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Philipp Augenstein findet als Head of Interaction bei Mediacom die Arbeit in der Schweiz extrem spannend, weil sich hier die Entwicklung in der Online-Media-Welt erst noch vor dem grossen Durchbruch befindet.

People First. So lautet das Motto von Mediacom. Ein abgedroschener Begriff? Wo sind Menschen – und damit auch Kunden, Konsumenten und Mitarbeiter – schliesslich nicht Mittelpunkt in einer Mediaagentur! Philipp Augenstein kann uns aber eines Besseren belehren und hinter dem Schlagwort gleich in verschiedener Hinsicht einen individuellen Menschen präsentieren.
Wenige Stunden vor unserem Interview ist bei Mediacom ein jährlich wiederkehrendes Ritual über die Bühne gegangen. «If I ran the company» nennt sich das Projekt. Dabei wird in allen 111 Niederlassungen von Mediacom in 87 Ländern zur genau gleichen Zeit ein Contest veranstaltet: «Was würde ich machen, wenn ich Mediacom selber leiten könnte?» Für die Präsentation seiner Ideen hat jeder Mitarbeitende zwei Minuten Zeit. Die Geschäftsleitung prämiert den besten Vorschlag. Sinnvolles wird möglichst umgesetzt. Dazu nehmen die Sieger aus aller Welt auch noch am internationalen Finale teil. Dort wird der beste Vorschlag auf jeden Fall in die Tat umgesetzt. Und mit einem entsprechenden Preis belohnt.
Einkaufsmacht – und Innovation
Ideen haben, das ist heute die gefragte Kompetenz bei Mediacom. Das Erfolgsrezept heisst Strategie. Das Fundament dazu ist nach wie vor die geballte Einkaufsmacht. Der führende TV-Einkäufer Europas konnte in der Schweiz für seine Kunden wie Procter & Gamble, IKEA, BAT, Mars, Coca-Cola, Bayer Healthcare, Nokia oder Mediamarkt vor allem die besten Konditionen
garantieren.
Das war auch ein Grund, wieso die Mediacom vor rund zwanzig Jahren nach Zürich gekommen ist. Damals wollte deren Grosskunde Procter & Gamble mehr Einfluss nehmen beim Media-Einkauf direkt vor Ort. Als weitere internationale Kunden kamen, wollte man bald auch wissen: «Ticken die Schweizer anders als Deutsche?»
So hat sich langsam die Strategie etabliert. Das Büro ist gewachsen. Anfangs blieb es aber die einzige Politik von Mediacom in Zürich, hier vor allem internationale Netzwerkkunden direkt vor Ort bedienen zu können. Inzwischen hat das Geschäftsmodell gewechselt. Mediacom tritt in der Schweiz auch offensiv beim Pitchen um nationale Kunden auf.
Erste Player wurden bereits mit Amag und Bongrain gewonnen. Äusserlich zeigt sich das Wachstum im Umzug von kleinen Räumlichkeiten an der Bellerivestrasse in einen trendigen Loft bei der Hardbrücke. Hier hat Mediacom viel Mittel und Manpower investiert. Die Zahl der Mitarbeitenden ist auf 45 angewachsen. Die meisten davon sind nicht mehr Einkäufer, sondern Strategen. «Was bringt es, wenn man toll einkaufen kann, aber letztendlich des Kunden Ziel nicht verstanden hat?», meint Augenstein. Im TV-Bereich beispielsweise hat die Mediacom stark auf die Einführung der PIN-Daten, den «Personen-individuellen Nutzungsdaten», im Schweizer Markt gedrängt und wirkt beim Auswahlprozess unterstützend mit. Auch die Spezialeinheit Interaction ist auf mehr Daten als Planungsgrundlage angewiesen. Aus diesem Grund wirkt Augenstein unter anderem bei der Etablierung der IAB (Internet Advertising Bureau) in der Forschungsabteilung mit. Dort wird er demnächst eine grosse Forschungskampagne, die Argumente und Erkenntnisse für die Werbung im Schweizer Internet liefern soll, orchestrieren.
Channel-Planning in den digitalen Medien
«People First» – hinter dem Slogan können wir immer mehr auch auf Kundenseite einen möglichst genau definierten Menschen statt einfach eine anonyme Masse sehen. «Natürlich unter strenger Einhaltung aller Datenschutzbestimmungen», ergänzt Augenstein. Die besten Chancen für eine derart zielgerichtete Werbung innerhalb einer crossmedialen Strategie bieten sich täglich mehr in den digitalen Medien. Seit 2007 baut Mediacom in Zürich mit einer eigenen Abteilung diese Kompetenzen auf. Als Head of Interaction wirkte von Beginn weg Philipp Augenstein. In nur wenig mehr als einem Jahr ist seine Abteilung auf vier Leute angewachsen. Bereits wird nach weiteren Spezialisten Ausschau gehalten.
