Jonas Projer wechselt zur Blick-Gruppe – SRF verliert ein weiteres Aushängeschild

Jonas Projer wechselt zur Blick-Gruppe. Der TV-Journalist wird dort als Chefredaktor die Leitung für das Projekt «Blick TV» übernehmen. Es ist nicht das erste Aushängeschild, das SRF verliert.

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Spätestens per 1. September 2019 wechselt der Journalist und TV-Moderator Jonas Projer zu Ringier. Der 37-Jährige wird in der Blick-Gruppe die Leitung des Projekt «Blick TV» übernehmen. Unter diesem Projektnamen plant die Blick-Gruppe, den Bewegtbild-Anteil auf seinen Plattformen substantiell auszubauen.

Projer blickt auf eine lange Erfahrung im Journalismus zurück. Er arbeitete während vielen Jahren beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Zuletzt unter anderem als Leiter Talk-Redaktion und Moderator der Sendung «Arena». Schweizweite Bekanntheit erlangte er 2011 als EU-Korrespondent des SRF in Brüssel. Projer studierte Anglistik, Filmwissenschaften und Germanistik an der Universität Zürich und hält einen Abschluss im Studiengang «Film» der Zürcher Hochschule der Künste, während dem er auch ein Studienjahr an der renommierten School of Visual Arts in New York absolviert hat.

Der Abgang von Projer dürfte am Leutschenbach schwer wiegen. Wie ein SRF-Sprecher gegenüber der Schweiz am Wochenende angibt, ist man sich über die Nachfolge des beliebten «Arena»-Moderators noch nicht im Klaren. Sein Abgang sei unvermittelt gekommen. Als mögliche Nachfolger nennt die Zeitung beispielsweise Susanne Willle, die am Freitag ihren Rücktritt als «Rundschau»-Moderatorin bekannt gegeben hat, «Medienclub»-Moderator Franz Fischlin oder «Rundschau»-Journalist Sandro Brotz. Keine der drei Medienleute wollte sich zu einer möglichen «Arena»-Nachfolge äussern.

Neue Konkurrenz und alte Firmenkultur

Nach Roman Kilchsperter (Teleclub), Urs Gredig (CNN Money Switzerland) und Steffi Buchli (MySports) verliert SRF damit ein weiteres Aushängeschild. Kein Zufall, sind sich Experten und Insider einig. Die Abgänge seien einerseits die Folge einer neuen, erstarkten Konkurrenz, anaylsiert die NZZ am Sonntag: Bezahlsender wie Teleclub kaufen sich Fussballrechte, welche bisher in den Händen von SRF waren, und werben dafür auch gleich das erfahrene Personal vom Leutschenbach ab. Gleichzeitig setzen die grossen Verlagshäuser auf Videobeiträge und bauen dafür die entsprechenden Abteilungen aus. Im Gegensatz zu SRF halte sich dabei etwa Ringier nicht an das starre Lohngefüge, wie es der öffentliche Rundfunk kenne, schreibt die NZZ. Ringier CEO Marc Walder sei bekant dafür, dass er tief ins Portemonnaie greife, wenn er jemanden ins Haus holen wolle, heisst es. «Das Angebot war zu gut, um es abzulehnen», sagt Projer im Blick-Interview – und meint damit natürlich in erster Linie (auch) die neue Verantwortung und die Möglichkeit, ein jounalistisches Pionier-Projekt prägend mit aufzubauen.

Aus Sicht der NZZ am Sonntag ist aber auch die SRF-Firmenkultur verantwortlich für die schmerzenden Abgänge. Die Führung habe sich noch nicht auf die neue Konkurrenz eingestellt, erwarte von den Mitarbeitenden Dankbarkeit und dass sie «vor der Geschäftsleitung den Kotau machen», wird ein Kadermann zitiert. Befördert würden etwa Leute, die nie in Frage stellten, was von oben komme. Im Haus gehe es stets um die Absicherung der eigenen Macht, die Grundhaltung sei von Argwohn und Distanz geprägt, sagt ein SRF-Journalist. Dies wirke auf ambitionierte Mitarbeitende demotivierend. Ein anderer bemängelt, man kümmere sich bei SRF zu wenig darum, dass man entdecken, fördern und halten könnne, beim Thema Karriereplanung stosse man gegen eine Wand. Und weitere Stimmen kritisieren, die Unternehmensspitze kümmere sich zu wenig um die eitlen Moderatoren, die von oben Zuspruch erwarteten. In Deutschland, weiss die NZZ am Sonntag, verbrächten die Senderchefs «einen schönen Teil der Zeit damit, ihre bekannten Moderatoren bei Laune zu halten».

SRF scheint das Thema weniger dramatisch zu sehen. Die einzelnen Wechsel seien «angesichts von Dutzenden von etablierten SRF-Moderatorinnen und -Moderatoren» zwar «bedauerlich, aber nichts Aussergewöhnliches», wird Sprecher Stefan Wyss zitiert. Neue Player im Schweizer Bewegtbildmarkt seien erfreulich, da Konkurrenz das Geschäft belebe.

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