber für den anhaltenden Erfolg des Werk- und Denkplatzes Schweiz. 

«Lernen mit Praxisbezug ist der einzig richtige Weg»

Wie weit man es bringen kann mit einem konsequent praxisorientierten Ansatz, zeigte Reto Böhner an der Diplomfeier der Marketing- und Verkaufsleiter. Der Basler kam nicht nur als Jahrgangsbester der Marketingleiter ins Ziel, sondern war auch in den Einzeldisziplinen «Fachgespräch» sowie «Situative Fragen» der beste seiner Peer Group. Weil Böhner damit gleich mit drei Sieger-Trophäen beladen wurde, «könnte er gleich eine Eisenhandlung eröffnen», bemerkte Kurt Aeschbacher, der Moderator der Diplomfeier.

Jahrgangsbester Marketingleiter Reto Böhner, 37, mit seiner partnerin

Jahrgangsbester Marketingleiter Reto Böhner, 37, mit seiner Partnerin.

 

Ein munterer Scherz, keine Frage. Aber der dreifache Erfolg hat eben auch eine ernsthafte Begründung:  «Praxisbezug ist für mich der einzig logische Weg einer Weiterbildung», sagte Böhner, der für die Genossenschaft Migros Basel tätig ist. Sandro Langenegger, Jahrgangsbester bei den Verkaufsleitern, pflichtete bei: «Nicht nur die Schulbank drücken, sondern auch starken Bezug zur Praxis pflegen» hält der Ostschweizer, der für die Liechtensteinischen Kraftwerke LKW aktiv ist, für den Erfolgsweg. 

Die persönliche Zahl der Jahresringe spielt dabei in einer Zeit, die das «lebenslange Lernen» fordert und fördert, eine untergeordnete Rolle. Was sich auch bei den beiden Jahrgangsbesten zeigt: Böhner ist 37, Langenegger 24 Jahre jung. Das Spitzenduo hat es geschafft, im entscheidenden Moment das erworbene Wissen abzurufen und auf den wichtigen Handlungsfeldern seine Kompetenzen zu beweisen.

Jahrgangsbester Verkaufsleiter Sandro Langenegger, 24, mit Partnerin

Jahrgangsbester Verkaufsleiter Sandro Langenegger, 24, mit Partnerin.

Vom auswendig Lernen zur Kompetenz

Wobei «Kompetenzen» für den Weg eines jeden Marketingleiters und eine jede Verkaufsleiterin eines der wichtigsten Wörter ist. In einer Zeit, da Google jederzeit das aktuelle Wissen der Welt bereitstellen kann, aggregiert mit Fakten und jüngsten Veränderungen, rückt das reine auswendig Lernen von Informationen in den Hintergrund. Was viel wichtiger ist: Wie man umgeht mit den Informationen, die sich jedermann beschaffen kann, wie man nackte Fakten in einer Mischung aus theoretischem und praktischem Wissen in Markterfolg umsetzt. 

An dieser Stelle haben die Trägerverbände Swiss Marketing und Kaufmännischer Verband angepackt. Die Prüfungen der Marketing- und Verkaufsleiter wurden 2019 zum ersten Mal in einem Modus angelegt, der mehr auf Kompetenzen als auf angelerntes Wissen baut. Dazu wurden die tatsächlichen Einsatzgebiete dieser Markt-Cracks in Zusammenarbeit mit mehr als 100 Schweizer Firmen einem Reality-Check unterzogen. Daraus ergab sich eine neue Art, die Performance der Kandidatinnen und Kandidaten realitätsnäher und qualitativ nachhaltiger zu bewerten. Damit die Lernziele hochwertiger und konsistenter geprüft werden konnten, wurden auch alle Expertinnen und Experten einem intensiven Screening unterzogen und viele neue Kapazitäten an Bord geholt.

Erfolgsquote Key Account Management: 100 Prozent

Zu den Zahlen der Diplomfeier: Insgesamt 60 Marketingleiterinnen und -leiter beendeten die Prüfung, davon haben 78,3 Prozent mit Erfolg bestanden. Bezüglich der Noten lag der Gesamtdurchschnitt bei 4,2. 

