«Was 2025 die genaue Rolle von Awards sein wird, ist mir noch etwas schleierhaft»
Markus Hammer, Executive Creative Director bei Equipe, stellt sich unseren «13 Fragen».

1. Das beste Buch, das Sie in letzter Zeit gelesen haben?
«Das Feld» von Robert Seetaler. Das Buch beschreibt in kurzen Geschichten das Leben verschiedener Menschen, die am Ende alle auf demselben Friedhof landen. Seetaler schreibt extrem klar und gleichzeitig immer auch wahnsinnig berührend. Er ist ein wirklich wunderbarer Autor.

2. Wie sieht Ihr privates TV-Konsumverhalten aus?
Momentan finde ich mich des Öfteren auf russischen Webseiten wieder, da ich gerne mal Champions League schaue. Ehrlich ge sagt, ist bei uns zu Hause lineares Fernsehen praktisch tot. Aber natürlich zahle ich immer noch sehr gern für «Glanz & Gloria», «In aller Freundschaft» oder Rosamunde Pilcher.
3. Welche Printmedien haben Sie privat abonniert?
Keine. Ich kaufe mir am Wochenende aber gerne mal die Süddeutsche, den Kicker und die Zeit.
Markus Hammer ist seit Oktober Kreativchef und Mitglied der Geschäftsleitung bei Equipe. Davor arbeitete er in verschiedenen Agenturen in Zürich und Hamburg, wo er zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbei ten erhielt. Zuletzt war er als Executive Creative Di rector bei Publicis Communications tätig. Er wuchs in Engelburg bei St. Gallen auf und wohnt heute mit seiner Familie in Winterthur.

4. Können Sie uns ein kleines Geheimnis verraten?
Ich habe nie studiert und auch keine Matura, da ich mich nach drei Jahren Gymnasium glücklicherweise für den Vorkurs der Kunstgewerbeschule entschieden habe. Ich bin noch heute froh darüber, dass es auch ohne klassisches Studium möglich war, in der Kommunikationsbranche Fuss zu fassen.
5. Wofür möchten Sie am liebsten werben?
Ich würde unheimlich gerne eine Sensibilisierungskampagne für sinnvolle Handynutzung machen. Und zwar nicht für Jugendliche, sondern für Eltern. Die Art und Weise, wie wir unsere Kinder ihren Handys und Spielkonsolen überlassen, ist einfach nur erschreckend. Logischerweise tangiert das Thema auch uns zu Hause sehr stark.
6. Das beste Testimonial, das es je gegeben hat?
Ich finde Snoop Dogg macht das immer wieder ganz gut…
7. Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?
Ich beschreibe unsere Arbeit zurzeit oft als «kreativen Maschinenbau». Die Herausforderung liegt darin, Ideen mit intelligenten und performanten Kampagnenarchitekturen zu verbinden. Nichtsdestotrotz gilt es auch weiterhin, Relevanz zu kreieren. Und damit tun sich viele Agenturen und auch Kunden zurzeit wahn sinnig schwer. Da hilft auch der ganze Purpose-Exkurs in vielen Marketingabteilungen nur bedingt.
8. Ein Buzzword, das Ihnen auf die Nerven geht?
Performance-Marketing. Sollten Marketingaktivitäten nicht schon immer auf irgendeine Art und Weise performant sein? Das Buzzword KPI Framework lasse ich jetzt bewusst mal weg.
9. Welche Rolle spielen Awards in der Werbebranche?
Die Rolle von Awards ändert sich alle fünf Jahre grundlegend. Ursprünglich wurde tolle, echte Werbung aus dem Tagesgeschäft ausgezeichnet. Dann wurde das ganze Award-Business ad absurdum geführt und nur noch teilgenommen, um auf Pitch listen zu landen und potenzielle junge Mitarbeiter für die Agentur zu begeistern. Egal, ob die Ideen Prototypen oder echte Arbeiten waren. Momentan entwickelt sich das Award-Business dahin, dass sich Kunden und ihre Marketingabteilungen gegenseitig feiern. Deshalb gibt es ja auch gefühlt 25 neue Awards jedes Jahr. Was 2025 die genaue Rolle von Awards sein wird, ist mir noch etwas schleierhaft. Ich bin aber ziemlich überzeugt davon, dass die Freude über tolle und relevante Arbeiten wieder mehr in den Fokus rücken wird. Denn davon prfiotiert am Ende auch das Business unserer Kunden wieder.
10. Welche Eigenschaften machen Sie zu einem guten Werber?
Ich denke, was mich am meisten auszeichnet, ist die Neugier und die Freude, mich immer wieder auf neue Fragestellungen einzulassen, um am Ende daraus erfolgreiche Kommunikation zu formen. Das Wort Werber ist für mich jedoch wohl die falsche Jobbezeichnung.
11. Welchen Berufskollegen würden Sie mit auf die einsame Insel nehmen?
Stefan Rebbe, einen meiner ehemaligen Chefs und Mitbegründer von Kolle Rebbe. Stefan ist nicht nur ein brillanter Kopf – sprich um ein Vielfaches schlauer als ich – und toller Gesprächspartner, sondern labert auch gerne mal Scheisse. Ich denke, das ist eine sehr gute Mischung.
12. Was nervt Sie an der hiesigen Werbebranche?
Ehrlich gesagt, nichts. Die gesamte Kommunikationsbranche befindet sich zurzeit in einer der spannendsten Phasen überhaupt. Das motiviert und macht Spass.
13. Erhält die Werbebranche für ihre Arbeit genug Wertschätzung?
Ich denke, ja. Ansonsten würden unsere Kunden uns ja nicht mit spannenden und auch komplexen Aufgabenstellungen beauftragen.