Augenstein sieht einen grossen Bedarf für seine Beratung, weil in der Schweiz das Potenzial für Online-Werbung noch viel weniger ausgeschöpft wird, als es der hohen technischen Entwicklung und Verbreitung eigentlich entspre chen würde. Als nur ein Beispiel nennt er das dynamische In-Game-Advertising. In Deutschland hat Mediacom dieses neue Medium bereits im Jahre 2005 für Coca-Cola eingesetzt. In der Schweiz hat Augenstein erst 2007 – aber immer noch als helvetische Premiere – nachziehen können und zusammen mit Goldbach auch gleich die erste Qualitätsforschung nachgeliefert. Seither haben bereits weitere Kunden wie Nokia, Mars und Universal Pictures virtuelle Werbeflächen in Top Games wie Need for Speed, FIFA Soccer oder Tony Hawk’s Skateboarding belegt.
Channel-Planning innerhalb der digitalen Medien: Das ist für den Head of Interaction bei Mediacom ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten. Wie erreicht man einen Manager, wie einen 16-jährigen Teeny? «Was dem einen sein Blackberry, ist dem anderen seine Wii.» So Augenstein.
Was im Print schon lange bis ins feinste Detail mit völlig unterschiedlichen Publikationen gepflegt wird, heisst für viele oberflächliche Mediaplaner in den digitalen Medien immer noch einfach Internet und Bannerwerbung. Kontaktsteuerung ist für viele ein Fremdwort. Das will Augenstein ändern. Ebenso zum Beispiel die Bezahlung für Werbung im Internet. Hybride Modelle sollten im Angebot sein, so wie sie in England und Deutschland bereits etabliert sind. Konkret: Man einigt sich mit einem Vermarkter auf ein bestimmtes Paket von Einblendungen, ab einer gewissen Grenze werden aber nur noch die effektiv über das Netz generierten Verkäufe honoriert. Wer so denkt und handelt, muss offensichtlich neben seiner technischen auch noch eine kreative wie auch eine kaufmännische Seele haben.
Frühes Interesse an IT
Seine ersten Schritte in der Werbung hat Philipp Augenstein schon mit Kindsbeinen gemacht. Er ist nämlich quasi in einer Werbeagentur aufgewachsen. Sein Vater besass in der Nähe von Karlsruhe eine Full-Service-Agentur mit 20 Mitarbeitenden. Seine Mutter, gelernte Goldschmiedin und studierte Designerin, war im «Familienunternehmen» für die Grafik zuständig.
«Auch wenn wir nicht für die führenden Brands der Welt, sondern für den lokalen Malermeister arbeiteten: Die Grundmechanismen waren die gleichen», erinnert sich Philipp an seine frühen Eindrücke von der Branche. In schulfreien Stunden war sein Lieblingsspielzeug der erste Computer in der Agentur. Mit 13 konnte er den Erwachsenen bereits «helfen, das Ding zu bedienen». Dem Rat seines Grossvaters folgend, studierte er später Wirtschaftsinformatik. Bei dem beruflichen Einstieg bei IBM konnte er in der Abteilung Hardware Sourcing den Einkauf auf höchstem Niveau lernen. «Verhandeln reizt mich sehr und ist inzwischen auch eine meiner Kernkompetenzen.»
In der Epoche von Schröders «Agenda 2010» durfte er für IBM am Projekt «Standortmarketing im Bereich E-Business» mitarbeiten. Was kann eine Kommune hier bieten? Welche Tools und Online-Plattformen soll eine Gemeinde zur Verfügung stellen? IBM hat damals im Internet-Hype «mit vielen Aufträgen von der öffentlichen Hand profitieren können». Als die Blase platzte, wurde Augensteins Abteilung aufgelöst.
Eine Chance, sein Wissen weiter einzubringen, bot sich schliesslich bei Mediacom. «Ich mache nun eine ähnliche Arbeit – aber jetzt für Unternehmen statt für Gemeinden.» Augenstein wurde bei Mediacom Düsseldorf im Coke-Team als Mediaplaner für Interaction eingesetzt. Für die Zukunft war aber bereits bestimmt, dass er hier ein Jahr lang für seinen heutigen Job in der Schweiz ausgebildet werden sollte.
Andreas Panzeri
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Für Coca-Cola realisierte Augenstein In-Game-Advertising als Schweizer Premiere.

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