Bei den Verkaufsleiterinnen und –leitern beendeten inklusive Verkaufsleiter-Key-Account-Manager 175 Personen die Prüfung – 53,75 Prozent bestanden. Ausschlaggebend für diese eher tiefe Quote war wohl das neue Prüfungsreglement, welches stärker auf Kompetenzen setzt, glauben Ibi Bertschi, Präsidentin der Prüfungskommission bei den Marketingleitern und Markus Hinder, der die gleiche Position bei den Verkaufsleitern hält. Eine im langjährigen Vergleich bescheidene Erfolgsquote ist dabei nur die eine Seite der Medaille. Die wichtige andere Seite: Eine Prüfung, so sie denn akzeptiert sein soll im Markt, zeichnet sich nun einmal durch eine harte Selektion aus. Wer diesen Weg gegangen ist, mit all seinen Strapazen und Entbehrungen, kann den neuerworbenen Titel mit erhobenem Haupt tragen. 

Der Gesamtdurchschnitt bei den Verkaufsleitern betrug. 3,9. Deutlich besser kamen die beiden Teilnehmer der neuen Kategorie KAM ins Ziel: Zwei waren angetreten, zwei bestanden. Eine Erfolgsquote also von 100 Prozent. Diese wurde bei den KAM mit einem Gesamtdurchschnitt von 4,5 erreicht.

Von links Markus Hinder, Präsident Prüfungskommission Verkaufsleiter, Ibi Bertschi, Präsidentin Prüfungskommission Marketingleiter und Kurt Aeschbacher, Moderator der Diplomfeier

Markus Hinder, Präsident Prüfungskommission Verkaufsleiter, Ibi Bertschi, Präsidentin Prüfungskommission Marketingleiter, und Kurt Aeschbacher, Moderator der Diplomfeier (v.l.n.r.).

Aeschbi: Stark in Form und nahe am Markt

Erfolgsquoten und Notenschnitte machen an einer Diplomfeier aber nur die eine Erlebnis-Hälfte aus. Die andere Hälfte steht für die emotionale Seite, die Customer Experience quasi. Diese andere Seite wurde einmal mehr ebenso charmant wie schlagfertig von der TV-Celebrity Kurt Aeschbacher bewirtschaftet. 

Wo es «Aeschbi» richtig und wichtig erschien, im Publikum nachzufragen, tat er das. Gern fühlte er den Markt-Puls dabei auch mal bei den Freundinnen und Freunden der Diplomanden. Auch mit 71 verfügt der einstige TV-Talker über sein volles Arsenal an Wortwitz und Schlagfertigkeit. Als sich einer der Jahrgangsbesten seiner Kategorie beruflich zur Branche der Medizinaltechnik zählte, war ihm Aeschbis rhetorischer Punch jedenfalls sicher: «Sie sorgen also dafür, dass unsere Krankenkassen-Prämien steigen?». Böse kann Aeschbis dabei niemand sein, weil ein gutes Mass an Schalk zu seinen Kernkompetenzen gehört.

Diplomfeier erstmals mit Instagram-Auftritt

Wenn sich in der Welt der Schweiz Wirtschaft so viel und so schnell ändert, dann spiegelt sich das auch im kommunikativen Auftritt der Diplomfeier der Marketing- und Verkaufsleiter. Für die Organisatoren in Interlaken hiess dies schon im Vorfeld: Es galt, einen kompetenten Media-Mix aus bewährten und neuen Medien aufzugleisen, also eine zeitgemässe Kanal-Exzellenz zu etablieren. 

Am Top-Event der frischgebackenen Sales- und Marketing-Profis wurde filmisch auf die Prüfungsphase zurückgeblickt. Ein beliebtes Element, das den Erfolgs- und Leidensweg der Kandidatinnen und Kandidaten in Ton und Bewegtbild zeigt. Was im Saal da und dort erfreute (und erschreckte) Flashbacks auslöste. 

Erstmals wurde die Diplomfeier der Marketing- und Verkaufsleiter von einem Instagram-Account begleitet. Die wichtigsten Momente, das Geschehen im Saal – wozu auch das saisonal abgestimmte Sockenmuster des Kurt Aeschbacher zählte – gingen in Echtzeit auf und über den Sender.

More articles on the topic